Besser hätte das Wetter an diesem Wochenende nicht sein können. Nachdem am vergangenen Wochenende wohl der “Tag der offenen Türen” bei einigen Feuerwehren war, berichte ich über die offenen Fahrzeugtüren bei der Berufsfeuerwehr Freiburg.

Wer auf viel spektakuläre Action und interessante Fahrzeuge spekuliert hatte, der wurde beim Tag der offenen Tür der Berufsfeuerwehr Freiburg enttäuscht. Neben den zwei Konzerten des Musikzuges der Feuerwehr Freiburg, gab es lediglich zwei Vorführungen: Eine Fettexplosion und das Einfangen einer Gasflamme. Schön anzusehen waren die Vorführungen, das stellt niemand in Abrede, nur fehlte es an weiteren Vorführungen, die das Aufgabenspektrum der Feuerwehr oder Gefahren des Alltags demonstrierten.
Ich erinnere mich an Veranstaltungen, da wurde eine Gefahrguteinsatz simuliert, ein Löschzug aus den 1950er Jahren mit einem modernen Löschzug verglichen oder auch technische Hilfeleistung demonstriert. Allerdings weiß ich auch aus eigener Anschauung, dass Zuschauer das Interesse an Vorführungen verlieren, wenn diese zu lange dauern. Deshalb war die Konzentration auf die zwei Darbietungen folgerichtig, nur insgesamt gesehen aus meiner Sicht zu wenig.

Der Klassiker bei einem Tag der offenen Tür: Demonstration einer Fettexplosion.

“Einfangen einer Gasflamme” mit Hilfe eines HSR. Leider verdeckt der Kollege aus der Abteilung Einsatzplanung das Bild ein wenig.
Auch was die Informationsstände betraf, hatte ich den Eindruck, dass hier nach der Devise „Geiz ist geil“ verfahren wurde. Aufklärung über Rauchmelder und Co. gab es nur am Rande, Werbung für die Freiwillige Feuerwehr gab es gar nicht. Stattdessen lag der Schwerpunkt auf der Jugendfeuerwehr, was auch richtig war. Ein Tag der offenen Tür sollte in meinen Augen nicht nur der Nachwuchsgewinnung dienen, sondern eben die finanziellen Aufwendungen für die Feuerwehr gegenüber der Bevölkerung legitimieren. Die chronisch unterfinanzierte und massivem Sparwut der Stadt ausgesetzte Feuerwehr benötigt auch in der Bevölkerung eine Lobby, die sich um die Sicherheit sorgt. Offenbar zeigt der Personalabbau Auswirkungen auf die Vorbereitung und Durchführung einer solchen Veranstaltung.

Aufbau eines VU mit Geräteablage. Der neueste Schrei bei der Geräteablage ist ein beschriftetes Ablagetuch. Das hat zwei Vorteile: Erstens vergißt man nicht ein Gerät aus dem fahrzeug zu holen, und zweitens bleibt es immer übersichtlich.
Neben dem Aufbau einer Unfallstelle mit Geräteablage, zeigte auch die Höhensicherungsgruppe der Berufsfeuerwehr Freiburg ihre Geräte. In die Atemschutz-, Schlauch- und Feuerlöscherwerkstatt konnten die Besucher ebenfalls einen Blick werfen. Anziehungspunkt war auch der ELW 3 (Bj. 1978), konnten die Kinder (und auch die Erwachsenen) dort dem Funkverkehr eines echten Einsatzes folgen, der sich während der Veranstaltung ereignete.
Freiburg ist nicht gerade für außergewöhnliche Fahrzeuge bekannt, gekauft wird hier von der Stange. Einzig die neue Drehleiter, die erste ausgelieferte Iveco Magirus DLA (K) 23-12 n.B. GL-T CS HZL versprach interessantes. Aber das Gerät wurde nicht ausgestellt, und auch nicht vorgeführt. Sicherlich lässt sich hier mit taktischen Notwendigkeiten argumentieren, im Stadtgebiet gibt es aber noch zwei weitere Drehleitern, die stattdessen hätten vorgehalten werden können. Beziehungen sei Dank, konnte ich zumindest eine „Privatvorführung“ der neuen DLA fotografieren.

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Das neueste Fahrzeug im Stall der BF Freiburg ist eine Iveco Magirus DLA (K) 23-12 n.B. GL-T CS HZL. Das bedeutet: Automatische Drehleiter mit Korb niederer Bauart, Gelenkdrehleiter mit Teleskop, Computer stabilizied, Hinterzusatzlenkung.
Die BF Freiburg bekam als erste Feuerwehr weltweit diese Baurart geliefert.
Fahrgestell: Iveco 150 E 28
Baujahr 2006
Leistung: 202 kW
zul. Gesgew. 15.400 Tonnen
Abmessungen: 10.000 x 2.450 x 3.050 mm
Radstand: 4.185 mmm
Rettungshöhe: 30,75 Meter
Arbeitshöhe: 32 Meter
Funkruf: Florian Freiburg 1/33-1
Etwas lieblos wurde auch der Rest der Fahrzeuge der Feuerwache ausgestellt. Auch hier stand wohl das taktische Kalkül im Vordergrund, die Fahrzeuge im Ernstfall schnell verfügbar zu haben. Warum man die zwei in Freiburg erhaltenen „Oldtimer“ (eine DL 22 von Metz, Bj. 1951 und ein TLF 15 „Typ Niedersachsen“, Bj. 1954) nicht ausgestellt hat, erschließt sich mir nicht.
Für die Kleinen war allerdings einiges geboten. So fuhren die beiden Feuerwehrfahrzeuge der Jugendfeuerwehr im Minutentakt einen Rundkurs durch den Stühlinger und Haslach. Auch konnten sich die Kinder vor dem historischen Freiburger Feuerwehrfahrzeug (“Fahrzeug II”) von 1913 mit Feuerwehrausrüstung fotografieren lassen.

