Am Vormittag lauschten wir einigen Vorträgen zu, dann wurde eine Mercedes-R-Klasse zerlegt. Dies die Kurzfassung des Samstag Vormittag.
Das interessante an dieser Veranstaltung war die “doppelte Sichtweise” auf einen VU / THL-Einsatz, also einerseits die Feuerwehr, andererseits nenne ich das mal die ärztliche Seite. Dieses Thema hat sich über die zwei Tage gezogen, und so bekam man zumindest einen besseren Einblick in die Arbeitsweise der Kollegen.
Gerade weil wir normalerweise nur für uns üben, konnten viele Informationen gewonnen werden. Leider jedoch hatte sich die Veranstaltung “drüben” nicht so herumgesprochen. Feuerwehr wohin das Auge reichte, Rettung war nur zum üben oder vortragen da. Schade eigentlich. So vermute ich, dass die nächste Challenge wieder eher auf Feuerwehr zielen wird.

Die vier Vorträge am Vormittag waren insgesamt ein wenig zu lang, aber man konnte einige interessante Informationen mitnehmen.
Jan Südmersen sprach von der “Golden Hour”, also die Stunde nach dem Unfall, nach der ein Patient im Krankenhaus liegen müsste. Sie setzt sich zusammen aus jeweils 20 Minuten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte, der Rettung sowie dem Transport ins Krankenhaus.
Außerdem muss ein Einsatzleiter sich fragen, ob die Rettung schonend, schnell oder sofort durchgeführt werden muss (“S-Frage”), auf jeden Fall aber “sicher”. Die Arbeit kann man beschleunigen, indem man früh eine ordentliche Geräteablage macht, und auch parallel arbeitet. Glassägen sollte man wegen des Glasstaubs nach Möglichkeit vermeiden. Zu guter letzt: man kann nicht immer gewinnen. Obwohl man sein Bestes gibt, sind manche Verletzungen einfach zu stark. Darauf haben wir keinen Einfluss.
Notarzt Klaus Friedrichs sorgte mit der Aussage für Diskussionstoff, der Notarzt wäre auch Einsatzleiter, ohne wenn und aber. Schließlich ginge es um Menschenleben. Der Feuerwehrler ist allerdings geneigt zu sagen, es sei Gefahrenabwehr und somit Feuerwehrsache. Er wies auch auf die manchmal durchwachsene Qualität der Arbeit der NA, einfach aus Praxismangel, schließlich seien höchstens 2% der Einsätze Polytraumata.
Gelächter kam auf bei der Aussage, welche Fallhöhe die gefährlichste sei: “die letzten drei Zentimeter”. Wo er Recht hat, hat er Recht.
Als Hinweis noch das Spurenlesen: an Verformungen, Haaren oder Blutspuren im Innenraum lassen sich Hinweise auf möglicherweise nicht sichtbare Verletzungen schließen.
Axel Topp von der BF Nürnberg ging dann auf Neuerungen im Fahrzeugbau ein. Leider wird bei THL immer an alten Schrottfahrzeugen geübt, die recht wenig mit der Konsistenz neuer Fahrzeuge gemeinsam haben. Diese haben durchwegs stärkere Materialien, eingebaute Verstärkungen (bsp. Längsstreben in den Kotflügeln oder in der B-Säule), Dächer sind viel schwerer, natürlich die Airbag- und Gurtstraffer-Problematik, und auch den Einbauort der Batterie(n).
Schließlich präsentierte Jörg Heck (Moditech) das Crash Recovery System, eine Datenbank im rugged-UMPC, wo man schnell diese relevanten Informationen am Einsatzort abrufen kann.
Beim Mittagessen das Thema “paralleles Arbeiten“: der MHD hatte leider vergessen, das Besteck bereit zu stellen, so verzögerte sich die Pause etwas.
Als erstes stand dann das moderierte Schneiden einer nietnagelneuen Mercedes-R-Klasse an. Der “aha”-Effekt bezog sich primär auf den plötzlichen Wertverlust :) Doch waren einige interessante Beobachtungen möglich: beispielsweise biss sich die Schere an der B-Säule buchstäblich die Zähne aus. Erstens war diese ziemlich breit, so dass die Schere gar nicht weit genug öffnen konnte, und zweitens sorgte die Verstärkung in der Säule für einen verbissenen Kampf. Irgendwann klappte es doch, aber es dauerte wirklich sehr lange. Zählt man noch die Zeit dazu, die es braucht um die Innenverkleidung zu entfernen und alle Airbag- und Gurtstrafferkomponenten zu finden, wird es schnell kritisch.


(Vorher, nachher)
Überhaupt konnte man hier gut sehen, warum paralleles Arbeiten dringend geraten ist: soll das Dach ab, dauert es ellenlange bis man sich durchgearbeitet hat. Thema Dach: sechs Mann sollten es schon sein, um das Ding wegzutragen.
Durch die Bauform der R-Klasse ermüdete die Mannschaft auch recht schnell: die Schnittpunkte waren alle in Schulterhöhe. Interessant auch die Einrichtung im Fahrersitz, die die Nackenstütze bei Heckaufprall nach vorne schnellen lässt: einfach so einen Sitz aus dem Auto bauen wird auch richtig interessant.
Hier ein grober Mitschnitt:
Link: de.sevenload.com
Und eine Bilderstrecke bei Flickr. Bilder wie immer in voller Auflösung und mit entsprechender Lizenz versehen, ihr könnt sie also gerne beispielsweise für Ausbildungszwecke nutzen.



















Mein nachbar ist ein stolzer besitzer eines Mercedes CLS. dieser besitzt schnittmarken für die feuerwehr, wo man ungefährdet schneiden kann. war das bei der R-Klasse auch so?
Geschrieben von Stefan am 19. September 2007 um 14:19