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05.08.06

Zwischen Altertum und Moderne: Besuch bei der BF Mainz

Wir nutzten das Lesertreffen in Mainz am vergangenen Mittwoch zum Besuch der Feuerwache 2 der BF Mainz. Die Führung war von Christians Großonkel organisiert worden. Letzterer zeigte sich beeindruckt über die Entwicklung der Technik bei der Feuerwehr.

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Die Berufsfeuerwehr Mainz besteht aus 168 Beamten (SB), die auf zwei Feuerwachen verteilt sind. Rund um die Uhr sind im Einsatzdienst 25 Funktionen besetzt, 13 auf der Wache 1 und 12 auf der Wache 2. Der Mainzer Löschzug besteht aus einem ELW 1, einem HLF Typ „Mainz“ und einer DLK 23-12. Die Wache 1 steht in Bretzenheim, die Wache 2 in der Innenstadt.

Aufmerksame Leser werden sich jetzt fragen, weshalb die Innenstadtwache die Wache 2 ist und die neuere Wache am Rand von Mainz die Wache 1. Normalerweise ist es umgekehrt. Der Grund dafür liegt im Bezug der Neubauwache 1992, die mit einer Umstrukturierung und Umbenennung der Wachen einher ging. In Mainz praktiziert man eine drei-Schicht-System, nur am Wochenende gibt es 24-Stunden-Schichten. Die Wachen der Berufsfeuerwehr ergänzen sich, die Freiwillige Feuerwehr muss nur in einigen Bezirken zusätzlich alarmiert werden, wenn die Hilfsfrist nicht eingehalten werden kann. Mehr über die Mainzer Berufsfeuerwehr kann man auf der Webseite nachlesen.

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Den ersten Eindruck beim Vorbeifahren an der Wache 2 kann man mit „Staunen“ umschreiben, denn Holztore sind an einer Berufsfeuerwehrwache nicht alltäglich. Das Innere der Wache war auch nicht gerade einladend: Die Sanierungsfälligkeit des Gebäudes zeigte sich an fast jeder Stelle. z.B. an den von Hand zu öffnenden Holztoren und auch an einer elektrischen Sicherung in der Fahrzeughalle, die wohl öfters rausfliegt. Besonders „einladend“ war der „Schwall frische Luft“, der uns beim Öffnen der Türe zu den Rutschstangen entgegenkam. Offenbar riecht der Abfluss bei Regen unangenehm aus der Fahrzeughalle. Auch die Ruheräume sahen mehr nach Kaserne als nach Feuerwehr aus. In einem großen Saal stehen 10 Betten zum Herunterklappen, sodass jeder Feuerwehrmann sein wirklich eigenes Bett hat. Immerhin ist in den nächsten Jahren ein Neubau geplant, weshalb in Reparatur- und Renovierungsarbeiten nichts mehr investiert wird.

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Zeichen der Bauffälligkeit: Kabel aus der Wand

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Mein besonderes Interesse galt, wie sollte es anders sein, dem Fuhrpark der Feuerwache. Da es stark regnete, konnte ich nicht jedes Fahrzeug fotografieren. Mein Interesse galt daher dem HLF und dem LF 16/12. Letzteres im Übrigen nichts besonderes, weil es, man höre und staune, ein reines Norm-LF ist! Im Moment steht das gerade mal ein Jahr alte Fahrzeug noch auf der Feuerwache 2, wird aber bald der Freiwilligen Feuerwehr überstellt, da die Berufsfeuerwehr ein neues erhält.

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Dagegen fällt das HLF 16/20 aus dem Rahmen. Das Fahrzeug ist eine Mainzer Entwicklung und weist einige Besonderheiten auf. Der DaimlerChrysler Actros verfügt über einen Aufbau von Magirus, eine nicht alltägliche Kombination. Was von außen schick aussieht, fährt sich nach Aussagen des Maschinisten weniger gut. Der starre Aufbau führe zu eigenwilligem Fahrverhalten. Auf der Wache 1 steht ein baugleiches Fahrzeug.

