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    50 Jahre Zivilschutzsirene

    „Achtung! Achtung! Hier spricht das Luftschutz-Warnamt!“ Hätte es wohl im Ernstfall geheißen, wenn die Warnämter der Bundesrepublik in der Zeit des Ost-West-Antagonismus hätten aktiv werden müssen. Der Aufbau eines flächendeckenden Warnsystems begann 1957 und sollte die Bevölkerung im Fall eines Luft- oder ABC-Angriffs warnen.

    ZS-Sirene
    Motorsirene des ehemaligen Zivilschutzes. Foto: Wikimedia Commons

    12 Jahre nach dem Ende des nationalsozialistischen Schreckensherrschaft über Europa stand die Welt in den 1950er Jahren erneut vor dem Gang zu den Waffen. Der Korea-Krieg, die massive Aufrüstung der verfeindeten politischen Blöcke und die atomare Pattsituation stehen dabei für den unüberbrückbaren Gegensatz und Machtanspruch der Systeme – der Sowjetunion auf der einen und der von Amerika geführten Welt auf der anderen Seite. In dieser Situation wird der Zivilschutz – parallel zu Bundeswehr – gegründet. Die Grundlage für ein flächendeckendes Luftschutzwarnsystem wurde am 9. Oktober 1957 durch das Gesetz zum Schutz der Zivilbevölkerung geschaffen.

    Für die Warnung der Bevölkerung zuständig waren die zehn Warnämter (Hohenwestedt, Bassum, Rodenberg, Meinerzhagen, Welz, Butzbach-Bodenrod, Bad Kreuznach, Rottenburg/Neckar, Ansbach-Claffheim, Pähl), die jeweils einem Warnbezirk zugeordnet waren. Besetzt waren die Ämter rund um die Uhr. Untergebracht waren die Warnämter in Bunkern, mit allem was dazu gehörte: Notstrom, Nahrungs- und Wasservorräten, sowie Luftaufbereitung. Damit wäre im Alarmfall ein reibungsloses Funktionieren für etwa 30 Tage gewährleistest gewesen. Das Warnnetz baute in der Hauptsache auf den vorhandenen Telefon- und Fernschreiberleitungen auf. Die Warnämter erhielten über Standleitungen alle Luftlage-Meldungen der NATO-Überwachung. Eigene ABC-Mess- und Auswertestellen und der Deutsche Wetterdienste lieferten ebenfalls zivilschutzrelevante Daten.

    Das Warnsystem basierte auf zwei Säulen: Der Sirenenalarmierung (Weckeffekt) und der Warnung über den Rundfunk (Information). Nach dem Ertönen aller oder einer Reihe der über 80.000 Sirenen (die Angaben der aufgebauten Sirenen variiert, so ist in der einschlägigen Literatur teilweise auch von 100.000 Sirenen die Rede) hätte die Bevölkerung entweder zum nächsten Rundfunkempfangsgerät eilen müssen, um dort Verhaltenshinweise zu erhalten, oder den nächstliegenden Schutzraum aufsuchen müssen.

    Sirenensignale. Quelle: Luftschutzsirene.de
    Merkblatt Sirenensignale. Quelle: www.luftschutzsirene.de

    Festgelegt waren drei verschiedene Alarmarten, die in allen öffentlichen Gebäuden und auch in den Schulen per Aushang bekannt gegeben wurden: Luftalarm, ABC-Alarm und Entwarnung. Im Verteidungsfall war der Luftalarm ein einminütiger Heulton, der ABC-Alarm ein einminütiger, aber zweimal unterbrochener Heulton und Entwarnung ein einminütiger Dauerton. Im Frieden bedeutete der Heulton „Rundfunkgeräte einschalten“. Katastrophenalarm war bis 1976 ein einminütiger, zweimal unterbrochener Heulton gefolgt von einer Minute Dauerton. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs ertönten am 27. Februar 1963 probeweise die Sirenen. Danach ertönten sie zweimal jährlich zur Probe.

    Im Gegensatz zu dem in §1 der Verordnung über öffentliche Schallzeichen festgelegten Feueralarm, konnten die anderen Schallzeichen nur durch die Warnämter gegeben werden. Diese besaßen auch eine Vorangschaltung gegenüber dem Feueralarm. Warnung war damals sozusagen Bundesangelegenheit.

    Gebaut und errichtet wurde hauptsächlich die Luftschutzsirene E57 nach DIN 41 096-098. Ihre Konstruktion ist weitgehend identisch mit der im Zweiten Weltkrieg in Deutschland entwickelten L141. E57 steht dabei für „Einheitssirene 1957“. Sie zeichnet sich durch hohe Robustheit und geringen Wartungsuafwand aus. Sie leistete 5 Kilowatt und erzeugte eine Tonfrequenz von 420 Herz. Erst in den 1980er Jahren kam eine Alternative auf, nämlich die elektronische Sirene. Deshalb wurde die Produktion der E57 zu Beginn der 1990er Jahre eingestellt. Die Wartung, der Bau und der Unterhalt von Sirenen und Leitungen war der Deutschen Bundespost übertragen, die auch für die Anmietung von Aufstellflächen für die Warnanlagen zuständig war.

