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05.10.06

‚Buchbesprechung“: Für den Notfall vorgesorgt …

Von Sven Tönnemann, Feuerwehr Monheim:

"Angesichts der Prognosen, dass es immer mehr Katastrophen geben wird, habe ich mir mal die Broschüre des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) durchgelesen.

0610 Notfall

Optisch muss ich schon mal ein großes Lob aussprechen, das Heft ist sehr ansehnlich und professionell gemacht. Inhaltlich sind auch alle Problembereiche angesprochen die im Zusammenhang der Selbsthilfe und der Vorbereitung auf Katastrophen einem so in den Sinn kommen.

So wird das Verhalten vor, während und nach einem Hochwasser ausführlich beschrieben, mit Tipps wie ‚Befahren Sie keine überfluteten Straßen.“ Das ist zunächst eine Selbstverständlichkeit in der Erläuterung erfährt man aber z.B. das die Keramik den Temperaturunterschied (700° C auf Wassertemperatur) des Katalysators sehr Übel nehmen kann.

Daneben gibt es wertvolle Tipps zum Verhalten bei Unwettern, dem vorbeugenden Brandschutz bis hin zu Verhalten bei ABC-Gefahren.

Etwas problematischer finde ich da schon den Bereich der Vorsorge in dem Heft. Dort wird einem vorgerechnet was man pro Person vorhalten sollte, wenn man 14 Tage in einer ‚Katastrophe“ überleben will.

Das Vorhalten einer Dokumentenmappe mit allen wichtigen Dingen ist kein Problem. Schwieriger wird es bei den Lebensmitteln und dem Trinkwasser. Dafür gibt es in der Broschüre eine extra Checkliste in der empfohlene Menge für EINE PERSON und geschätzte Lagerdauer angegeben sind. Es werden z.B. Konserven für Fleisch, Fisch, Wurst, Suppen, Obst und Gemüse vorgeschlagen, mit einem Füllgewicht von ca. 15 kg also rund 18 große Konserven. Daneben sollen es dann noch 5,5 kg Dauerbrot, Knäckebrot, Zwieback etc. sein (also z.B. 22 Pakete Knäckebrot!). Problem bei all diesen Sachen ist dann noch die Lagerdauer von etwa 1- 2 Jahren. Der ganze Kram muss also während dieses Zeitraums verbraucht und ersetzt werden.

Schließlich braucht man noch Trinkwasser, nach der Liste etwa 30 Liter Mineralwasser und 5 Liter Saft. Das sind also 2,5 Kästen Wasser immer als Reserve.

Das bedeutet, dass eine Familie mit zwei Kindern (z.B. 13 und 15 Jahre) etwa 72 große Konserven, 88 Pakete Knäckebrot und 10 Kisten Wasser sowie 20 Liter Saft vorhalten und im Lauf von 2 Jahren alles einmal austauschen soll. Also in den Mehrfamilienhäusern die ich so kenne, ist der Keller damit so gut wie voll.

Spannend wird es dann noch für den Fall der Evakuierung, für den man ein Notgepäck (Notrucksack) vorhalten soll. Wenn man das alles eingepackt hat, was rein soll, wo sollen dann die 18 Konserven, 11 Pakete Knäckebrot und 2,5 Kisten Mineralwasser rein und wer soll das alles tragen?

Notwendig wäre es im Fall der Fälle, ob die Verfasser allerdings selbst dran glauben, dass das jemand macht bzw. ob die das selbst alles zu hause haben?"

(Link zur Broschüre)

(Danke, Sven!)

Geschrieben von Irakli um 05.10.06 09:02

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Kommentare

Ich kenne diese Broschüre auch. Das BKK stellt in diesem Heft sozusagen die Maximalforderung. Ich denke, man kann getrost davon ausgehen, dass innerhalb eines Zeitraumes von 3 Tagen Hilfe auf einen zukommt. Die Bevorratung für bis zu zwei Wochen halte ich für übertrieben.
Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass das BKK aus dem ehemaligen Zivilschutz hervorgeht. Und wenn man kriegerische Auseinandersetzungen als Grundlage nimmt muss man diese Dinge auch in einem anderen Licht betrachten. Für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Feuerwehr ist es sicherlich ein Erfolg, die Bürger für das Thema ein wenig zu sensibilisieren und zu erreichen, dass wenigstens eine Taschenlampe im Haus ist im Falle eines Stromausfalles...

Geschrieben von: HansBeyer um 05.10.06 10:09

Hilfreicher finde ich sowieso die kleineren Broschüren wie "Was tun wenns brennt", "Was tun bei Gewitter", "Was tun bei Hochwasser". Bei größeren KatS-Lagen galube ich, weiß instinktiv jeder, was zu tun ist - behaupte ich zumindest mal. Mehr Chaos bricht dagegen aus, wenn es mal stürmt, gewittert oder das Martinshorn hinter einem auf der Straße ist. Für solche Fälle bietet das BBK auch eine Reihe von Faltblättern an.

Geschrieben von: Stefan C. um 05.10.06 10:17

Sehr richtig. Aber wie gesagt - ich denke es reicht aus die Bevölkerung für das Thema Katastrophenschutz und Selbstschutz überhaupt zu sensibilisieren. Noch vor wenigen Jahrzenten denke ich, war sich jeder bewusst, dass es jederzeit (wieder) zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen könnte (-> kalter Krieg) und war vielleicht auch anders vorbereitet.
Heute, wo das glücklicherweise nicht mehr so ist, fehlt einfach den meisten dieses Verständnis.

Geschrieben von: HansBeyer um 05.10.06 10:45

Stellt sich nur die Frage, ob eine solche Sensibilisierung (was ein schwieriges Wort ;-) mit einer maximal Forderung gelingt, die vermutlich keiner schaffen kann. Oder ob man nicht eine lösbare Variante anbietet.

Geschrieben von: Sven Tönnemann um 05.10.06 11:14

Ja - das kann man sich allerdings fragen. Ich sehe das aber u.a. als Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehren genau solche Varianten aufzuzeigen.

Geschrieben von: HansBeyer um 05.10.06 12:55

das ist mal wieder typisch im katastrophenschutz: im plan klingt alles toll, in der ausführung scheitert es :)

Geschrieben von: Stefan um 05.10.06 16:42

ich habe immerhin genug trinkwasser für wochen im keller. das tut finanziell echt nicht weh und macht wirklich sinn.

guter hinweis auf die broschüre, danke.

Geschrieben von: Jan um 05.10.06 23:35

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