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01.09.06

Grossbrand in Eiselfing: Weitere Aufklärung

Das Video vom Grossbrand in Eiselfing schlägt immer noch Wellen, zumindest im Kommentarbereich bei YouTube. Dort wird unter Anderem spekuliert, warum die Alarmierung so spät erfolgt sei, die Sirene also weit in den Einsatz hinein zu hören ist.

Aufklärung gibt's nun von allervorderster Front, sozusagen. Alexander Maier ist Mitglied der Feuerwehr Bachmehring, also in Steinwurfweite des Brandobjektes. Hier nun sein Bericht, einmal in Kurzfassung und als Erfahrungsbericht. Wirklich lesenswert da authentisch, man bekommt einen guten Eindruck von einer unübersichtlichen Lage, bei der auch noch die Wasserversorgung schwierig war.

(Danke, Alexander!)

Einmal die Kurzfassung:

Also, ich beende jetzt mal die Spekulationen über die Alarmierung. Der Brand ereignete sich im Einsatzgebiet der FF Bachmehring. Durch einen ungenauen Notruf, oder einen Fehler in der FEZ wurde zuerst nur Alarmstufe 1 für die FF der Stadt Wasserburg alarmiert.

Noch während der Anfahrt wurde die Alarmstufe durch die FF Wasserburg erhöht, da es sich doch um ein größeres Feuer handelte als ursprünglich angenommen und die Rauchsäule bereits kilometerweit sichtbar war (es wurde ein brennender Container gemeldet).

So, nun wurde also Alarmstufe 2 für die FF Bachmehring gegeben und damit die FF Bachmehring, Aham, Freiham, Schönberg und Wasserburg mit der Sirene alarmiert. Als die Sirenen im Video zu hören sind, wurde auf Alarmstufe 3 erhöht und es befanden sich bereis die 2 Löschgruppenfahrzeuge der FF Bachmehring, der Löschzug der Stadt Wasserburg und die TSFs der anderen 3 Feuerwehren vor Ort und es waren schon mehrere Atemschutztrupps im Einsatz.

Durch die Erhöhung auf Alarmstufe 3 wurden dann noch die FF Amerang, Evenhausen, Babensham, und Penzing alarmiert und die Sirenen der anderen FFs ertönten nur noch ein zweites mal. Die FF Edling und FF Schonstett boten ebenfalls noch ihre Hilfe an. Somit befanden sich 10 Feuerwehren + sonstige Unterstützungskräfte im Einsatz. Einen kompletten Einsatzbericht findet ihr auf der Seite www.feuerwehr-bachmehring.de

0609 Eiselfing

(Foto: FF Bachmehring)

Und die Langfassung als Erfahrungsbericht:

Also, der Brand ereignete sich am 12.6.06 um ca. 20:25 Uhr, Brandursache ist nach meinem letzten Wissensstand Brandstiftung. Die FF Wasserburg war mit ihrem TLF 16-25 und ihrem Versorguns-LKW auf einem nahe gelegenem Frühlingsfest ( siehe Bild im Anhang) und hatte dort Parkplatzdienst und regelte den Besucherverkehr. Beide Fahrzeuge waren auf Status 1 sprich einsatzbereit und über Funk erreichbar.

So weit wie mir bekannt ist und laut Aussagen von Augenzeugen, stand zuerst ein Container neben dem Gebäude in flammen. Deswegen wurde auch vorerst nur Alarmstufe 1 für die Stadt Wasserburg alarmiert. Leider rätseln wir alle immer noch, wieso die FF Wasserburg alarmiert wurde und nicht wir. Eine Vermutung von mir und einigen anderen Kameraden ist, das es wahrscheinlich eine Fehlinformation in der FEZ gab.

Entweder durch einen ungenauen Notruf oder durch einen Fehler in der Weiterleitung des Notrufs durch die Polizei (bei uns kommt man, wenn man die 112 wählt bei der Polizei raus und die geben den Notruf an die FEZ weiter). Vielleicht liegt es auch daran, das die Wasserburger auf Status 1 waren. Noch während der Anfahrt zum Einsatzort, hat der Kommandant der Wasserburger die Alarmstufe für uns (FF Bachmehring) erhöhen lassen. Dadurch wurden wir, FF Aham, FF Schönberg, FF Freiham und erneut die Wasserburger alarmiert.

Dann ging’s auch schon los, nach dem ersten Heuler war ich schon bei der Haustür draußen (bei uns und bei den anderen 3 Wehren in unserer Gemeinde wird immer mit der Sirene alarmiert wir haben nur ein paar FMEs). Ich fuhr von Bachmehring nach Eiselfing zu unserem Gerätehaus (ca. 1 km).

Die Rauchsäule die zu sehen war, war einfach nur riesig. Auf dem Weg zum Gerätehaus, bog vor mir der Wasserburger 81/1 mit Blau und Martinshorn ein (Wasserburg 21/1 müsste schon am Einsatzort gewesen sein). Mein erster Gedanke war, was macht der Versorgungs-LKW schon so früh hier? Aber macht ja nichts, hab mich einfach hinten dran gehängt und bin zum Gerätehaus gefahren.

Die FF Aham war zur Zeit des Brandausbruchs mit ihrem TSF bei uns am Gerätehaus um ihre nach der Übung benutzten Schläuche zu waschen. Sie wurden durch die Rauchsäule auf den Brand aufmerksam. Das TSF der FF Aham war nach dem TLF aus Wasserburg das zweite Fahrzeug am Einsatzort.

