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04.04.06

FireEngineering 2006: Ab in den Container

Die Anzahl der Feuer nimmt in Deutschland tendenziell ab, ebenso die Anzahl der Innenangriffe. Bedingt wird dies durch bessere passive Warn- und Löschvorrichtungen und einem verbesserten vorbeugenden Brandschutz in den Köpfen der Menschen.

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Blick in den Container während ein Ausbilder Holz nachlegte.

Was rein statistisch eine positive Entwicklung ist, gerät für die Brandbekämpfer zum Problem: Immer weniger Feuer und Brandbekämpfung im Innenangriff (IA) bedeutet immer weniger Praxis für die Einsatzkräfte. Gleichzeitig steigt das Risiko im IA, denn die energiesparende Hausbauweise und der Einsatz vieler Kunststoffe im Hausbau fördert die Bildung einer Rauchgasdurchzündung.

Die jüngeren Alterskohorten in der Feuerwehr haben heute kaum Erfahrung mit echtem Feuer im IA. Deshalb ist eine praxisbezogene Ausbildung wichtig. Dies geschieht in so genannten Brandcontainern, in denen durch Gas- oder Feststoffbefeuerung ein IA simuliert wird.

Die Ausbildung in den Containern vermittelt die richtige Strahlrohrtechnik, Hindernisparcours im Brandraum, Wärmegewöhnung (WG) und Flash-Over Training (F/O). I.d.R. ist die Ausbildung in mehrere aufeinander aufbauende Module aufgeteilt. Dabei geht es nicht nur um die technische Seite, wie das Erkennen eines F/Os oder die Löschtechnik, sondern auch um das Finden der persönlichen physischen wie psychischen Leistungsgrenze.

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Die Firma FeureX bot auf der am vergangenen Wochenende stattgefundenen 3. FireEngineering ein Training zur richtigen Strahlrohrtechnik und Wärmegewöhnung an. Zunächst wurde im strömenden Regen mit dem Hohlstrahlrohr geübt.

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Ein Ausbilder erklärt mir (der mit der 12 auf dem Helm) das Vorgehen

Der Ausbilder gab durch Zuruf die Situation bekannt, auf die der Trupp reagieren musste. Zuerst erfolgte der Wärmecheck, mit einem schräg vor den Trupp abgesetzten Sprühstrahlstoß. Kommt das Wasser im IA wieder runter, ist der Raum kalt und der Trupp kann drei Schritte vorwärts machen und muss dann den Wärmecheck erneut durchführen. Verdampft das Wasser, ist der Raum heiß und der Trupp muss drei Sprühstrahlstöße gleichmäßig in den Raum verteilt abgeben. Nach 2 Sekunden erfolgt ein erneuter Wärmecheck. Wenn der Raum nun kalt ist, kann der Trupp weiter vor, ist er noch immer heiß, muss das Prozedere wiederholt werden. Kommt es zu einer Durchzündung stellt der Strahlrohrführer das Hohlstrahlrohr auf den Breitstrahl-Wassernebel und der Trupp wirft sich zur Seite.

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Ingo von FeureX erteilt dem Trupp durch Zuruf Anweisungen

Daran anschließend ging es in den Container. Die aus vier Leuten bestehende Gruppe musste sich zunächst durch einen Hindernisparcours quälen. Als erstes musste man sich unter zwei hintereinander aus jeweils vier senkrecht aufgehängten Autoreifen bestehendes Hindernis mit den Füßen voran durchzwängen. Es folgte der Aufstieg in das 1. OG, dabei mussten sich die Feuerwehrmänner gegenseitig helfen, ein Kriechgang über Matratzen, der für Irritationen sorgte und schließlich der Abstieg zurück in das Ursprungsgeschoss. Beim Abstieg zeigt sich der Nachteil des Kriechgangs. Das Vorgehen mit den Füßen voran verhindert einen Absturz, da durch das Tasten mit dem Fuß ein Hindernis oder Loch im Boden schneller erkannt werden kann.

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Gary Simpson auf dem Weg in den Container

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es durch eine Türe in den zweiten Container, wo uns Gary Simpson erwartete und uns eine Wärmebildkamera (WBK) gab. Anschließend erfolgte der Durchgang in den dritten Container, wo der Gruppe temperaturmäßig gehörig eingeheizt wurde. Gary Simpson stellte sich direkt vor das Feuer, um uns den Temperaturunterschied an der WBK zu zeigen. Mit dem Gesicht zum Feuer musste die Gruppe den gleichen Weg zurück nehmen und abermals den Hindernisparcours bewältigen, um dann erneut in den Container mit dem Feuer zu gehen. Der Ausbilder demonstrierte dort mit einem Hohlstrahlrohr (HSR) die Möglichkeit die Temperatur zu regulieren. Der Einsatz des Sprühstrahls im falschen Winkel führt zu ungünstiger Verteilung des Wasserdampfes im Brandraum, wovon sich die Teilnehmer überzeugen konnten und froh waren den Container verlassen zu können.

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Das zuvor im Regen erlernte wird nun im Container umgesetzt.

Der Durchgang zeigte, dass das Wärmeempfinden vom Schnitt der Jacke abhängig ist. Die Schwachstelle ist und bleibt der Ohrbereich, wo trotz Flammschutzhaube oder Hollandtuch der Wärmedurchschlag am schnellsten erfolgt. Es empfiehlt sich nicht den Ohren- oder Halsbereich als Wärmefenster zu verwenden, den der Wärmedurchschlag erfolgte beim mir schlagartig. Die anderen Teilnehmer trugen ebenfalls leichte Verbrennungen im Ohrbereich davon. Um die Wärme zu testen, eignet sich deshalb ein kurzer Sprühstrahlstoß an die Decke am Besten.

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Gary Simpson, ein echter amerikanischer Fire Fighter

Ich war in den letzten drei Jahren in drei Brandcontainern, dabei ist das Empfinden in jedem Container anders gewesen. Besonders deutlich ist der Unterschied zwischen einer gas- und feststoffbefeuerten Anlage. Im Container von FeureX kam es zu einer deutlich stärkeren Wärmeempfindung. Letztere wurde bedingt durch die durch den Hindernisparcours entstandene Transpiration und den Hitzestau unter der PSA. Auch spielt es eine Rolle ob man mit trockener oder nasser PSA in den Container geht, denn die Wasserverdampfung geht zu Teilen auch durch die Schutzausrüstung durch.

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Bereitgestellte Atemschutzflaschen

Wie auch schon in meinem ersten Post angedeutet, ist eine Atemschutzmaske mit breitem Sichtfeld, wie die im Container verwendete von tycoScott, nur zu empfehlen, denn so ist es möglich Bewegungen aus dem Augenwinkel mitzubekommen. Die um ein Drittel leichteren Composite-Atemschutzflaschen von tycoScott sparen im Container, wie auch im IA, beim Tragen deutlich Kräfte, was dem Trupp im IA zum Vorteil gereicht. Einzigstes Manko waren die etwas komplizierten Lungenautomaten, mit denen sich die Teilnehmer nicht so recht anzufreunden wussten.

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Wartende Teilnehmer

Ein realistisches Training in einem Brandcontainer sollte also immer mit einem Hindernisparcours verbunden sein, denn auch im Einsatz muss der Trupp u.U. lange nach dem Brandherd suchen oder Hindernisse überwinden. Alles in allem ist ein Training bei FeureX nur zu empfehlen.

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Ausbildung am HSR

Weitere Bilder der Heißausbildung gibt es hier.

Geschrieben von Stefan C. um 04.04.06 19:15

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