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    Im Internet ist eine Newsmeldung bei feuerwehr.de aufgetaucht, in der beschrieben wird, dass ein Feuerwehrangehöriger (FA) nach einer Alarmierung zu einer Ölspur einem Brand auf dem Weg zur Wache nach Angaben der Polizei 20 km/h zu schnell gefahren sein soll und er dabei mit einem entgegenkommenden Fahrzeug kolliediert sein soll. Die Staatsanwaltschaft hat nunmehr einen Strafbefehl gegen den FA beantragt, zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen.

    Wenn der FA diesen Strafbefehl annimmt, ist er vorbestraft. Die betragsmäßige Höhe der Geldstrafe bestimmt sich übrigens nach den finanziellen Verhältnissen des „Täters“.

    Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen auf der Anfahrt zum Gerätehaus bei einer Alarmierung, wie Beispielhaft auf dem Bild unten gezeigt.

    symbolbild2.jpg
    Bild01: Immer wieder gefürchtet schwere Verkehrsunfälle bei Einsatzfahrten auf dem Weg zur Wache

    Zum Glück gehen die Unfälle selten so tragisch aus wie im vorliegenden Fall, bei dem zwei Unbeteiligte sterben. Aber auch die weniger schweren Verkehrsunfälle sind zuviel und bedeuten für die Beteiligten große Probleme: gesundheitliche Beeinträchtigungen sind vorprogrammiert, je nach Schwere des Unfalls ist mit einer hohen psychischen Belastung zu rechnen. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Folgen, wie zerstörtes Fahrzeug, eventuelle Regressansprüche, Anwaltskosten usw. Aus diesen Problemen entstehen Folgeprobleme im sozialen Bereich, meist beruflicher und familiärer Art.

    Warum aber kommt es immer wieder zu solchen Unfällen, deren Folgen für die Unbeteiligten als auch den FA mehr als nur unangenehm sind?

    Vorneweg muss man feststellen, dass jeder Unfall seine ganz speziellen situationsbedingten Ursachen hat. Nur weil ein FA wegen einer Alarmierung auf dem Weg zum Gerätehaus ist, muss dies noch lange nicht die Unfallursache sein. Auch eine strafrechtliche Verurteilung oder ein unterliegen in einem Schadensersatzprozess sind keine Beweise für einen verantwortungslosen Raser. Die Unfallursachen können dieselben Unachtsamkeiten sein, die zu den vielen alltäglichen Verkehrsunfällen auf Deutschlands Straßen führen, denn auch da sind zu schnelles Fahren, Fehleinschätzungen von Kurven, Missachten der Vorfahrt an der Tagesordnung. Da ist nichts dabei, was ausschließlich Feuerwehrangehörigen bei der Fahrt zum Einsatz vorbehalten ist.

    Allerdings ist die Gefahr, sich bei einer Fahrt zum Einsatz (ob mit Privat-PKW oder Einsatzfahrzeug) zu einem rasanteren Fahren verleiten zu lassen, ohne Zweifel gegeben. Die Rahmenbedingungen sind zudem denkbar schlecht: irgendwo befinden sich möglicherweise Menschen in Not und vor einem schleicht jemand mit 25 durch die 30-Zone, man ist mitten in der Nacht aus dem Tiefschlaf geweckt worden oder sei es auch nur die Überlegung man möchte unbedingt gleich von Anfang an dabei sein und Hilfe leisten, vielleicht kommt durch den Funkmelder noch die Nachricht: „es sind noch Personen (Steigerung Kinder) in der Wohnung“. Eventuell hat die Feuerwehr auch nur zehn Einsätze im Jahr, so dass sich im Umgang mit einer Alarmierung keine routinierte Gelassenheit aufbauen kann. Ich kenne es aus eigener Erfahrung, dass man mit zunehmender Anzahl von Alarmierungen ruhiger wird.

    Das Freiwillige Feuerwehrangehörige in der Regel auch Sonderrechte nach § 35 I StVO wahrnehmen können, ist inzwischen eine relativ weit verbreitete Rechtsprechung. Es gibt gelegentlich mal Aufsätze in Fachzeitschriften, die etwas Gegenteiliges behaupten, dies stiftet üblicherweise mehr Verwirrung als es der Aufklärung dient.

    Ich halte auch nichts von den Versuchen, die Sonderrechte dem FA im Privat PKW zu verbieten, denn es geht ja nicht allein um schnelles Fahren oder gar aus Bequemlichkeit den FA etwas Falsches beizubringen, um das Thema zu vermeiden. Denn die Problematik, die zu solchen Unfällen führt taucht spätestens bei der Fahrt mit dem Einsatzfahrzeug wieder auf.

    strasenverkehrfarbfolien006.jpg
    Bild02: Die Inanspruchnahme von Sonderrechten ist auch mit Einsatzfahrzeugen schwierig abzuwägen.

    Daher versuche ich in meinen StVO Unterrichten die Probleme dem Nutzen gegenüber zu stellen. Dabei muss den FA erstmal wieder klar gemacht werden, wo die physikalischen Grenzen sind, was zum Beispiel Bremswege betrifft.

    strasenverkehrfolien01.jpg
    Bild 03: Sichtweise aus dem Fahrerhaus

    Anhand dieses Bildes versuche ich im Unterricht zu verdeutlichen, dass man selbst mit 30 km/h den ersten auf dem Bild überfährt und erst vor dem zweiten zum Stehen kommt. Mit 70 km/h wird die erste Person noch ungebremst überfahren und selbst die kaum zu erkennende Person in 50 m wird noch erwischt.

