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02.04.06

Fahren im Gelände

Nun folgt also der versprochene Bericht über die Erlebnisse im Gelände. Eine Bilderstrecke gibt's auch auf Flickr.

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Die frühe Aufstehzeit war mehr als berechtigt, denn der Tag war dann doch zu kurz. Gerne wäre ich noch viel mehr gefahren, aber was soll's: es kam dann doch eine Riesenmenge an Erfahrung zusammen!

Zuerst mussten wir zum theoretischen Teil in einem Schulungsgebäude der Luftwaffe. Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Vor dem fahren ins Gelände, sei es auch "nur" ein Schotterweg, Allrad zuschalten.
  • Auf sandigem Untergrund im niedrigen Gang mit Vollgas fahren.
  • Auf lehmigen Untergrund mit viel Gefühl fahren.
  • Immer gleichmässig fahren: schalten, viel Gas geben oder bremsen führt unweigerlich zum festfahren.
  • Bei unsicheren Stellen und unklarer Tiefe von Pfützen: vorher zu Fuß erkunden.
  • Bei Festfahren rückwärts in der Spur wieder rausfahren.
  • Spurrillen nach Möglichkeit nicht verlassen, insbesondere bei Zwillingsbereifung. Und wenn, dann im kleinen Winkel.
  • Geeignetes Schuhwerk tragen :)

Nach gut 90 Minuten Briefing ging's dann auch schon ins Gelände. Der ursprüngliche Plan sah vor, daß wir uns zuerst auf leichten Pisten an das Gelände gewöhnen sollten, dann mittelschwer und es schließlich im schweren Gelände ans Eingemachte gehen sollte.

Nur war leider ein Fernsehteam mit vor Ort, welches "Action" sehen wollte. Deshalb sollte das erste Fahrzeug, das SW2000 (Bund) gleich ins Sandmeer rein, welches als schweres Gelände gilt. Zufällig war ich der Fahrer.

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Nun, das ging nur bis zum gewissen Grad gut, an einer steilen Steigung ging dann gar nichts mehr. Ein Paar Mal in der eigenen Spur zurück, und mit Anlauf wieder hoch - keine Chance. Immerhin blieb ich nicht stecken. Sandkuppe umfahren (man muss sich diese so vorstellen wie eine große Sanddüne am Meer) und prompt hoffnungslos im Morast stecken geblieben, und zwar bis zum Motor.

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Erste Bergungsversuche mit dem RW1, dem dafür zugewiesenen Fahrzeug, schlugen fehlt. Glücklicherweise hatte die Bundeswehr einen 20t-Kran zur Verfügung. Seil an die Anhängerkupplung, und schon ging es raus. Die bessere Alternative zum stundenlangen Buddeln!

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Nach dieser Aufregung und insbesondere nachdem das Filmteam weg war, konnten wir nun geordnet im leichten Gelände fahren und uns an das Thema herantasten.

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Um die Mittagszeit ging es dann ans Eingemachte, das schwere Gelände. Wenn man sich die Bilder mal ansieht, vermitteln diese nicht annähernd die Realität. Morast, Spurrillen, Steigungen, Pfützen, Sandpisten, schiefe Stellen, alles war geboten. Gut fünf Stunden durften wir uns dort drin austoben.

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Diese Stelle hier war besonders heftig:

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Wie bereits erwähnt sieht man das auf dem Bild nicht besonders gut: Es geht sehr steil runter, unten ist eine Schlammige Pfütze, und auf der anderen Seite geht es steil wieder nach oben. So sieht das Ganze aus dem Fahrzeug aus:

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Im Waldstück dahinter konnten wir zwei Erkenntnisse gewinnen: a) mit eingeschalteter Differentialsperre lässt sich ganz, ganz schlecht lenken und b) auch ein Dekon-P kann mal ausrutschen und stecken bleiben.

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Den ganzen Nachmittag konnten wir dann die Fahrzeuge durchtauschen. Interessant der SW2000 der BF Köln (von dem ich beim letzten Besuch schon mal ein Foto gemacht hatte): auch mit 12 Tonnen, 170PS und Automatik kann man sogar sehr gut Gelände fahren, solange man nur im ersten Gang, also auf Stellung 1 unterwegs ist.

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Eine andere Schlüsselstelle, die ebenfalls Überwindung erforderte, war diese hier:

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Das Dekon-P steht direkt auf einer Kuppe, hinter der es steil runter geht. Beim runterfahren schon muss man Vollgas geben, um die Steigung, auf der sich das LF16TS befindet, überhaupt überwinden zu können: tiefster Sand.

Zuletzt mussten die Fahrzeuge noch am Waschplatz der Bundeswehr gereinigt werden. Für eine Unterbodenwäsche kann ich so ein Hydroschild wärmstens empfehlen!

Wer mehr von diesem Tag sehen möchte, ich habe angefangen, die Bilderstrecke auf Flickr einzustellen.

Insgesamt kann ich nur sagen, dass das einer der besten Feuerwehrtage aller Zeiten war. Wo wir anfangs noch zaghaft die Pfützen umfahren haben, dort sind wir hinterher ohne nachzudenken mitten durch. Mit Sicherheit konnten wir Teilnehmer eine Menge über das erfahren, was mit so einem geländegängigen Feuerwehrfahrzeug überhaupt möglich ist (eine Menge!) und haben ein sehr gesundes Selbstbewußtsein für das Fahren im Gelände entwickelt.

Praktisch gesehen ist es durchaus möglich, dass wir mit Fahrten auf unbefestigten Untergrund konfrontiert werden, siehe Großschadensereignisse der jüngeren Vergangenheit. Letztendlich hat man aber nicht nur fürs Gelände gelernt, sondern eine Menge zum Umgang mit den Fahrzeugen.

Persönlich fand ich den schweren Parcours auf dem SW2000 besonders lehrreich, denn unsere beiden "wichtigen" Fahrzeuge, ein LF16/12 und ein TLF16 sind beide mit Automatik versehen.

Wer also Zugang zu so einer Veranstaltung hat, dem sei sie wärmstens empfohlen. Spätestens zur FireEngineering 2007!

Geschrieben von Irakli um 02.04.06 12:55

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Kommentare

Hallo


Ich kann solche Trainings auch nur empfehlen. Dank MB durfte ich daran auch schon einmal teilnehmen.

Und der Spaßfaktor kommt zum Lern-Effekt noch dazu.

Geschrieben von: Robert um 03.04.06 07:00

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