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04.02.05

Das negativ-einmaleins des Internetauftritts

Das Internet ist endlos und voller interessanter Dinge. Ist die Website Deiner Feuerwehr auch interessant? Warum sollte jemand dort seine Zeit verbringen? Sollte er so reagieren:

Gag-Us

Natürlich nicht.

Im ersten Artikel über "Feuerwehren im Internet" wollen wir frei nach "Web Pages That Suck" ("Fürchterliche Websites") schauen, was man alles falsch machen kann. Es ist einiges.

Umgekehrt bedeutet dies, dass man bestimmte Fehler vermeiden sollte um die digitalen Früchte der eigenen Arbeit zu ernten. Aber nun genug geschwätzt, stürzen wir uns hinein.

Hier also die Liste der Verbrechen:

Alles klar? Für eine Feuerwehr bedeutet das also:

1. Glauben, das Besucher sich für die Website interessieren

Die Website ist dem Besuchern egal UND wurscht. Besucher interessieren sich für bestimmte Informationen. Der 2Mbit-RAID-Tetraflop-Server mit der SPQL-Datenbank ist schön aber irrelevant.

Dafür muss man den Besucher kennen.

Leider werden Feuerwehr-Sites von und für Feuerwehren programmiert. Das "von" ist natürlich OK, abrer das "für" nicht. Will ich Feuerwehrler von woanders - die mir nichts, aber auch gar nichts bringen - unterhalten? Oder will ich Nachwuchs ansprechen? Möchte ich Bürger über meine Tätigkeiten informieren?

Dass ein TLF16 X Schläuche an Bord hat, ist uninteressant. Eher, was ich mit einem TLF anfangen kann: "Mächtige Brände löschen!".

Also: Zielgruppe kennen und entsprechend ansprechen: Informationsbedarf stillen!

2. Jemand vom Mars kann nicht in weniger als vier Sekunden herausfinden, um was es sich bei Deiner Website handelt

Bei Feuerwehren eher weniger ein Problem. Meistens weiss der Besucher wessen Website er da ansteuert. Trotzdem: Immer schön "WILLKOMMEN AUF DER WEBSITE DER FEUERWEHR [NAME]" schreiben oder ähnlich.

Also: in vier Sekunden sollte dem Besucher klar sein, wen er hier gerade besucht und was er erwarten kann. Ein Beispiel von erschwerter Verwirrungsstiftung liefert Amp.

3. Mystischer Glaube an der Macht von Webprogrammierung (Usabiliy, CSS, usw.)

Technologie ist gut, Vermarkten ist besser. Lieber auf technische Finessen (php, cgi, Formulare, Gästebücher, Datenbanken usw.) verzichten, dafür aber etwas ansprechendes hinstellen!

Bei den meisten Feuerwehren hält sich der Aktualisierungsgrad in Grenzen - man kann also händisch arbeiten. Wenn ein bestimmtes Softwarepackage eingesetzt wird, ist man gebunden. Und wenn der Kamerad, der programmiert hat sich verabschiedet, dann war's das.

Also schön in dieser Reihenfolge erstellen:

  • Zielgruppe und Zweck der Site definieren
  • "Use Cases" beschreiben, also welche Inhalte welchem Besucher angeboten werden
  • Sitemap erstellen
  • Design
  • Und zu allerletzt programmieren!

Leider erfolgt die Arbeit oft genug anders rum. Technisch saubere Websites, die ihre Wirkung völlig verfehlen.

Apropos Technik: Einfach programmiert bedeutet auch Browser-Kompatibilität. Schon jeder fünfte Besucher nutzt etwas anderes als MS Explorer.

Kleiner Exkurs:

Meldung

a) Die Website wurde nicht für mich, den Besucher, erstellt, sondern für den Explorer
b) Technikabhängigkeit. Die Software kann nur Explorer. Von der Mehrarbeit für Netscape möchte ich hier nicht reden. Auch nicht für Firefox. Oder Opera.
c) Nein, ich werde meinen Browser nicht wechseln. Ich werde auch nicht zurückkommen.

