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10.08.06

Feuerwehr Frederiksværk

Heute morgen habe ich die Feuerwehr Frederiksværk besucht, dabei ein Paar Eindrücke und Fotos mitgebracht. Zur Bilderstrecke geht's hier lang.

Freundlicherweise durfte ich reinschauen und mit ein Paar Leuten reden. Leider konnten die Fahrzeuge zuerst nicht aus der Halle rausgefahren werden, ein Maschinist kam erst später dazu. Aus fotografischer Sicht also eine kleine Herausforderung!

Fazit: überall löscht man mit Wasser, wenn manchmal auch pragmatischer, und gewisse Probleme lassen sich vermutlich einfach nicht lösen, höchstens abmildern.

Doch eines nach dem anderen. Frederiksværk ist ein beschauliches Städtchen nordwestlich von Kopenhagen, ein wenig ausserhalb der Reichweite der S-Bahn. Früher war es eine Industriestadt (insb. Munition und Stahl), inzwischen geht es eher Richtung Dienstleistung, viele Leute pendeln nach Kopenhagen und es gibt auch eine Menge Sommerhäuser. Wenig Industrie, keine Autobahn und keine nennenswerte Eisenbahn. Die Bevölkerung zählt ca. 20.000 Einwohner, im Sommer (Juni-August) verdoppelt sich diese Zahl.

Die Feuerwehr Frederiksværk ist recht zentral gelegen und fährt ca. 100 Einsätze im Jahr. Ab Januar wird sie organisatorisch durch die Kommunalreform mit der Feuerwehr in Hundested zusammengelegt, die einzelnen Feuerwachen bleiben jedoch bestehen. Wie sich die Zusammenlegung insgesamt auswirken wird, ist derzeit unklar. Sicher ist, dass es einige Änderungen geben wird, und dass manche derzeit doppelt vorgehaltenen Geräte abgeschafft werden.

Die Mannschaft setzt sich aus einer Vollzeitkraft (Beredskabschef), in diesem Fall eine Dame die sich in der Gemeinde um die Feuerwehr und dem Brandschutz widmet, sowie der aktiven Mannschaft zusammen. Diese wiederrum besteht aus dem "Chefen", ca. 20 Teilzeitkräften und einigen voll freiwilligen.

Die Teilzeitkräfte erhalten für den Dienst einen eher mageren Lohn, jedoch sind sie allesamt aus idealismus dabei. Sie haben "Beredskab", also Bereitschaft. Alle drei oder vier Wochen müssen ganze zehn Mann eine Woche lang auf Bereitschaft sein: Aufenthalt ist nur innerhalb der Gemeindegrenze erlaubt, die Ausrückezeit muss fünf Minuten betragen.

Hinzu kommen noch die ganz freiwilligen, die völlig getrennt der Teilzeitkräfte sind. Sie haben ein eigenes Fahrzeug:


Ziegler-TLF (verm. TLF16) Baujahr 1972. Die Freiwilligen rücken nur zur Verstärkung aus, letztes Mal im Januar 2005 (!). Sie haben auch ein Paar "Spezialkräfte", beispielsweise einen Verpflegungstrupp.

Unterm Strich ist die Teilzeitlösung auch nicht ideal, denn wieviele Leute können alleine von der Arbeit her eine ganze Woche in der Gemeinde bleiben? Welcher Arbeitgeber kann sicherstellen, dass eine Arbeitskraft in dieser Zeit ausschließlich in der Arbeit bleibt? So hat auch Frederiksværk mit Personalproblemen zu kämpfen, derzeit sind vier Stellen nicht besetzt.

