« Feuer ist... | Home | Flickr Geotagging »

30.08.06

Feuerwehr Uznach Schmerikon

So schnell geht's: schon ist eine Woche seit meinem Besuch bei Marcel's Feuerwehr in Uznach-Schmerikon vergangen. Höchste Zeit also für einen Artikel! Die Bilderstrecke ist hier zu sehen.

Als Instantfazit sozusagen muss man feststellen, dass das Schweizerische Feuerwehrwesen vom Prinzip in einigen Aspekten vom Deutschen entfernt ist, dass man dort aber auch nur mit Wasser löscht :)

Zwar werden beispielsweise ähnliche Fahrzeugnamen verwendet, aber ein Schweizer TLF heisst so, weil es einen Tank hat und nicht weil es eine bestimmte Norm zu erfüllen hätte. Angesichts der atomschlagsicheren Keller (meine Spekulation :) mag das mit dem Fahrzeuggewicht auch nicht so kritisch betrachtet werden: es darf auch mal 18 Tonnen wiegen und ganz schön was hermachen.

In der Schweiz werden "Normen" auf Kantonsebene geregelt, also entschieden, welche Kriterien ein Fahrzeug erfüllen muss, um bezuschusst zu werden. Mannschaftstransporter haben also beispielsweise längs eingebaute Sitzbänke.

Ein HLF heisst so, weil es tatsächlich "Hilfe" leistet. Dafür braucht man nicht mehr als eine Truppkabine, das Fahrzeug an sich ist insgesamt sehr...anders, zumindest aus deutscher Sicht. Im Heck ist eine Ladebordwand, es sind drei Rollcontainer verlastet.

Die Feuerwehr Uznach-Schmerikon mag einen kleinen Einblick darauf gewähren, was in naher Zukunft wohl auch bei uns passieren wird: es ist eine von zwei Gemeinden gemeinsam getragene Wehr. Die (Feuerwehr-) Fusion aus Uznach und Schmerikon verlief wohl recht reibungslos, am wichtigsten war, dass die Leistungsträger diese Aktion unterstützten.

Als "Geschenk" sozusagen gab's ein neues Gerätehaus, welches modernen Anforderungen entspricht, und aus architektonischer Sicht auch sehr gelungen ist.

Die Feuerwehr besteht aus aktiven Feuerwehrleuten (Mannschaft und Offiziere), sowie "Hilfsfunktionen", die bei uns teilweise unbekannt sind. So gibt es "Stabsleute", die Einsatzdokumentation durchführen, oder andere, die Grunddienste leisten, beispielsweise Strassenabsperrungen usw. Letztere Einheit kann sogar eigenständig alarmiert werden und führen Aufgaben auch ausserhalb der Feuerwehr durch. Hier finden sich u.a. auch passive oder alt-Wehrleute wieder, die somit zwar nicht an der Front, aber trotzdem einen sinnvollen Dienst leisten können. Zuletzt gibt es auch reine Feuerwehr-Sanis, die nicht mal zwingend eine FW-Ausbildung haben, sondern quasi als Eigenschutz mit ausrücken. Von der Ausbildung her mit unseren RS zu vergleichen.

Einige Punkte habe ich mir noch rausgesucht:

Atemschutz
Über den Umkehr- und Rückzugsdruck hinaus gibt es hier ein Paar interessante Aspekte: die Atemschutzgeräte führen einen kleinen Beutel mit Leine, sowie eine Hupe mit. Mit der Leine (1,5m) befestigt sich der Truppmann am Truppführer. Die Hupe dient zur Kommunikation und als Rückzugssignal. Und die Fluchthaube ist umluftunabhängig, führt also eine Luftflasche mit.

Die Atemschutzüberwachung wird an der Schnittstelle zum Gefahrenbereich von einer eigens dafür bereitgestellten Kraft durchgeführt. Nicht also wie bei uns der Maschinist oder Gruppenführer.

Rettung VU
Zwei interessante Details: als Art "Körper-Stifneck" dient das Rettungskorsett, welches nach Möglichkeit angelegt wird. Zudem gibt es eine breite Klebefolie zum Abkleben der Fahrzeugscheiben, scheint mir praktischer als die übliche Abkleberei mit Paketband.

HRB / TGM
Der Kanton St.Gallen hat gleich mehr als 20 dieser Geräte beschafft, eines davon steht in Uznach-Schmerikon. Es deckt den Bedarf von insgesamt sieben Gemeinden. Die Arbeitshöhe beträgt bis zu 32 Meter.

Im vorderen Gerätefach sind einige Geräte auf sehr kreative Art und Weise untergebracht. Eine Bestückungsliste würde nicht viel weiterhelfen, denn sie sagt nichts über die Anordnung des Inhalts aus: deshalb dieses praktische laminierte Bild!

Das Hubrettungsgerät ist üblicherweise von den Dimensionen her das größte Fahrzeug im Fuhrpark einer Feuerwehr. Deshalb werden vier dieser praktischen Fahrzeugentferner mitgeführt - wenn möglich, können so PKW in aller Schnelle aus dem Weg geräumt werden.

