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19.06.06

Hitzeschlacht in Singen (Fit for Fire Fighting Teil 6)

Der 9. internationale Hegau-Halbmarathon in Singen am Hohentwiel, Lkr. Konstanz, in dessen Verlauf auch die 2. Baden-Württembergischen Feuerwehrmeisterschaften im Halbmarathon und im 10 km Straßenlauf stattfanden, begann heiß. Bereits um 9 Uhr morgens brannte die Sonne auf die über 1000 Teilnehmer in den drei Disziplinen nieder. Und es sollte im Laufe des Vormittags noch heißer werden. Bis auf knapp 30 Grad stiegen die Temperaturen. Der Sieger des Halbmarathons sagte später auch, es sei brutal heiß gewesen!

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Nicht im WM-Einsatz, dafür im Halbmarathon-Einsatz

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Die Menge fiebert dem Start entgegen

Wie schon mehrfach in meinem Stand der Vorbereitungen („Fit For Fire Fighting“) geschrieben, habe ich trotz intensivierten Trainings und Umstellung der Ernährung noch immer mit erheblichen konditionellen Schwächen und, was noch schlimmer ist, mit massivem Übergewicht zu kämpfen. Beide Faktoren ließen den Halbmarathon für mich zum Spießrutenlauf werden. Schon wenige hundert Meter nach dem Ziel hatte ich das Gefühl, ich sei schon Kilometer gelaufen. Die Aufwärmübungen in der Stunde vor dem Lauf (leichtes Joggen und Dehnen) hatten offenbar schon etwas an meinen Kräften gezerrt.

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Dehnübungen vor Beginn

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Los geht's! Auch Stefan (Nr. 453) sprintet los.

Oase inmitten der Hitze
Die Strecke führte vom Südeingang des Rathauses in Singen zum Hohentwielstadion, von dort durch Wald und auf dem Radweg entlang nach Friedlingen (Km 5). In Friedlingen sorgten Gartenschläuche der Anwohner oder ein an einem Verteiler der Feuerwehr angeschlossenes Strahlrohr für Abkühlung. Die erste Getränkeversorgung am Ortsausgang von Friedlingen nahm ich dankend an, war ich doch schon nach dieser kurzen Strecke ziemlich durstig. Mein mitgenommes isotonisches Getränk mochte ich nicht trinken, da es nach einem Dosierungsfehler zu süß war.

Einen Fehler den viele Neulinge beim Laufen machen, ist dass sie zuviel trinken und dann u.a. wegen Seitenstechen nicht mehr weiterlaufen können. Es soll ja auch Leute geben, bei denen verhält sich der Lauf-Boxenstopp wie mit dem Tanken in der Formel 1: Man ist danach schwerer unterwegs und damit langsamer. Andere trinken zu wenig bis gar nichts und bekommen die Konsequenzen bei einer so mörderischen Hitze wenig später am eigenen Leib deutlich zu spüren.

Erhöhung des Tempos
Der nächste Abschnitt nach Beuren-Hausen führte zu großen Teilen durch die pralle Sonne, was sich auch in meiner Laufleistung niederschlug. Ich schwankte sehr stark in meiner Geschwindigkeit und wurde einige Male von den Läufern eingeholt, die ich einiges zuvor abgehängt dachte. Bei Kilometer 10 erfolgte erneut die Verpflegung mit Wasser, Iso und Schwämmen. Die Polizei führte kurz vor der Wasserstelle eine Geschwindigkeitskontrolle durch. Ich war gerade noch in der Toleranz, so der Polizist.

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Die Guggemusik macht sich bereit

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Die Wasserversorgung steht ... - ... Vorm Rathaus in Singen

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Einsam und allein zwischen Müllbergen verbrauchter Trinkbecher

Bis Kilometer 16 hatte ich dann eine Hochphase und konnte Tempo machen. Am Rathaus in Singen empfing uns die Guggemusik aus Singen, die dort einen Spalier bildeten. Auch dort gab es eine erneute Versorgung mit Wasser. Meine Zwischenzeit war mit etwa 1:25 Stunden bis dahin passabel. Etwa ab dem Münchriedstadion fingen bei mir die Probleme an. Ab Kilometer 17 war dann fast kein Fortkommen mehr. Die schmerzende Wadenmuskulatur und schwere Oberschenkel zwangen mich zu einer längeren „Walking-Pause“. In dieser Zeit wurde ich leider von sehr vielen anderen Teilnehmern überholt.