Wenn wir schon bei den Problemen sind. Etwas unfein ist die Lösung bei "VU- Person eingeklemmt". In Frederiksværk betreibt Falck, ein privater Anbieter, das Rettungswesen. Wenn der RTW vor Ort die Feuerwehr anfordert, dann nicht Frederiksværk - obwohl mit Schere und Spreizer ausgestattet - sondern ein eigenes Falck-LF / RW aus Hillerød, gut 25km entfernt. Das ist mehr als ärgerlich, und aus Sicht eines Verunfallten nicht unbedingt die beste Lösung. Ich habe mich da auch aufgeregt, bis ich mich daran erinnert habe, dass es bei uns ja auch nicht anders ist. Vielerorts wird aus dem entfernten Eck eines Landkreises nachgefordert, als knapp über die Landkreisgrenze.

Die Fahrzeuge sind eine recht bunte Mischung. Einen waschechten ELW hat man nicht, eher den privat-KdoW des Kommandanten (siehe Bild oben). Das Rückgrat bilden die zwei LF, interessanterweise eine Konstruktion einer lokalen Karosseriebaufirma:


Das erste LF (Staffel / 1200l / Hochdruckpumpe) rückt bei fast allen Schadensbildern aus. Interessant die Pumpe am Heck mit den offen liegenden Zu- und Abgängen


Das zweite LF ist bei VU und Schornsteinbränden (eine Spezialität in einer Gegend mit Sommerhäusern) das Fahrzeug der Wahl. Die Doppelkabine ist die gleiche wie die vom TLF zu hause.

Das ist der Tanker, wegen seiner Untermotorisierung ziemlich unbeliebt. Von den drei Kammern sind nur zwei befüllt (8000l), auf der anderen Seite ist noch eine TS eingeschoben.

Das "Bäckerauto" war tatsächlich das Fahrzeug eines Bäckers bevor es umgebaut wurde. Universalfahrzeug mit Tank, Schnellangriff und viel Ölbindemittel - das Ölspurauto schlechthin.

Der Schlauchwagen brettert mit angehängter TS über Stock und Stein um zu dem klassischen Löschteich mitten im Feld zu kommen.

Der ganze Stolz: der erste "Tanker" Dänemarks, Baujahr 1972 und noch im Dienst als Reservefahrzeug. Läuft wie eine eins! 6000l Wasser mitgeführt und noch ein Wasserwerfer oben. Die Pumpe ist zu kompliziert um sie zu bedienen, irgendwie braucht man zur Inbetriebnahme zwei Leute. Lieber nimmt man eine der vielen anderen TSen.

Aus alten KatS-Tagen, als man "den Russen" erwartete: Schlauchwagen mit gut 12km B-Schläuchen. Viel Spaß beim einbuchten!

Zuletzt noch ein Beitrag zur Diskussion über Funktionskennzeichnung: Gruppenführer erkennt man am roten Helm. Wenn mehrere Grufüs auf einem Fahrzeug mitfahren, zieht man als Mitfahrer eben den zweiten, schwarzen Helm an.

Bleibt zuletzt die Bemerkung, dass man hier im Innenangriff mit Hochdruck und Schnellangriff löscht, und damit prima Erfahrungen gemacht hat.

Auch bestätigt sich hier wieder, dass man über die Feuerwehr über ein prima Netzwerk verfügt und auch in anderen Ländern so einen guten Zugang zu den lokalen bekommt.

Der Chef hier war übrigens BFler in Frederiksberg / Kopenhagen. Vielleicht schaffe ich es, dort auch einen Besuch abzustatten.

Geschrieben von Irakli um 10.08.06 18:30

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Kommentare

Hallo,

vielen Dank für diesen tollen Bericht

Björn

Geschrieben von: Björn um 10.08.06 19:58

Super interessant, aber vernachlässige Deine Familie mal nicht :-).

Geschrieben von: Timo um 10.08.06 21:37

Die Kinder waren dabei :)

Geschrieben von: Irakli um 10.08.06 22:35

klasse reportage :))))

wie schauts mit der restlichen schutzausrüstung aus? also überjacken und überhosen? sind die auf aktuellem stand?

mit schnellangriff würden wir sicherlich auch gute erfahrungen im IA machen, wenn unsere häuser nicht mehr als ein stockwerk hätten ;)

Geschrieben von: Stefan um 11.08.06 00:24

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