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22.06.06

Beflaggte Feuerwehrfahrzeuge

Dem Aufruf mir Fotos beflaggter Feuerwehrfahrzeuge zu schicken, sind einige Leser gefolgt. Ebenso viele Leser stimmen dem "Fahrzeug-Beflaggungs-Verbot" zu. Das Argument, dass die Feuerwehr eine neutrale Organistion ist, die jedem hilft, ist stichhaltig, zumal die Beflaggung nicht Ausdruck eines wie auch immer gearteten Patriotsimus sei, sondern direkt in Bezug zur WM-Teilnahme der deutschen Nationlamannschaft stehe.

msp_lf2.jpg
Foto Markus Heßdörfer

Als Sozialwissenschaftler und Historiker sind das für mich vorgeschobene Gründe für ein anderes Problem: Wir Deutschen sind nach wie vor ziemlich verklemmt, wenn es um die öffentliche Zuschaustellung nationaler Symbole geht. Dabei hat Schwarz-Rot-Gold mit dem deutschen Makel nichts zu tun. Aber nicht nur das Makel der Geschichte der deutschen Staaten ist für die uns befremdliche Vorstellung einer Nation verantwortlich, sondern eine fehlenden nationale Geschichte, und damit nationales Bewusstsein! Viele verstehen sich als Bayern, Badener oder Berliner, aber erst in zweiter oder dritter Linie als Deutsche. Das hängt mit der jahrhundertelangen deutschen Kleinstaaterei zusammen, deren Ideale offenbar bis heute tradiert und unter dem Eindruck des Makels aufrecht erhalten werden. (Andererseits ist das zugleich Ausdruck eines u.a. von Michael Zürn und Ulrich Beck beschriebenen Phänomens: Globalisierung bei gleichzeitiger Fragmentarisierung).

Um einer Diskussion aus dem Weg zu gehen, verstecken wir uns dann hinter Vorschriften und Erlassen, anstatt zu versuchen ein normale Gesellschaft mit nationalen Symbolen zu sein. National heißt nicht Volk, nicht Ius Sanguinis, sondern ist im Sinne der Homogenität eines Staatswillens zu verstehen, durchaus im Sinne der jakobinischen Vorstellung von Nation.

Oft wird zu Recht auf die USA verwiesen, denen ihre Flagge fast heilig ist und die fast jedes Feuerwehrfahrzeug ziert. Die Rundumschlagkeule "wir sind nicht die USA" ist m.E. hier fehl am Platz, denn es geht nicht um die Beflaggung (und den zugegeben oft etwas übertriebenen Kult), sondern um die nationale Mentalität: Man fühlt sich als Nation und die Flagge ist das Symbol dafür.

Die deutsche Bundesflagge als nationales Symbol am Feuerwehrfahrzeug ist damit doppelt codiert: Auf der aktuellen Ebene drückt sie das WM-Fieber aus, auf der anderen ist sie Symbol der Zugehörigkeit zur Nation Deutschland, denn sonst würden wir sie ja nicht verwenden, oder?

Aber genug der lehrenden Worte und zu den Fotos!!!

Max aus München schickt ein Foto des WLF seiner Wehr:

muenchen_mi.jpg

Markus aus dem Landkreis Main-Spessart schickte folgende Fotos:

msp_lf1.jpg

msp_elw.jpg

In Hamburg wurde folgendes gesichtet:

hamburg.jpg
Foto mit freundlicher Genehmigung durch die FF Hamburg

Geschrieben von Stefan C. um 22.06.06 22:28

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Kommentare

So ganz nachvollziehen kann ich diesen Erlass auch nicht.
Das Bekentnis zu einem Land durch Beflaggung an einem Fahrzeug beschränkt uns in keiner Weise in unserer Professionalität im Einsatz !!
Ein ausländischer Gast wird wohl auch kaum unsere Neutralität in Frage stellen wenn er unsere Hilfe braucht und wir mit einem beflagtem Fahrzeug an die Einsatzstelle kommen.
Selbst Bundespräsident Köhler und einige andere Politiker haben schon die Forderung an den Bundesinnenminister gestellt bis zum Ende der WM an Dienstgebäuden Beflaggung anzuordnen !
Wo wäre dann eigentlich der Unterschied ?
In der Seefahrt ist es gute Tradition die sogenannte "Nationale" oder den "Adenauer", also die deutsche Flagge , am Heck anzubringen !
Teilweise ist dies sogar in Küstengewässern Pflicht !