    Will man Unfälle bei Einsatzfahrten vermeiden, nutzt es nichts, dem FA irgendwelche generellen Verbote oder Vorgaben zu machen. Im Zweifel passen die nämlich nicht auf die konkrete Situation in der sich der Fahrer später befindet. Man muss den FA selbst dazu in die Lage versetzen, selbständig Abwägungen durchzuführen. Dies versuche ich in Diskussionen mit den Teilnehmern einer Unterweisung z.B. anhand von Fotos verschiedener Verkehrssituationen oder Videos zu erreichen. Insbesondere in dem man die gedankliche Prüfung verschiedener Situationen durchgeht, gewinnt man ein Verständnis für die Bedeutung des als schwammig verschrieenen § 35 StVO. Dann merkt man nämlich, dass der schwammig sein muss, um die Vielfalt der möglichen Verkehrssituationen abzudecken.

    Fazit: Unfälle im Rahmen von Einsatzfahrten, ob mit dem Privat PKW oder dem Einsatzfahrzeug werden auch in Zukunft vorkommen und der Grund muss nicht immer die Inanspruchnahme von Sonderrechten sein. Etliche Unfälle lassen sich durch Sensibilisierung der Einsatzkräfte für die notwendige Abwägung und das richtige Verhalten bei der Verwendung von Sonderrechten vermeiden. Wer schlicht die Sonderrechte verbietet, lässt seine Einsatzkräfte mit der Sonderrechts Problematik allein, denn die setzt sich auf der Alarmfahrt mit dem Einsatzfahrzeug fort. Richtige Aus- und Fortbildung in diesem Bereich bringt mehr, als ein schlichtes Verbot.

    7 Antworten zu “Unfälle auf dem Weg zum Einsatz”

    Ein Bericht der sich sehen lassen kann! Besonders der letzte Satz sollte von so mancher Führungskraft angenommen werden.

    Gruß
    Andreas

    Sorry Sven, im Newsletter steht nix von „Ölspur“ …

    Zitat:
    „Ich kenne es aus eigener Erfahrung, dass man mit zunehmender Anzahl von Alarmierungen ruhiger wird.“

    Ja, dem kann ich nur zustimmen, denn desto mehr Einsätze man im Jahr hat, desto ruhiger (und leider auch routinierter) wird man auf dem weg zum gerätehaus.

    Ich sage, leider auch routinierter, weil sich damit auch wiederum die Gefahr für Unfälle, durch Unaufmerksamkeit (nach dem Motto: Die Strecke kenne, da passiert nix…), erhöht.

    GUT WEHR

    Bei uns (Freiwillige Stützpunktfeuerwehr in der Schweiz) wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass man auf der Anfahrt zum Stützpunkt, keine Sonderrechte hat und sich benehmen müsste, wie jeder andere Verkehrsteilnehmer…
    Ist eigentlich auch richtig so, weil die bei einem Privat-Pkw für niemanden irgendwelche Sonderrechte erkenntlich sind (abgesehen davon, dass wir auch keine haben) und die wenigsten von uns, für eine entsprechende Fahrt geschult sind…

    @Armin: Ich kenne die rechtliche Lage in CH nicht; in D ist das, wie Sven richtig dargestellt hat, anders. Unter den Voraussetzungen des § 35 StVO dürfen FA in D auch mit dem Privat-Pkw Sonderrechte in Anspruch nehmen, d.h. sich über die Vorschriften der StVO (beispielswiese Geschwindigkeitsbeschränkungen, Nutzungsbeschränkungen für bestimmte Straßen, …) hinwegsetzen. Dafür ist es nicht zwingend erforderlich, dass andere Verkehrsteilnehmer das Fahrzeug als das eines FA erkennen: Von ihnen wird kein anderes Verhalten verlangt als in jeder anderen Situation. (Möglicherweise ruft eine Kennzeichnung des Fahrzeugs mit Magnetbeschriftung, Dachaufsetzer o.ä. aber Verständnis für eventuelle Verkehrsverstöße des FA hervor – aber das ist ein ganz anderes Thema.)

    Strikt unterscheiden von der Inanspruchnahme von Sonderrechten (§ 35 StVO, s.o.) muss man die Inanspruchnahme von Wegerechten nach § 38 StVO. Wegerecht bedeutet: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“. Dieses Recht steht einem FA mit Privat-Pkw niemals zu: Für die Inanspruchnahme von Wegerechten schreibt § 38 das Einschalten von Blaulicht und(!) Einsatzhorn vor – das haben Privat-Pkw aus gutem Grund eben nicht.

    Leider werden Sonderrechte nachh § 35 und das Wegerecht nach § 38 oft nicht klar unterschieden; das ist für das Verständnis der Regelungen unserer StVO aber elementar.

    [quote comment=“596″]
    Leider werden Sonderrechte nachh § 35 und das Wegerecht nach § 38 oft nicht klar unterschieden; das ist für das Verständnis der Regelungen unserer StVO aber elementar.[/quote]

    Gerne führen, aufgrund deren Ähnlichkeit (vor allem am Wortanfang ;-) ), auch die Begriffe „Sonderrecht“ und „Sondersignal“ zu den obig genannten Missverständnissen.

    […] Unfälle von Feuerwehrleuten auf dem Weg zum Einsatz gehören leider auch zu den Gefahren, in die sich ein Feuerwehrmann begibt. Unfälle auf dem Weg zum Einsatz. […]