Die Muskeln wollen nicht mehr
Dieses letzte Viertel der Strecke war nicht nur für mich das schwierigste. Etliche Läufer mussten medizinisch behandelt werden, da diese Kreislaufprobleme bekommen hatten. Für den Rettungsdienst, der mit der SEG Singen, mehreren Notärzten und Rettungswagen in Bereitschaft stand, begann nun der arbeitsintensive Teil der Veranstaltung. Besonders tragisch fand ich den Läufer, der 1 km vor dem Ziel zusammenbrach und vom Notarzt behandelt werden musste. Ein andere schaffte es noch bis ins Ziel, bevor auch dieser entkräftet Zusammenbrach.

Ich war heilfroh das Ziel, das Rathaus in Singen, unbeschadet nach 2:07:33 Stunden als einer der letzten Teilnehmer trotz zweier Blessuren, eine am rechten Knie und eine am linken Fußgelenk/Achillessehne, erreicht zu haben. Auch meine bessere Hälfte war erfreut mich zu sehen, hatte sie doch zuvor panisch immer wieder auf ihr Mobiltelefon geschaut, in Erwartung eine Nachricht zu bekommen, ich sei im Krankenhaus, da der Sprecher am Ziel offenbar von „reihenweise umfallenden Teilnehmern“ gesprochen hatte.

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Endlich im Ziel

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Auch Stefan kommt an

An the winner is ....
Gewonnen hat den 9. internationalen Hegau-Halnmarathon übrigens der Ukrainer Dmytro Osadchy in der neuen Rekordzeit von 1:06:43 vor den Kenianern Armon Kemai und Daniel Chelimo. Wie viele Feuerwehrleute (SB) an den Baden-Württembergischen Feuerwehrmeisterschaften im Halbmarathon und im 10 km Straßenlauf teilgenommen haben, konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen. Im vergangen Jahr waren es nur 68. Schnellster Feuerwehrmann war Klaus Vetter von der FF Ammerbruch. Er erreichte das erlösende Ziel nach 1:20:01 Stunden.

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Die Streckenposten machen sich fertig

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Feuerwehr Singen

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Die Kameraden aus Sindelfingen

Rund 220 Helfer, u.a. vom Roten Kreuz, sorgten für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung und verteilten die 2200 l Mineralwasser, Isotonische Getränke und Schwämme an die Läufer. Von den 723 im Halbmarathonlauf gestarteten Teilnehmern erreichten 613 das Ziel. Acht Läufer mussten unterwegs ärztlich behandelt werden, u.a. wegen Kreislaufproblemen. Etlichen anderen Mitläufern wurden bei Kilometer 14,5 wegen Überschreiten der Mindesdurchgangszeit von 1:50 die Startnummer abgenommen bzw. sie benötigten länger als 2:40 Stunden für die Strecke und wurden nicht mehr gewertet. 315 Läufer und 42 Nordic-Walker nahmen die 10-Kilometerstrecke in Angriff.

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War für alles gerüstet: Das DRK Singen

Was lernen wir daraus?
Der erste Halbmarathonlauf dient zum „Schnuppern“ und Ausloten der Möglichkeiten. Einige Anregungen werde ich beim nächsten Halbmarathon anwenden. Dazu gehört bspw. das Abkleben der Brustwarzen. Warum? Nun ja, das T-Shirt reibt daran und das führt dann dazu, dass diese nicht nur sehr empfindlich auf Berührung und Kontakt mit Schweiß reagieren, sondern wie in meinem Fall auch leicht zu bluten beginnen. Letzteres hatte ich nicht bemerkt und wurde erst durch meine Freundin auf die dunkelroten Flecken auf dem Laufshirt aufmerksam gemacht. Ich hatte während dem Laufen nur ein „brennen“ wahrgenommen. Weiterhin sollte man die mitgenommene Trinkflasche nicht zu voll machen. Eine volle Flasche behindert beim Laufen. Sie sollte außerdem nur als Notration dienen, denn knapp alle 5km bekommt man durch die Veranstalter Wasser. Snacks wie Müsli- oder Powerriegel bzw. Obst ist nicht unbedingt notwendig, bei der kurzen Distanz, sollten aber vor dem Lauf verzehrt werden.

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Stefan vor (links) und nach dem Lauf (rechts)


Eine Bilderstrecke gibt es bei Flickr. Der Südkurier schreibt hier und hier über den Hegau-Halbmarathon. Auf der Seite der Stadt Singen gibt es die Ergebnislisten.

Geschrieben von Stefan C. um 19.06.06 22:16

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