Mir wäre ein etwas unverkrampfterer Umgang mit der deutschen Geschichte lieber gewesen, ausserdem hat es etwas sympathisches mit Fahnen geschmückte Fahrzeuge zu sehen, die ja nun allerorten als Verbände oder einzeln unterwegs sind.

Geschrieben von: Lars um 22.06.06 22:48

Nun ist bei uns die Weltmeisterschaft und auf einmal sollen wir alle nicht mehr Deutschland sein.....

Geschrieben von: Michael Gudjons um 22.06.06 23:23

Ich finde es vor allem erstmal "typisch deutsch", dass darüber wieder so ein Hopei gemacht wird. Kaum baut sich einer eine Flagge an ein (privates) Auto fragen sich alle "darf der das überhaupt?". Bis es dann mehr Leute machen und es als gegeben hingenommen wird.

Gleiches bei uns, es mag zwar gut sein über sein Handeln vorher nachzudenken, aber muss man es den übertreiben?

Es sieht doch wohl eher so aus das wir in diesem Land ein bißchen bessere Stimmung gebrauchen könnten, oder? Warum soll es plötzlich einer Org. die den Menschen in diesem Land helfen soll und von Menschen dieses Landes am Leben erhalten wird verboten sein ein kleines Symbol dieses Landes am Fahrzeug mitzuführen?
Jedes Fahrzeug hat doch auch ein Wappen und eine Beschriftung der entsprechenden Staatlichen Struktur, sprich Gemeinde, Stadt, etc. Hat sich da schonmal wer drüber aufgeregt?

Klar sollen wir politisch Neutral sein, total OK! Aber ist eine Schwarz-Rot-Gold Flagge etwa Wahlwerbung? Sie zeigt in meinen Augen mehr das man für das Land einsteht das sie repräsentiert. Oder noch besser für die Menschen in diesem Land! Und das tun wir doch, oder nicht? Hochwasser, Schnee, Unwetter im allg. Viele von uns sind dabei gewesen und das war nicht vor der Haustür sondern sogar in einem anderen Bundesland, oder? Oh, sollen wir dann schnell die Beschriftungen auf den Türen abkratzen? Oder etwa die Ärmelabzeichen (dort findet sich ja auch ein Hinweis wo man herkommt) bei Polizei, Feuerwehr entfernen?

Ich finde es mal wieder bezeichnend das wir zu allererst in unsere Vorschriften gucken, dann jemanden Fragen der genausowenig eine Antwort geben kann und erst ganz zuletzt in uns selbst hören!

Es zeichnet doch den Menschen grade aus, das er eben Gefühle hat und nicht stumpf ein Programm abarbeitet!

Ich begreife manches in diesem Land einfach nicht!

Geschrieben von: Kai Schaumann um 23.06.06 08:53

So gesehen muss ich dem Beitrag von Stefan zustimmen. Wir in Bayern würden sicher eher "die Raute" an das Fahrzeug hängen, als die Bundesfalagge.

Aber man kann sich auch heiß Diskutieren.

Aber @Stefan: Eine Behauptung, man schiebe die USA immer gerne nur vor, weise ich von meiner Seite her zurück. Ich habe mich lange damit beschäftigt. Auch habe ich für mich mal "eine kleine Studie" (wenn man so will) angestellt, warum für viel FA die "Firefighter" so toll sind.

Herausgekommen ist, dass (ich redete mit sehr vielen FA´s; auch von anderen Wehren) fast 90% sich ausschließlich vom Fernsehen/Video "inspiriern" liesen. Kaum jemand befasste sich stärker damit oder versuchte auch hinter die Kulissen zu blicken.

Das ist es eigentlich, was mich am dem "Kult" so stört. Und genauso auch der zur Zeit übertriebene Patriotismus; der aber, dass ist wohl jedem klar, spätestens am Ender der WM genauso schnell verschwindet, wie er aufgetaucht ist - oder sogar schon, nachdem die Deutschen (hoffen wir mal nicht) ausgeschieden sind.

Der ist einfach nicht echt. Und was nicht echt ist, begeistert mich nicht und stellt in meinen Augen nur heuchelei dar! Und dass kotzt mich einfach an. (Sorry, die Ausdrucksweise).