Hier ist eines der ersten motorisierten Fahrzeuge der Feuerwehr Freiburg zu sehen. Es handelt sich um eine „Benzinelektrische Autospritze“. Das „Fahrzeug II“ wurde 1913 gebaut. Der benzingetriebene Motor hat 4 Zylinder und erzeugte 72 PS. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 50 km/h. Archivbild (2005).
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Die aktuelle (H)LF-Generation der BF Freiburg, v.l.n.r.:
Florian Freiburg 1/44-1, HLF 20/16, Bj. 2006, Fahrgestell: Mercdes-Benz Atego 1325, Aufbau Ziegler (zwei identische Fahrzeuge);
Florian Freiburg 1/44-3, LF 16/12, Bj. 2003, Fahrgestell: MAN, Aufbau: Magirus (zwei identische Fahrzeuge);
Florian Freiburg 1/44-7, LF 16/12, Bj. 2002, Fahrgestell: Mercedes-Benz Atego 1325, Aufbau: Magirus.
Nach Angaben der Lokalpresse besuchten 3000 Menschen den Tag der offenen Tür, was ich nicht gerade viel finde. In den knapp drei Stunden die ich dort war, war deutlich weniger los. Vielleicht lag es am schönen Wetter und am Heimspiel des SC Freiburg.
Kleine Anekdote nebenbei: Die Vorführung „Einfangen einer Gasflamme“ wurde unter anderem von drei neuen Berufsfeuerwehrleuten aus Baden-Baden – meiner derzeitigen Feuerwehr – mitgestaltet. Die drei nehmen derzeit zusammen mit den Kollegen aus Freiburg am dortigen Grundausbildungslehrgang der Berufsfeuerwehr teil.

Fazit: Der Tag der offenen Tür der Berufsfeuerwehr – in manchen Jahren auch Feuerwehr Freiburg (!) – war nie ein besonders spektakuläres Ereignis. Aber dieses Jahr war aus meiner Sicht einen kleine Katastrophe. Es wirkte alles etwas lieblos. Ich frage mich auch, was man mit der Veranstaltung erreichen wollte. Ein klares Konzept, entweder Legitimierung, Nachwuchsgewinnung oder Aufklärung konnte ich nicht erkennen.
Hintergrund Feuerwehr Freiburg
Freiburg hat knapp 220.000 Einwohner. Die Berufsfeuerwehr Freiburg verfügt derzeit über etwa über 110 Beamte. Bis 2010 soll dies auf 100 Beamte, davon 90 im Einsatzdienst, heruntergefahren werden. Der Etat liegt bei rund 11 Millionen Euro. Die Einsatzzahlen pendeln bei etwa 3000 Alarmierungen pro Jahr. Trotz der Ausdehnung der Stadt Freiburg (153 Quadratkilometer, Höhenunterschiede von über 1000 Meter), gibt es nur eine Feuerwache, die glücklicherweise verkehrsgünstig und zentral in der Eschholzstraße gelegen ist. Man vergleiche das mit kleineren oder gleichgroßen Städten wie Mainz, Krefeld oder Lübeck, die über zwei oder sogar drei Feuerwachen verfügen. Daneben gibt es in Freiburg 16 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr und den ABC-Zug. Seit dem 1. September hat das Amt für Brand- und Katastrophenschutz einen neuen Amtsleiter. OBR Ralf-Jörg Hohloch, vormals Leiter der Feuerwehr Ratingen, löste BD Gernot Schneider ab, der nach 20 Jahren in den Ruhestand ging.
Links:
- Bericht im Feuerwehr Weblog über den Tag der offenen Tür der BF Freiburg 2005
- Website der Berufsfeuerwehr Freiburg
- Bilderstrecke im Fotostream des Feuerwehr Weblog bei Flickr
Technorati Tags: Feuerwehr, Berufsfeuerwehr, Freiburg, Tag der offenen Tür



















Hallo,
stimmt, viel spektakuläres wurde nicht dargeboten. Aber ich fand es dennoch Interessant, mir mal die BF in Freiburg anzusehen, nach dem ich ja jetzt schon 4 Jahre in der Region hier unten lebe :-)
Das Interessanteste an allem war (wie ich wo anders schon schrieb) das Löschen der Gasflamme.
Die Fahrzeuge wurden m.E. auch nicht wirklich gut Präsentiert, da hätte man noch zu legen können.
Schade eigentlich, wenn man die Zeit nicht nutzt um sich so zu Präsentieren, dass die Leute wissen um was es wirklich geht.
Wenn Du mal einen Interessant gestallteten TdoT besuchen willst, kann ich den der FW Speyer empfehlen, der ist zwar für dieses Jahr schon vorbei, aber an “Aktion” kaum zu überbieten. Und schon immer supergut besucht!
Findet immer am ersten Sonntag im September statt.
Grüße
Michael
Geschrieben von Michael Hilbert am 26. September 2007 um 06:15