Blauer Himmel und hohe Temperaturen locken ins kühle Nass. An Baggerseen, in Schwimmbädern und Fließgewässern herrscht deshalb Hochbetrieb. Unbeschwertes Badevergnügen gibt es dabei leider nicht. Immer wieder kommt es zu schweren Badeunfällen mit tödlichem Ausgang. Schnell wird ein Kind oder ein Erwachsener im Wasser vermisst. Ooft wird das Fehlen eines Menschen erst nach vielen verstrichenen Minuten bemerkt. 2006 ertranken in Deutschland 606 Menschen, 129 mehr als 2005. Davon ereignen sich fast 80 Prozent an den Binnengewässern. So starben allein in Baden-Württemberg mit 51 Menschen fast doppelt so viele wie an den deutschen Küsten von Nord- und Ostsee.

Archivbild: Schiff auf dem Bodensee vor Konstanz
In diesem Jahr sind bereits viele Menschen durch Ertrinken gestorben. In Baden-Württemberg sorgte zum Beispiel der Tod eines 16-jährigen an einem Baggersee für Medieninteresse. Bleibt das Wetter heiß, wird es weitere Todesfälle geben. Ein Blick in die täglichen Nachrichtenmeldungen scheint dies zu bestätigen. Wer bleibt auch schon gerne bei dieser Hitze vor dem PC oder TV-Gerät sitzen?

Archivbild: Abendsonne spiegelt sich im Wasser des Bondesees
Ursachen für Badeunfälle
Gründe für die Zunahme von Badeunfällen gibt es verschiedene. Das Die DLRG weißt in einer Pressemitteilung darauf hin, dass immer weniger Menschen schwimmen können. Dies sei eine Folge der weiter abnehmenden kommunalen Bäderstruktur bzw. der Umwandlung in Spaßbäder, und dem damit verbundenen Ausfall von Schwimmunterricht.
Aber auch Risikobereitschaft und Leichtsinn ist bei Jugendlichen ungebrochen hoch: Schwimmen an gefährlichen und verbotenen Stellen oder hoher Alkoholpegel im Wasser. Als Mutproben gelten ebenfalls das Herunterspringen von Kiesbaggern in Baggerseen oder Anlegestellen. Nicht selten oft enden diese Mutproben tödlich.
Auch das Baden an „wilden Badestellen“ nimmt zu, da viele Bäder aus Kostengründen geschlossen werden oder den Badewilligen der Eintritt zu teuer ist. Folglich nimmt der Publikumsverkehrs an öffentlichen Gewässern zu. Ob diese für das Baden geeignet sind oder nicht, spielt oft keine Rolle. Das Die DLRG wies bereits 2006 daraufhin, dass viele Kommunen trotz Kenntnis dieses Umstandes noch nicht einmal Rettungsringe am Ufer aufstellen.

Archivbild: Segelschiffe auf Bodensee
Was vor dem Baden beachtet werden sollte
Auch wenn Schwimmen dem Körper gut tut, sollte man nicht gänzlich untrainiert ins kühle Nass springen. Selbstüberschätzung beim Hinausschwimmen ist hier eine der häufigsten Todesursachen. Nicht häufig selten ist dabei Alkohol im Spiel. Alkohol hat beim Badevergnügen nämlich nichts zu suchen.
Häufig wird auch die Temperatur des Wassers und die Wirkung auf den Körper unterschätzt. Zu kaltes Wasser führt unter Umständen zu einem Kälteschock. Im Schockzustand ertrinken dann viele Menschen. Deshalb sollte man vor dem Sprung ins kühle Nass den Körper langsam an die kühle Temperatur gewöhnen oder vorher kalt duschen.
Weitere Ursachen sind Gleichgültigkeit und Verantwortungslosigkeit gegenüber den eigenen Kindern und seinen Mitmenschen. Einerseits bringen viele Eltern ihren Kindern das Schwimmen nicht mehr bei, da sich diese denken „irgendjemand“ wird das schon tun, andererseits fühlt man sich auch nicht mehr verantwortlich am See auf seine Kinder oder auch Mitmenschen Acht zu geben.
Die DLRG hat ein paar Regeln für den Badebesuch aufgestellt:
- Nur an bewachten Badestellen schwimmen und die Warnhinweise beachten.
- Die eigene Leistungsfähigkeit kritisch einschätzen und Übermut vermeiden.
- Nie alleine schwimmen.
- Eltern sollten kleine Kinder am und im Wasser nie aus den Augen lassen und immer in Griffweite bleiben.
- Erkundigen Sie sich vor dem Bad in einem unbekannten Gewässer bei einheimischen Fachleuten über besondere Gefahren und die örtlichen Notrufmöglichkeiten.
- Besondere Vorsicht ist in offenen Gewässern, im Meer und in Flüssen geboten.
- Achtung an den europäischen Meeren: Nicht erkennbare Strömungen und Unterströmungen sowie starke ablandige Winde können auch gute Schwimmer in Lebensgefahr bringen.
- Nur an ausgewiesenen Sprungbereichen ins Wasser springen, wo die Wassertiefe ausreichend ist. Kopfsprünge im Ufer- und Flachwasserbereich können lebensgefährlich sein oder dauerhafte Schäden nach sich ziehen.
- Luftmatratzen, Schlauchboote und Gummitiere sind gefährliches Spielzeug und können leicht abgetrieben werden.
Update 20. Juni:
- Schreibfehler korrigiert
Quellen, u.a.:
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Das ‘Irgendjemand wird meinem Kind schon schwimmen beibringen’-Problem wird meines Erachtens immer größer werden. Schwimmen steht zwar in vielen Lehrplänen, gemacht wird es aber leider immer weniger (und 1 Sportlehrer auf 20-30 Kinder wird es auch nicht schaffen, Nichtschwimmern das Schwimmen beizubringen, weil er gleichzeitig noch Augen auf die Schwimmer haben muß und als Aufsichtsperson eigentlich auch nicht ins Wasser darf, und im Schwimmkurs ist es immens wichtig, dass die Ausbilder mit im Wasser sind und beim Erlernen der Bewegungen helfen. Nur vormachen ist im Vergleich zum Führen der Arme und Beine nicht halb so effektiv, und Fehler in Hand- und Fußhaltung lassen sich auch schwerer erkennen).
Und Eltern, die selbst nicht schwimmen können, können das auch ihren Kindern nicht beibringen, und was noch viel schwerer wiegt, sie treiben ihre Kinder auch nicht so an, schwimmen zu lernen, wie Eltern, die selbst schwimmen können (und es vor allen Dingen auch manchmal tun). Wir haben in unserer Ortsgruppe beispielsweise nur sehr selten Kinder aus Ländern, in denen Schwimmen nicht den Stellenwert hat wie in Deutschland, in unseren Kursen, und beim Wachdienst kann man dann später oft beobachten, dass diese Kinder dann zwar trotzdem ins Wasser gehen, sich aber im Vergleich zu anderen deutlich schlechter über Wasser halten können. Leider haben wir aber noch keinen Weg gefunden, das abzumildern. Helfen könnte, die Schulen zu unterstützen, nur fehlen uns dafür vor allen Dingen die Helfer und es sind auch keine in Sicht.
PS: Es heißt übrigens ‘Die DLRG’, weil das G für Gesellschaft steht ;-)
Geschrieben von Stephan M. am 19. Juni 2007 um 11:22