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02.09.05
Internet und Katastrophen
Das Internet spielt bei der (nicht-)Bewältigung von Katrina eine grosse Rolle. Dabei kommen ganz unterschiedliche Mechanismen zum tragen. Ein Riesenvorteil ist dabei, dass nun auch dem gewöhnlichen "Internet-Menschen" ziemlich potente Werzeuge zur Verfügung stehen.
Hier also ein Überblick über unterschiedliche Initiativen.
Die Mainstream- (also grossen) online-Medien sind natürliche Anlaufstellen um wichtige Informationen zu bündeln. Dabei gibt's etablierte klassische Medien (hier sticht die BBC besonders hervor) sowie die anderen, unter Anderem auch grosse Blogs (BoingBoing).
Eine weitere Anlaufstelle sind die Wikis. Diese sind kollaborative erstellte Nachrichtenseiten. Darunter auch der Klassiker: Wikipedia und Katrinahelp Wiki.
CGM ("Citizen Generated Media", also durch Privatpersonen generierte Nachrichten) spielt auch eine Rolle. Eine Internet-Firma sitzt im elften Stock eines Hochhauses und berichtet live, auch mit Bildern. Näher und "echter" an die Katastrophe kommt man nicht ran.
Behörden sollten sich die nachfolgenden Möglichkeiten genauer ansehen. Allen voran die Katrina Information Map (scipionus), wo Leser Informationen - wenn man so will, elektronische Post-Its - in die Karte hinterlassen können.
Dieser Mechanismus hat es in sich: Denn nun ist es für jedermann möglich, Daten in einem geografischen Kontext zu hinterlassen.
Hier liessen sich auch weitere Informationen mit einbinden. Unter Anderem auch Listen oder Datenbanken von Vermissten.
Es gibt auch weitere nennenswerte Initiativen (gefunden bei Wired). Craigslist (gigantische Community) vermittelt zwischen Helfern und Geholfenen. Fark und MoveOn ebenfalls mit massiv vielen Lesern gesegnet, machen das Gleiche.
Auch trudeln bei Bilderdiensten wie Flickr entsprechende Aufnahmen ein. Empfohlen seien hier mit katrina, hurricane, neworleans, flood versehene Bilder.
Darüberhinaus berichten auch Unmengen von Blogs über die Katastrophe. Allerdings nicht nur über die Geschehnisse selbst, sondern auch um die Rahmenbedingungen. Unter Anderem die schlecht organisierte und völlig ungenügende Hilfe. Nennenswert auch der Ausfall der Bürgermeisters von New Orleans, Ray Nagin, der Bush in aller Öffentlichkeit mit nicht besonders netten Worten segnete. Bei CNN wurde seine Aussage stark zensiert, im Internet gibt's das Original (mp3).
Fazit
Bei all den oben gezeigten Möglichkeiten wundert es mich sehr, dass es von offizieller Seite keine koordinierte Verwendung des Internets gibt. Gerade die Möglichkeiten von GIS (geografische Informationssysteme) wie die Katrina Information Map, wo User auch selbst Informationen eingeben und bearbeiten können, werden nicht genutzt. Ausser Kurzinfos liessen sich auch Bilder, Verbindungen zu Vermisstendatenbanken und auch Kontaktmöglichkeiten einbauen.
Das Problem bei all den Privatinitiativen ist, dass sie stark fragmentiert sind. In anderen Worten, es gibt keine zentrale Anlaufstelle. Andererseits sind es ja gerade pragmatische Privatinitiativen, die solche Mechanismen überhaupt ermöglichen. Leider wird mir bei dem Gedanken schlecht, so etwas bei uns strukturiert auf Bundesebene einzuführen. Ich weiss nicht, ob man dem Staat erklären kann, dass sowas auch von selbst entstehen kann, er muss nur lenkend zur Seite stehen.
Wie wär's denn mit einem zentralen Informationsportal zu Geschehnissen, auf Wiki-Basis? Ein GIS-System mit einer Vermisstendatenbank? Bereitstehende Mesh-Netzwerke um Informationen in Katastrophengebieten auch vermitteln zu können? Leute mit Kameras vor Ort könnten jederzeit Bilder ermitteln, somit liessen sich wesentlich leichter Entscheidungen treffen, Prioritäten setzen? Fast zum Nulltarif?
Dazu besteht die Gefahr, wie jetzt in den USA, dass der Informationsfluss ausser Kontrolle gerät. Klar ist, dass sich der CGM-Trend nicht aufhalten lässt. Behörden sollten die Mechanismen gut kennen und für sich nutzen können.
Zum Nachdenken.
Geschrieben von Irakli um 02.09.05 18:19
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