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31.08.06

Legenden bei der Feuerwehr: Der Unimog

Er ist eine Legende. Eine Legende, welche die Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik ebenso prägte, wie sie das Feuerwehrwesen beeinflusste. Die Rede ist von dem Unimog. Kaum eine Freiwillige Feuerwehr hatte ihn nicht schon in ihrem Gerätehaus stehen.

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TLF 8 der FF Hoechen. Unimog S 404, Baujahr 1958, Aufbau: Voll. Foto: Stefan Hirsch.

Der Bestand an Unimogs, die zumeist als TLF 8 zur Verfügung standen, war in den 1970er und 1980er Jahren sehr hoch. Die Neukonzeption des Katastrophenschutzes integrierte die ehemaligen LSHD-Fahrzeuge in die Feuerwehren. Nicht selten landete auch ein in den 1970er bei der Bundeswehr ausgemusterter Unimog als umgebautes TLF 8 bei der Feuerwehr.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des „Universal Motor Geräts“, kurz Unimog, im Jahre 1944. Albert Friedrich, Leiter der Daimler-Benz-Flugmotorenkonstruktion, stellte erste Studien über die Schaffung eines geländegängigen Allzweckfahrzeuges für die Landwirtschaft an.

Vor dem Hintergrund der Pläne des amerikanischen Finanzpolitikers Henry Morgenthau aus dem ehemaligen Deutschen Reich mehrere Agrarstaaten zu erschaffen, schienen die Überlegungen Friedrichs folgerichtig.

Anspruchslos, schlicht und universelle Einsetzbarkeit war das Rahmenkonzept des Fahrzeugs, die sich auch unter Nachkriegsbedingungen umsetzen lassen mussten. Der Unimog folgte der Gleichung: einfache und geniale Konstruktion bei hoher Leistungsfähigkeit.

Den ersten Prototypen fertigte die Gold- und Silberwarenfabrik Erhard & Söhne 1946 nach nur sieben Monaten Entwicklungszeit. Eine 500 Fahrzeuge umfassende Kleinserie stellte die Werkzeugmaschinenfabrik Boehringer zwei Jahre später her. Schon 1950 übernahm Daimler-Benz die Produktion. Der charakteristische Mercedes-Stern löste aber erst 1955 den stilisierten Ochsenkopf der Firma Boehringer ab. Schon 1966 waren 100.000 Unimogs produziert.


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Der erste Unimog: Prototyp U 5 von Boehringer, Baujahr 1946.

An die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dachte zu Beginn des Unimog-Zeitalters niemand. Als Ackerschlepper wurde er selten eingesetzt. Der eigentliche Erfolg stellte sich mit der Baureihe Unimog S 404 ein. Das bis 1980 produzierte Modell war der erfolgreichste Unimog überhaupt.

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Unimog S 404.1 in der militärischen Variante. Baujahr 1955 - 1977

Die Bundeswehr war zunächst Hauptabnehmer des 404. Aufgrund der niedrigen Leistung der damaligen Dieselmotoren erhielt die Baureihe einen Benzinmotor – bis heute einmalig. Für das Militär lag der Wert des Unimog in seinen Fahreigenschaften. Im Gegensatz zum als Ackerschlepper konzipierten Unimog ist der Unimog S ein kleiner hochgeländegängiger Lastkraftwagen. Seine Geländegängigkeit übertrifft sogar die von Kettenfahrzeugen.

Die Fahreigenschaften machten den Unimog auch für den Luftschutzhilfsdienst (LSHD) interessant. Das Innenministerium suchte ein leichtes, wendiges und geländegängiges Fahrzeug. Im Unimog S fand das Ministerium das ideale Fahrzeug.

Bis 1964 wurden 1752 Fahrzeuge vom Typ Unimog S als Serienfahrgestell für das TLF 8 bestellt und bis 1968 ausgeliefert. Ohne Konkurrenz war der Unimog aber nicht. Das Innenministerium ließ 1963 drei andere Fahrzeuge testen. Dabei erwies sich der Henschel HWR-50 dem Unimog als teilweise überlegen. Dennoch blieb man dem Produkt mit dem Stern treu, sieht man von acht Borgward B 2500 A/O in Nordrhein-Westfalen ab.

Ein erster Prototyp der TLF 8-Serie auf Unimog S wurde 1957 von Metz mit kleinem Radstand aufgebaut. Ab 1958 begann die Serienproduktion mit Aufbauten von Magirus und Voll mit langem Radstand.

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TLF 8 der FF Hoechen. Unimog S 404, Baujahr 1958, Aufbau: Voll. Foto: Stefan Hirsch.

Der LSHD stellte verschiedene Fachgruppen bereit. Dazu gehörte auch eine Gruppe, deren Aufgabe Brandbekämpfung war. Diese Einheiten stellten eine Art „Feuerwehr des Bundes“ dar. Für den zivilen Einsatz waren sie nicht gedacht. Der LSHD hatte die Aufgabe die Selbstschutzmaßnahmen der Bevölkerung im Verteidigungsfall zu unterstützen bzw. Schäden wirksam zu bekämpfen. Er war überörtlich aufgestellt und am Rand von Ballungszentren konzentriert.

Untergestellt waren die LS-Fahrzeuge oft bei der Feuerwehr. Für einige Feuerwehren am Rand großer Städte war die Stationierung dieser Fahrzeuge ein enormer Technologieschub. Teilweise waren die Unimog S die ersten motorisierten Fahrzeuge.

Der Unimog nahm in der Konzeption des LSHD eine zentrale Rolle ein. Pro LS-Bereitschaft (88 Mann, 23 Fahrzeuge) gab es fünf Unimog TLF 8. Wegen seiner Geländegängigkeit hatte das TLF dabei u.a. die Funktion eines Erkundungsfahrzeuges und die eines „Vorauslöschfahrzeuges“. Das TLF 8 musste neben der Möglichkeit der Brandbekämpfung auch zum Krankentransport geeignet sein.