4. Designelemente, die Deinen Lesern im Weg stehen
Erste Seite mit Flash? Noch besser, ohne "Überspringen"-Knopf? Oder sonst eine erste Seite ohne Inhalte AUSSER "Hier geht's zur Webpräsenz unserer Feuerwehr"? WEG DAMIT.

Diese sog. "Splash" Pages stehen einfach nur blöd im Weg herum und bringen nichts, aber auch gar nichts. Und wenn man einen "Überspringen"-Knopf anbringt, ist das nicht anderes als ein Eingeständnis, dass die Intro nicht relevant ist.

Webseiten sind kein Sex. Es gibt kein Vorspiel. Es geht gleich zur Sache.

5. Versagen der Navigation, "Ü-Ei" ("mystery meat") Navigation

Ortschild

Fragen, die ein Besucher sich NIEMALS stellen darf:

  • Wo (zum Teufel) bin ich?
  • Wie (zum Teufel) komme ich hier wieder raus?
  • Was (um Himmels Willen) ist das für ein Knopf?

Eine Feuerwehr ist keine Rockband und keine Kreativschmiede: diese sind gesetzlich dazu verpflichtet, trendy zu sein, dürfen also alles. Eine Feuerwehr nicht. Zumindest nicht auf diesem Gebiet.

Die ersten zwei Punkte sind selbsterklärend: miese Navigation, lange Gesichter. Zum dritten Punkt: Navigation muss selbsterklärend sein. Also kein Ü-Ei ("mal sehen wo ich hinkomme").

Hier ist ein gutes Beispiel einer Ü-Ei-Navigation (unten rechts). So gesehen: mit welchem Symbol soll "Historie" versehen werden? Und "Verein"?

6. Der Irrglaube, dass die Website für's Marketing ausreicht
Macht bitte weiterhin Eure Vereins- und Dorffeste. Die Website kann das nicht ersetzen.

7. Kein Heroin-Content
Richtige "Anhänger" von Heroin schleppen sich bei Wind und Wetter durch Dreck um an ihre Ware zu kommen. Anders ausgedrückt, sie sind motiviert.

Hat Eure Website den Heroin-Content, weswegen Besucher zu Euch kommen? Nicht?

Es geht um nichts anderes, als die richtigen Inhalte für die richtige Zielgruppe bereit zu halten. Nicht mehr, nicht weniger. Jugendliche wollen sich darüber informieren , wie "cool" die JF ist. Wie man Euch kontaktiert. Was sie erwartet. Auch schlimm ist, wenn ein Bürger spenden möchte und es nicht kann, weil er darüber keine Information findet.

8. Ja nicht vergessen, was Text überhaupt soll

Text

9. Zuviel Zeugs auf einer Seite
Anders: weniger ist mehr! Was woanders locker gilt, gilt selbstverständlich auch für Websites. Bitte nicht Löschfahrzeuge, Mannschaft, Verein, Gerätehaus und gleich die Historie mit auf eine Seite packen. Das mag zwar weniger Arbeit bedeuten, aber dann treten ungefähr alle o.g. Punkte ein.

Aber: wenn schon überlastet, dann bitte mit vielen bunten Blaulichtern!

10. Webdesign ist kein Magietrick

Smurf

Bei einem Magietrick funktioniert das so: Magier lenkt ab, und genau das Gegenteil vom Erwarteten tritt ein. Auf einer Website gilt: keine Überraschungen! Bitte genau das liefern, was versprochen wurde.

Ein gern gemachter, Feuerwehrspezifischer Fehler findet man oft bei den Fahrzeugen. Neues Fahrzeug? Neue Seite. Das alte bleibt aber weiter auf der Übersichtseite. Schön sind auch "tote" Links, die ins Nichts führen.

Das gilt insbesondere für die eigene Linksammlung immer schön nachprüfen, ob die Links noch aktuell sind. Auch deshalb: weniger Links ist weniger Arbeit...

Zum Schluss
War das viel Information? Ja? Dann einfach mal spielerisch diese Punkte ausprobieren: checkliste zur Hand und die eigene Website kritisch betrachten. Viel Spaß!

Geschrieben von Irakli um 04.02.05 18:01

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