Nun, auch wenn der Besuch dort nicht länger als zwei Stunden dauerte, gab es eine Fülle an Informationen, die ich hier gerne wiedergegeben hätte. Das waren für mich die wichtigsten und interessantesten Punkte. Sollte jemand noch Fragen haben, oder weiteren Informationsbedarf verspüren, Marcel steht sicherlich über die Kommentarfunktion zur Verfügung. Vor Allem wenn ihr wissen wollt, was gemeint ist wenn Zibo nach einem Zappi ruft :)

An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön in die Schweiz!

Geschrieben von Irakli um 30.08.06 15:37

Trackback Pings

TrackBack URL für diesen Beitrag
http://www.rakeman.net/mt-tb.cgi/3076

Kommentare

Hi,

kurz einige Anmerkungen von mir (aus Zürcher Sicht):

Hilfsfunktionen und Grundaufaben:
Also im Kanton Zürich (und vielen anderen Kantonen) nennen sich die "Spezialisten-Gruppe" und besteht meist aus Verkehrsgruppe (-abteilung,-dienst) und Sanitätsabteilung.
Wobei diese beiden im Kt. Zürich teilweise auch an regulären Übungen teilnehmen müssen.

Teilweise gibt es weitere Spezialisten-Gruppen wie Elektrogruppe, Atemschutz (oft wird einfach die Mehrheit aller Feuerwehrleute in AS ausgebildet, daher brauchts diese spezielle Gruppe so nicht).

Also in Zürich sind die alle auch in die normalen Übungen integriert.

Hier kann die Sanitätsgruppe aber auch bei einer grossen Zahl von Verletzten alarmiert werden (wie eine SEG in Deutschland), und die Verkehrsabteilung wird auch von der Polizei bei Baustellen, etc. eingesetzt, unabhängig von der restlichen Feuerwehr.
(Wobei sowas nur vereinzelt vorkommt).

Ob die Feuerwehr-Sanis mit euren RS zu vergleichen sind, weiss ich nicht.
Unsere FW-Sanis haben soweit ich weiss nur eine mehrtägige Ausbildung (sicher unter 1 Monat).
Eure RS haben 1 Jahr, was bei uns Transporthelfer oder Transportsanitäter heisst.

Was bei euch übrigens Rettungsassistent genannt wird (3 Jahre Ausbildung) nennt man hier Rettungssanitäter (3-jährig!)!
Also RS in D = TS/TH in CH, und RA in D = RS in CH.

Was das HLF betrifft, gibts in der Schweiz auch Unterschiede.
So ist in Zürich jedes TLF ähnlich einem deutschen HLF ausgestattet, also mit technischer Hilfe, hydraulischem Spreizer und Schere, Liftrettungswerkzeug, etc.
(Wobei dies vom Kanton ZH so vorgegeben ist, während andere Kantone eigene Fahrzeuge für Hilfeleistungen haben können).

Puh, hoffe, das war nicht zuviel.

Geschrieben von: Moshe um 30.08.06 16:57

Servus,

eine kleine Anmerkung zu dem "Körper Stifneck":

Das Teil heißt KED (K.E.D. System) und kommt auch hierzulande zum Einsatz, als bsp in unserem RW2 oder allgemein beim RD. Es wird allerdings zusammen mit einem Stifneck eingesetzt.

MfG
Martin

Geschrieben von: Martin um 30.08.06 17:21

Hallo,

wirklich interessanter Bericht. Das KED System war mir auch sofort bekannt, bei manchen Feuerwehren verlastet oder auch beim Rettungsdienst. Bei PKW Unfällen oder Schachtrettungen wirklich sinnvoll und praktisch.

MFG
Markus

Geschrieben von: Markus um 30.08.06 17:51

Mich würde intressieren mit wie viel bar die Flaschen der Fluchthauben gefüllt sind. und wie schwer sie in etwa sind.

Geschrieben von: Julian um 30.08.06 17:51

also vorweg: pkw roller und ked haben wir auch ;)

diese "selbstrettungstüte" halte ich für sehr sinnvoll - schon alleine wegen dem psychologischen effekt ( sollte jedoch nicht als "ersatzflasche" gesehen werden um einfach über den kritischen mindestdruck zu gehen... )
vom inhalt siehts irgendwie so aus wie ne std. 2L flasche. bei uns kommen diese in portablen beatmungsgeräten zum zuge. ( 2L / 200 bar )

besonders positiv ist mir eine bemerkung auf der internetseite aufgefallen:
"Gut dass Du nichts davon weisst !! Wir sind immer bemüht in unseren Einsätzen Deinen "Alltag" nicht zu stören und nehmen es als Lob wenn Du uns nicht bemerkt hast. Damit alle trotzdem sehen können welche Einsätze wir lösen, informieren wir gerne hier (und hoffen Dich nie dabei zu sehen)" - http://www.fwus.ch/index.php?module=My_eGallery&do=showgall&gid=2

meiner meinung nach ne super lösung und idee !