Als die ersten Einsatzkräfte eintrafen, schlugen die Flammen aus dem Dach, die Tore waren noch zu. Das 3. Fahrzeug am Einsatzort war der Wasserburger 81/1 gefolgt von unserm LF 16/12. Ich war Truppführer vom 2. Angriffstrupp auf unserem LF 16/12.

In dem Moment als wir eintrafen, explodierte die erste Propangasflasche und die 4 Garagen des Gebäudes brannten in voller Ausdehnung. Die Wucht von der Explosion hat die Tore herausgerissen und plötzlich ging eine gewaltige Strahlungswärme von dem Brandobjekt aus.

Die Wasserburger Kameraden ließen alles stehen und liegen und brachten sich in Sicherheit. Ein paar blieben zurück und schirmten mit dem Schnellangriff ihr eigenes TLF aus der Deckung heraus ab. Als ich aus unserem Fahrzeug ausgestiegen war, und gerade den Atemschutzgeräte Auszug herausgezogen hatte, ereignete sich die zweite Explosion. Ich weiß noch, ich packte mir nur noch mein PA und ging in Deckung. Während ich mich ausrüstete, ereigneten sich immer mehr Explosionen, der Knall war ohrenbetäubend und die Druckwelle spürte man in der Magengegend.

In zwischen trafen auch unser LF 8 ein und die zwei TSFs der FF Schönberg und Freiham. Als ich fertig ausgerüstet war und auf meinen Einsatzbefehl gewartet habe, heulte die Sirene ein zweites mal los und die Alarmstufe wurde auf 3 erhöht. Somit wurden dann noch die FF Amerang, Evenhausen, Babensham und Penzing alarmiert. Die FF Schonstett (ca. 6 km Luftlinie) und die FF Edling (ca. 6 km Luftlinie, aber auf der anderen Seite des Inns) wurden durch die Explosionen aufmerksam und haben ihre Hilfe angeboten, die auch dankend angenommen wurde.

Nach meinem AS-Einsatz, wurden einige Kameraden und mir aufgetragen mit dem LF 8 zusammen mit der Feuerwehr Edling (LF 16/12 u. LF 8) und der FF Evenhausen (TSF) eine Wasserversorgung vom Eiselfinger See aufzubauen (siehe Foto). Das Hydrantennetz ist mehrmals zusammen gebrochen ( bei einigen Hydranten kam wirklich nur noch Luft raus).

Der Rest ist dann relativ normal verlaufen, es wurde auch schon überlegt, wo die Verletztensammelstelle eingerichtet werden sollte, falls der Wind gedreht hätte. Der ganze Rauch wäre direkt durch die ganzen Wohngebiete gezogen. Zum Glück is aber alles glimpflich abgelaufen.

So, das waren jetzt einige von meinen Eindrücken, die ich bei dem Einsatz sammeln konnte. Ich hoffe, dass ich dir da weiter helfen konnte. Den Einsatzbericht findest du auf unserer HP www.feuerwehr-bachmehring.de (Link)

Hier noch ein Paar Skizzen
(Karten © Landesamt für Vermessung und Geoinformation, Veröffentlicht nach den Nutzungsbedingungen, "Zurverfügungstellung")

Brand Schuhmann 3

Brand Schuhmann 2

Brand Schuhmann

Geschrieben von Irakli um 01.09.06 12:06

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Kommentare

super BERICHT (der subjektive) - sehr plastisch und "realitätsnah" durch SELBSTVERSTÄNDLICH vorsätzlich integrierte verwirrende elemente ;)

Geschrieben von: patrick um 01.09.06 18:06

Also die Wasserversorgung, das kann ich mir vorstellen, ist wirklich schwierig gewesen. Allerdings muss man natürlich mal bei den Verantwortlichen in der Verwaltung nachfragen, ob im Brandschutzbedarfsplan eine entsprechende Wasserversorgung für Löschzwecke vorgesehen ist!?

Der Weg bis zur Saugstelle erscheint mir doch extrem weit! Und mit nur einer TS8 ist da auch nicht viel getan. Ein SW2000 reicht wahrscheinlich auch nicht für ne Doppel-B-Leitung. Ein Löschteich oder ein entsprechend großes Regenwasserrückhaltebecken mit Saugstelle wäre da vielleicht in Betracht gekommen, wenn denn eins in der Nähe gewesen wäre!

Geschrieben von: Thomas Lampert um 03.09.06 11:34

Die Wasserversorgung ist eigentlich erst zusammengebrochen, als der Brand schon fast unter Kontrolle war. Ist ja auch kein Wunder, da anfangs nur aus der Deckung mit dem Monitor der DL und einem Bodenmonitor gearbeitet wurde (wegen der unsicheren Lage und immer noch herschender Explosionsgefahr). Als dann später der Löschangriff von beiden Gebäudeseiten vorgenommen wurde, brach der Eingangdruck bei allen stark ein. Der Aufbau der Wasserförderung über die lange Schlauchstrecke war hauptsächlich nur zur Sicherheit. Hier waren aber auch (bin mir nicht mehr ganz sicher) 3 Pumpen im Einsatz. Mit den Verantwortlichen der Gemeinde wurde die Lage danach ausgiebig besprochen, da das Gewerbegebiet im Moment auch noch richtung Norden erweitert wird.
Gruss Florian

Geschrieben von: Florian Hasieber um 03.09.06 12:03

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