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TLF 8 der FF Haibach auf Unimog - S 404.1, Baujahr 1962. Das Fahrzeug entstammt dem Bestand der Bundeswehr. Foto: FF Haibach.

Das Problem des LSHD war, dass die meisten Mitglieder Helfer anderer Hilfsorganisationen waren und damit dem LSHD im Verteidigungsfall nicht zur Verfügung gestanden wären. Die Neuorganisation des Katastrophenschutzes 1968 trug diesem Umstand Rechnung. Fortan gab es eine Arbeitsteilung zwischen Bund und Ländern. Die Fixierung auf den Verteidigungsfall wurde aufgelöst.

Mit der Neukonzeption des Katastrophenschutzes wurden die Unimog-TLF nicht mehr benötig. Sie wurden an die Feuerwehren abgegeben. Dass kleine wendige TLF nicht nur unnutzes Gerät sind, zeigt sich nach der Waldbrandkatastrophe von Lüneburg 1975. Es bestand enormer Bedarf an geländegängigen TLF. Das Land Niedersachsen definierte durch eine technische Weisung 1976 das TLF 8 W - W für Waldbrandbekämpfung. Zum Einsatz kam hier auch schon die neue Unimog-Generation auf U 1300 L mit Aufbau von Schlingmann. Aber nicht nur in Deutschland, sondern auch international ist der Unimog als Waldbrandbekämpfungsfahrzeug gefragt.

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TLF 8-W der FF Göttingen, OT Grone auf Unimog 1550 L, Baujahr 1997. Foto: FF Göttingen-Grone

Ab Mitte der siebziger Jahre musterte auch die Bundeswehr ihre erste Unimog-Generation aus. Nicht selten wanderte dieser zu einer Feuerwehr, wo er als TLF in Gebrauch stand. Viele dieser Unimogs sind inzwischen ausgemustert worden. Oftmals ohne adäquaten Ersatz.

Da die meisten Feuerwehren nur DIN-TLF beschafften und diese nicht für die Waldbrandbekämpfung geeignet sind, gibt es mancherorts Bedarf an einem geländegängigen Gefährt. Das TLF 8 gibt es nach Norm schon lange nicht mehr. Der Nachfolger ist das TLF 8/18 bzw. das TLF 16/24.

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TLF 8/18 der FF laufach, auf Unimog U 1300 L, Baujahr 1990. Foto: FF Laufach.

Der Unimog fand aber nicht nur als TLF Verwendung bei Feuerwehren. Die Version mit langem Radstand, auch als Lastkraftreihe bekannt, wurde als Fahrgestell für ein TSF (W) bzw. LF 8 gewählt. Zu finden in bergigem oder unwegsamem Gelände.

Geeignet war der Unimog auch als Fahrgestell für den RW 1. Auch hier sprach die Geländegängigkeit für ihn. Im „Löschzug – Löschen und Retten“ des Katastrophenschutzes war der RW 1 oft als Unimog anzutreffen. Auch heute verwenden kleinere und mittlere Feuerwehren den Unimog als RW 1.

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RW 1 der FF Göttingen, OT Grone auf Unimog 1330 L, Baujahr 1988. Foto: FF Göttingen-Grone

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TSF-W der FF Elmenhorst auf Unimog U 1300. Foto: FF Elmenhorst

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TSF der FF Häusern/Schwarzwald

Den Anstoß zu diesem „spontanen“ Bericht über „Unimog und Feuerwehr“ gab ein Besuch im Unimog-Museum in Gaggenau – Bad Rotenfels. Ein nach der Schließung des Unimog-Werkes 2002 gegründeter Museumsverein eröffnete am 3. Juni 2006 ein dem Unimog gewidmetes Museum.

Das Projekt wurde privat finanziert. Zu sehen sind sich abwechselnde Sonderausstellungen. Geplant ist im nächsten Frühjahr auch eine Ausstellung über „Unimog und Feuerwehr“. Gegenwärtig wird der Besucher durch eine Zeitreise der Unimog-Entwicklung geführt.

Mehr Fotos von meinem Besuch gibt es in meiner persönlichen Fotostrecke bei Flickr.

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Der neueste Unimog ...

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... im Vergleich zu einem der ersten Unimogs. Hier ein U 2010 aus der Zeit zwischen 1951 und 1953 der Schweizer Armee.

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Ein Unimog-Ableger. Der MB-Trac. Nachdem der Unimog in der Landwirtschaft nur mäßigen Erfolg hatte, entwickelte Daimler-Benz den auf dem Unimog-Gedanken basierenden Ackerschlepper.

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Geländeparcour im Freien.

Geschrieben von Stefan C. um 31.08.06 13:45

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Kommentare

Dieser Bericht gefällt mir sehr gut ! Tolle Fotos, auch wenn nicht alles in RAL3000 ist ;-))
Falls ich mal in die Gegend komme, ist ein Besuch in diesem Museum Plichtprogramm!
Weiter so!

Geschrieben von: ulli um 31.08.06 14:27

Von den Fotos war ich auch hellauf begeistert. Eigentlich bin ich ja kein großer Oldtimer-Fan, aber der Unimog ist einfach ein faszinierendes Gefährt. Klasse Bericht!

Geschrieben von: Timo um 31.08.06 15:14

Gratulation, ein wirklich prima Artikel. Dazu passend: Am 2. September findet in Keferloh (bei München) ein Feuerwehr Oldtimertreffen statt. Das werd' ich mir nicht entgehen lassen.

Geschrieben von: Stefan A. um 31.08.06 21:27

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