    Blick unter den pilzförmigen Hut: Die Sirene. Quelle: Wikimedia Commons
    Motorsirene des ehemaligen Zivilschutzes. Foto: Wikimedia Commons

    Bei der in Deutschland eingesetzten E57 wurde eine schaufelradähnliche Trommel durch einen Elektromotor gedreht. Diese Trommel war umgeben von einem unterbrochenen Gehäuse (Stator). Durch das Drehen der Trommel wurde der entstehende Luftstrom laufend abgeschnitten und erzeugte einen Ton. Die Tonhöhe hing von der Drehzahl und der Zahl der Schaufeln ab. Der pilzförmige Hut über der Sirene diente als Wetterschutz. Durch den „Pilzhut“ und die Verlegung der Ansaugöffnungen nach unten konnte eine wesentlich höhere Lautstärke erreicht werden, da auch von der Ansaugöffnung Ton abgegeben wurde und das Schutzdach den Ton seitwärts und abwärts richtete.

    Erfunden hat die Sirene 1819 der Franzose Charles Cagniard de la Tour (1777-1859). Sie war die erste künstliche und nicht-musikalische Schallquelle. 1840 wurde sie durch den deutschen Physiker Heinrich Wilhelm Dove technisch weiterentwickelt.

    Mit dem Wegfall der konkreten Bedrohungslage durch den Ost-West-Gegensatz, wurden die Warnämter aufgelöst. Daraufhin demontierte der Bund das Warnsirenennetz. Man hielt Einrichtungen für die Warnung der Bevölkerung für verzichtbar. Etwa 40.000 Sirenen gab der Bund kostenlos an die Städte und Gemeinden ab. Formal sind die Länder nun für die Warnung der Bevölkerung zuständig.

    Wenige Jahre nach dem Beschluss das Warnsystem zu demontierten, war die scheinbare politische Entspannung passé. Die Möglichkeit terroristischer Angriffe mit RNBC-Stoffen und die weitreichenden Auswirkungen eines derartigen Ereignisses sowie der durch die Klimaveränderung hervorgerufenen Unwetterereignisse zeigten die Notwendigkeit eines funktionierenden Warnsystems. Das alte System wurde aus Kostengründen vorschnell und ohne wirkliche Alternative – es blieb nur noch das Rundfunkempfangsgerät – aufgegeben. Die Errichtung eines neuen Warnsystems wird wohl ähnlich schleppend vor sich gehen, wie ab den 1950er Jahren. Über Alternativen, wie im Feuerwehr Weblog bereits berichtet, diskutieren die Experten bzw. ein satellitengestütztes Systems bildet die Grundalge des neuen Warnsystems.

    Quellen (und weiterführende Literatur):

    • Benke, Daniel: Informationen von Daniel Benke von der Sirenen-Wiki (http://www.xplored.de/wiki/index.php/Hauptseite)
    • Döbbeling, Ernst-Peter: Die großflächige Warnung der Bevölkerung. In: TaKaFEU 2006, S. 143ff.
    • Görrisch, Dieter: Der ehemalige Warn- und Alarmdienst der Bundesrepublik Deutschland. In Funk-Geschichte 24 (2001) Nr. 139
    • Held, Volkmar: Technologische Möglichkeiten einer möglichst frühzeitigen Warnung der Bevölkerung. Bonn 2001, S. 59.
    • Klinger, Michael: Warnung und Information der Bevölkerung: Übersicht und Konzept. Bachelor Thesis im Studiengang Rescue Engineering an der Fachhochschule Köln. Köln 2006
    • Sirene (Gerät). In: Wikipedia, in der Version vom 08. Oktober 2007.
    • Warnamt. In Wikipedia, in der Version vom 08. Oktober 2007
    • Luftschutz in Deutschland. In: Der Spiegel Nr. 21 vom 23. Mai 1962
    • www.luftschutzsirene.de

    Links im Feuerwehr Weblog

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    3 Antworten zu “„Achtung! Achtung! Hier spricht das Luftschutz-Warnamt“”

    Hallo Stefan, danke für den tollen Artikel!

    Auch die Seiten lostplaces.de usw. bietet wahrlich interessante Informationen.

    ehemaliges Warnamt VI in Butzbach-Bodenrod: http://www.donnerskopf.de/
    Bei mir gleich um die Ecke. Bin sogar schon einen Einsatz dahin gefahren.
    Christian

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