p.s. -> schöne fotos - ich hätte mir noch vllt paar wörter über etwaige differenzen der einsatztaktik gewünscht [ aao / ausbildungsgrad / häufigkeit der übung(en) ] - aber ggf. kann mir da ja auch jemand von 'der quelle' weiterhelfen :)

mfg

Geschrieben von: patrick um 30.08.06 19:44

Hallo
Fw.Uznach-Schmerikon Manschaftsbestand ca.90 Feuerwehrler
Strassenrettungsstp. für A53 Reichenburg-Jona
Hubretterstp. für 7 Gemeinden
Übungen und Rapporte 12-40 im Jahr je nach Funktion in der Feuerwehr
Ausbildungen:60 Mann Feuerwehr-Grundausbildung davon ca 30 mit Atemschutz

Kader: 30 Mann unterteilt in
Gruppenführer: Unteroffiziere, Wachtmeister
Zugführer: Leutnand, Oberleutnand
Komandant: Hauptmann, Major

Gruss Andi

Geschrieben von: Andi um 30.08.06 20:42

Hallo
Unterschied Einsatztaktik zu Deutschland:
Bei uns nicht Fahrzeugbezogen wie in DE.
Erster Ofizier(Zugführer)im Depot fährt mit Kowa+1Mann auf Schadenplatz zum Rekognoszieren und ist Einsatzleiter.
Manschaft fährt mit Fahrzeugen je nach aao. zum Schadenplatz, Gruppenführer holen Aufträge beim Einsatzleiter und nimmt die zur Auftragserfüllung
benötigte anzahl Feuerwehrleute von einem Sammelplatz der in der nähe des Einsatzleiters ist.
Einsatzelemente:
Kleineinsatz ca 15 Pers.
zwei Ersteinsatzelemente a ca. 45 Pers
alle mit Dualpager Digital Ausgerüstet
mehr auf unserer HP www.fwus.ch

Geschrieben von: Andi um 30.08.06 22:15

"Selbstrettungstüte oder Fluchthaube"

Dieses Gerät (ca.4kg/2l/200bar) nimmt der erste Einsatztrupp mit dem Auftrag "Suchen/Retten" unter Atemschutz mit - zusätzlich zu seiner Ausrüstung.
Als Ersatzflasche wird es natürlich nicht benutzt sondern dient nur dem Patienten für einen rauchfreien Rettungsweg ins Freie.

Informationen zu Interspiro Spiroscape:
http://www.interspiro.de/02/produkt01ss.html
PDF-Brüschüre mit besserem Bild
http://www.interspiro.de/downloads/04_10/Atemschutz/spiroscape/IS_Spiroscape%20HP15_D.pdf

Geschrieben von: Marcel um 30.08.06 22:43

also dieses system das erst der "zugführer" rausfährt praktizieren wir hier im prinzip auch. bei uns nennt sich das b-dienst ( a/b/c führungsdienstgrade ) bereitschaft. wöchentlich wechselt dieser status unter unseren zugführern. diese bekommen dann die super heisse b-dienst-karre welche sie auch für jegliche privatfahrten nutzen. [ dürfen ;) ]

http://www.feuerwehr-soest.com/img/technik/0601/0601.jpg

ausgestattet wie nen kdow / kowa - das ist im prinzip sogar schon fast nen "nachteil". die letzten 3 'feuerchen' waren eigentlich schon gelöscht als das erste grossfahrzeug anrückte, dank dem 6 kg pulverlöscher...

desweiteren klingen diese schweizer bezeichnungen für mich sehr militärisch - gibt / gab es da früher irgendwelche zusammenhänge? vllt nen feuerkämpfer-batallion? :)

Geschrieben von: patrick um 31.08.06 01:11

"desweiteren klingen diese schweizer bezeichnungen für mich sehr militärisch "

Da kann ich mir nen weiteren Kommentar nicht verkneifen:
Nun, sowoh bei der Polizei als auch Feuerwehr gibts in der Schweiz Ränge wie "Feldweibel", "Adjutant", "Leutnant".
Ob das historisch begründet ist, kann ich nicht sagen.

Wir haben auch weitere schöne Ausdrücke:
"Pikett" und "Pikett-Offizier".
(Bei euch der höhere Dienst, bei uns Offiziere :-) )

Mein Rang ist übrigens Rekrut bzw. Soldat! (In der Feuerwehr, nicht im Militär).

Ich weiss nur, dass dass es sogenannte "Armeelöschzüge" oder "Bundeslöschzüge" des Militärs gibt, die der zivilen Feuerwehr in Friedenszeiten unterstellt sind und bei grösseren Sachen auch rasch mal alrmiert werden (zumindest in der Stadt ZH).

www.blz-zh.ch müsste der Bundeslöschzug Zürich sein.

Geschrieben von: Moshe um 31.08.06 12:24

was hat es denn nun mit Zibo und Zappi auf sich?

Geschrieben von: Julian um 31.08.06 16:49

@Julian - Antwort findest du hier:
http://www.fwus.ch/index.php

Geschrieben von: Marcel um 31.08.06 18:22

Antwort findest du auf:
http://www.fwus.ch/index.php

Geschrieben von: Marcel um 31.08.06 18:23

Kommentar hinzufügen




Remember Me?

(HTML erlaubt)

kostenloser Counter