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So hat jeder Sitzplatz, außer dem des Maschinisten, einen Pressluftatmer (PA) hinter dem Sitz, sechs an der Zahl. Bei den Pressluftatmern handelt es sich um die nur acht Kilogramm leichten Composite-Flaschen.

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PA gegen Fahrtrichtung

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PA in Fahrtrichtung

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PA des Fahrzeugführers

Damit sich die Feuerwehrleute auch für Strahlenschutzeinsätze ausrüsten können, sind die Strahlenschutzanzüge in Kisten unter den sitzen des Angriffstrupps verstaut. Problematisch wird das Anziehen der Schutzanzüge wegen der Anschnallpflicht in Feuerwehrfahrzeugen während der Fahrt.

Neben der üblichen feuerwehrtechnischen Beladung verfügt das HLF über einen fest eingebauten Panda-Generator, der vom Pumpembedienstand aus zu betätigen ist. Die Störanfälligkeit des Generators ist ein Ärgernis, zumal dieser wegen des Festeinbaus schwer zu warten ist. Auch die vollelektronische Pumpe macht dem Maschinisten die Arbeit eher schwer als leicht, denn die Hohe Wartezeit bis die Pumpe bereit ist, mache sich an der Einsatzstelle nicht gut, wenn Schaulustige zusehen. Den ursprünglich eingebauten Turbozumischer für das Schaummittel hat man wieder ausgebaut, da auch dieser störanfällig ist.

Einer von zwei an der Führung teilnehmenden Bekannten von Sven, unserem Führer durch die Wache, war fasziniert von einem „prähistorischen Gerät“, welches in feuerwehrkreisen gewöhnlich als Kübelspritze bezeichnet wird. Bei der Feuerwehr Mainz trotz prähistorischem Charakter eines der meist benutzten Geräte.

Die Leiter um auf das Fahrzeugdach zu gelangen, befindet sich auf der Fahrerseite zwischen Mannschaftskabine und Aufbau. Die schwere Schiebeleiter und auch die Steckleiter müssen nicht vom Dach gewuchtet werden. Eine Vorrichtung senkt die Leitern ab, sodass der Trupp ohne Hilfe des Maschinisten die Leiter entnehmen kann.

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Zu bestaunen gab es außerdem einen ELW 1, eine DLK 23-12 n.B. GL HZL, eine „normale“ DLK 23-12, einen RW 2, einen GW-Wasserrettung, ein LF 16/12 und ein WLF mit AB Umwelt. Weitere Fahrzeuge stehen in anderen Gebäudeteilen. Der RW 2 wird nur als Ergänzung benötigt, da auf dem HLF alles wichtige für die technische Hilfeleistung verlastet ist.

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Christian nimmt eines der sog. "Leichttauchgeräte" in die Hand. Leicht sind die Geräte alles andere!

Der Besuch hat sich aus meiner Sicht gelohnt, auch wenn ich nicht so viele Fotos machen konnte, wie projektiert. Ich will dies aber nachholen. Der Einblick in verschiedene Feuerwehren zeigt immer wieder Dinge, die anders gehandhabt werden. Am interessantesten sind dabei die verschieden bestückten Fahrzeugtypen.

Eine Bilderstrecke gibt es bei Flickr.


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Ampel in der Fahrzeughalle

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Modellautos und Modellwache im Schaukasten. Im Schaukasten zu sehen ist ein Modell der alten 2er Wache auf dem Lerchenberg und der jetzigen 2er-Wache in der Innenstadt.

Geschrieben von Stefan C. um 05.08.06 17:45

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Kommentare

Eine Frage zu den Bildern mit den PAs.

Die Bindestränge an den Handgriffen dienen auch zum festhalten oder was für eine Funktion erfüllen diese? Wäre eine nette Idee, die ich in meiner Löschgruppe auch mal ansprchen könnte...

MfG
Daniel

Geschrieben von: Daniel V. um 06.08.06 19:14

Das sind Seilschlauchhalter. Meines Wissens nach (so zumindest bei uns) sind diese Standardausrüstung eines Atemschutzgeräteträgers. Dienen dazu, mal den Schlauch irgendwo festzumachen oder eine Tür festzubinden ...
Christian

Geschrieben von: freeskier78 um 07.08.06 06:09

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