UND: Dann kommt es für mich auch nicht in Frage, mit meiner Feuerwehr an diesem Schauspiel daran teil zu nehmen. Was anderes wäre es VIELLEICHT, wenn meine Feuerwehr eine wäre, die in einer WM-Stadt tätig ist. Dann wäre es für mich aber auch kein Patriotismus, sondern reine Gastgeberfreundlichkeit für die Touris.

Und noch einmal @Stefan: Ich gebe Dir völlig Recht, dass wir Deutschen sehr verklemmt sind in dieser Hinsicht. Daran wird sich auch in nächster Zeit wohl wenig ändern. Ich denke, dass wir mindestens noch eine, wenn nicht sogar zwei Generationen benötigen, um annähernd in dieser Hinsicht wieder normalität einkehren zu lassen.
Erst wenn der "letzte Überlebende", sei es ehem. Wehrmachtsoldaten oder überlebende des Holocaust, verstorben ist - und dann wird es auch noch sehr lange dauern.

Aber: Wir sind daran auch selber schuld. Wir selbst kochen ja das Ganze immer wieder von neuem - ob im Fernsehen, Zeitschriften oder in der Schule - übermäßig auf. Kollegen, die z.B. auch den History-Channel empfangen können, werden mir bestätigen können, dass besonders hier fast nichts anders läuft, als Dokus über den zweiten Weltkrieg und wie schlimm wir doch waren.

Mann muss/sollte die Geschichte doch einfach mal ihren Lauf lassen.

Geschrieben von: Ekkehard Giesecke um 23.06.06 08:54

Zwar nicht speziell zu Flaggen an Einsatzfahrzeugen, aber zum aktuellen Flaggen-Kult allgemeint: http://waschsalon.twoday.net/stories/2219062

Da steht sehr viel Wahres drin, wie ich finde...

Gruß
Jonas

Geschrieben von: Jonas um 23.06.06 08:55

Die Gründe liegen vermutlich genau da, wo Stefan sie einordnet - in unserer Geschichte und unserer verbreitet fehlenden nationalen Identität. Eigentlich schade; aber daran wird sich vermutlich mittelfristig nichts ändern.

Geschrieben von: Timo um 23.06.06 09:22

Ich kann Stefan mit dem Blogeintrag nur Recht geben. Er hat es genau auf den Punkt gebracht.

By the way: Alle gebürtigen Türken, Italiener, Russen, Deutsche, Japaner, Indier, Afrikaner, Dänen....usw. die in diesem Land leben, stehen sie denn auch nicht unter dem Symbol der deutschen Nationalflagge? Soll es nicht auch gleichbedeutend für die sein? Da macht man wieder Unterschiede. Und wenn ich mal in die Nachbarstadt Völklingen schaue, insbesondere in die Innenstadt, dann bin ich selbst überrascht. Dort leben mehr gebürtige Ausländer als Einheimische. Aber diese Menschen scheinen das Verstanden zu haben: Als Deutschland gewann, war dort die Hölle los. Viele der Leute dort sind mit der deutschen Flagge am Auto Hupend durch die Straßen gefahren. Ich denke ein Zeichen dafür das wir doch am Ende alle gleich sind.

Geschrieben von: Eric um 23.06.06 09:56

Könnte es sein, dass die Fahne auf dem untersten Bild nicht auf dem Fahrzeug, sondern hinter dem Fahrzeug steht??? :-)))

Geschrieben von: Mario um 23.06.06 11:42

Ich habe heute morgen mit einem ehemaligen Kollegen telefoniert, welcher nun in Australien lebt!
Er meinte, dass Deutschland gerade im Ausland aktuell extrem positiv wahrgenommen wird. Welche Stimmung hier herrscht, wie proffesionell die WM organisert ist und wie friedlich alles abläuft.
Wenn ich ihm von dieser Diskussion hier erzählen würde, würde er sich wahrscheinlich schlapplachen!


Wir haben unseren kompletten Zug mit kleinen Flaggen versehen und finden das gut so! Sonst ist oben im Blog bereits alles gesagt und ich kann Kai absolut zustimmen. Wer hat sich denn mal näher damit beschäftigt, für was diese Fahne überhaupt steht ??????

Bilder mit Flaggen muss ich noch welche suchen, ich schick sie dann.

Geschrieben von: Steffen um 23.06.06 17:03

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