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    Löschen und retten in einer Schweizer Kleinstadt am Bodensee

    In der vergangenen Woche veröffentlichte das Feuerwehr Weblog den ersten Teil der Reportage über die Feuerwehr Kreuzlingen. Hier folgt nun der zweite und letzte Teil.

    Feuerwehr Kreuzlingen Teil 2 der Reportage

    Ein Besuch bei der Feuerwehr im eidgenössischen Kreuzlingen macht eines deutlich: Feuerwehr ist nicht Feuerwehr. Angefangen bei Organisation und Technik bis hin zur Taktik, zeigen sich im Vergleich zu Deutschland große Unterschiede. Während beim deutschen Nachbarn zum Beispiel eine Vielzahl von Feuerwehr-Dienstvorschriften den Ablauf in Übung und Einsatz regeln, ist die Entscheidungsfreiheit des Kreuzlinger Einsatzleiters deutlich größer. Dafür gibt es aber in der Schweiz auch kein Freiwilligensystem und die Finanzierung der Feuerwehr unterliegt Kriterien der Wirtschaftlichkeit.

    Feuerwehr als Miliz

    Mit den für die Schweiz typischen Milizen1 hat die Feuerwehr in Kreuzlingen nur wenig gemein. „Wir sind freiwillig“, so die Aussage von Kreuzlingens Feuerwehrkommandant Werner Ilg. Und das, obwohl im Schweizer Kanton Thurgau Feuerwehrpflicht für Männer und Frauen besteht, wie in vielen anderen Schweizer Kantonen auch. Dennoch sind viele Männer und Frauen in Kreuzlingen freiwillig zur Feuerwehr gekommen. „Wir machen keine Zwangsverpflichtungen. Nur die Freiwilligkeit sichert den hohen Qualitätsstandard“ , erklärt Kommandant Ilg.

    Durch Werbeaktionen und persönliche Gespräche versuchen die Feuerwehrmänner andere zu dieser Dienstleistung zu bewegen. Freiwillige Meldungen gibt es nicht. „Wir müssen werben“, so Ilg. Aufgenommen wird nur bis zum vorgeschriebenen Sollbestand.

    Alle Erwachsenen zwischen dem 20. und dem 52. Lebensjahr unterliegen an ihrem Wohnsitz im Thurgau der Feuerwehrpflicht. Die Feuerwehrpflichtigen müssen in dieser Zeit entweder Feuerwehrdienst leisten oder die Feuerwehrersatzabgabe entrichten. Mit dem Erreichen der Altersgrenze erlischt die Pflicht bzw. der aktive Dienst. Im Gesetz über den Feuerschutz heißt es, dass „die Gemeindebehörde bestimmt, wer Feuerwehrdienst zu leisten hat. Sie berücksichtigt die Bedürfnisse der Feuerwehr und die beruflichen sowie die persönlichen Verhältnisse und Fähigkeiten der Pflichtigen“ (§26,1). Aufgenommen wird also nicht jeder.

    Die zu leistende jährliche Abgabe bemisst sich nach Einkommen und Vermögen, überschreitet aber 500 Franken nicht. Abgeführt wird sie an die Gemeinde Kreuzlingen Sie muss den Ertrag für Aufwendungen der Feuerwehr und Feuerschutzaufgaben verwenden. In Kreuzlingen sind das jährlich fast eine Million Franken (ca. 630.000 Euro).

     

     

    Rettungsdienst in Kreuzlingen
    Auch der Rettungsdienst ist in der Schweiz Sache der Gemeinde. Er kann von öffentlich-rechtlichen oder privaten Betreibern ausgeführt werden. Viele Rettungsdienste sind in der Schweiz meist einem Krankenhaus (in der Schweiz: Spital) angeschlossen, so auch in Kreuzlingen. Dort betreibt die RescueMed AG seit 1995 den Rettungsdienst. Neben dem Standort Kreuzlingen ist die Firma auch im deutschen Konstanz vertreten. Sie verfügt über fünf Einsatzfahrzeuge (drei RTW, NEF, Intensivmobil), 10 hauptamtliche Rettungsassistenten und –sanitäter sowie 16 Notärzte. Sie stellt außerdem einen Disponenten für die kantonale Notrufzentrale in Frauenfeld.

     

     

     

    Pikett und AdF

    Wer sich als deutscher Feuerwehrmann in die Schweiz verirrt, wird mit Begriffen konfrontiert, die ihm fremd erscheinen. Im Thurgau wird die Modularisierung und Bedarfsorientierung besonders hervorgehoben. In der Praxis bedeutet das, das Einsatzmittel so konzipiert sind, dass ihr Einsatz allein oder im Verbund immer optimal bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit ist. Das zeigt sich nicht nur in der Ausstattung der Fahrzeuge, sondern auch in der Taktik und dem allgemein hohen Grad der Technisierung. Anders ausgedrückt, wird genau das eingesetzt, was benötigt wird. Teure Mehrfachalarmieungen und Redudanzen werden so vermieden. Weiterhin wird auch die Flexibilität erhöht, sich schnell auf sich verändernde Einsatzlagen einstellen zu können.

    Ein Löschzug besteht nicht, wie in Deutschland, zwingend aus 22 Funktionen, sondern ist durchaus durch ein Fahrzeug mit der erforderlichen Besatzung darstellbar. Zugstärke ist damit ein Fremdwort. So kann in Kreuzlingen ein einziges Fahrzeug den Löschzug darstellen. Dabei ist das zuerst ausrückende Fahrzeug, das Tanklöschfahrzeug (TLF), mit sechs Feuerwehrleuten das mit Personal am stärksten besetzte Fahrzeug.

    Der Einsatzablauf kennt in Kreuzlingen keine automatischen Phasen. Je nach Lage entscheidet der Einsatzleiter was zu tun ist und welche Einsatzmittel aufgeboten werden. Dazu sind ihm die praktischen Grundsätze für Einsatzleiter vom Schweizer Feuerwehrverband zur Hand gegeben. Daran halten muss er sich aber nicht.

    Ebenfalls modular aufgebaut, ist die Mannschaftsstärke. Wichtiger Begriff ist das Pikett, das sich mit „Abteilung“ übersetzen lässt. Ein Pikett hat eine Sollstärke von 28 AdF (Angehöriger der Feuerwehr). In Kreuzlingen gibt es vier Piketts. Jeden Monat stellt eine dieser Abteilungen die so genannte Erstaufgebotsgruppe. Das ist das Pikett, welches zuerst alarmiert wird. Es besteht aus zwei Offizieren (Zugführer und Stellvertreter), vier Chargierten (entspricht etwa Gruppenführer) und 22 weiteren AdF.

    Der Chargierte führt Trupps von zwei bis vier AdF. Er hat nur Kommandogewalt für die Ausführung seines Auftrages, z.B. das Ausführen einer Rettung im Auftrag des Einsatzleiters. Da es weder Gruppe noch Staffel als feste taktische Einheit gibt, variiert die dem Chargierten unterstellte Zahl an AdF. Lediglich der Trupp steht als taktische Einheit fest. Er besteht aus zwei AdF. Dem modularen Prinzip folgend, wird der Trupp bei Bedarf durch weitere Trupps ergänzt.

    Sanitätsfahrzeug der Kreuzlinger FeuerwehrVerkehrsdienstfahrzeug der Feuerwehr KreuzlingenAtemschutzfahrzeug der Feuerwehr Kreuzlingen
    Von links nach rechts: Dient der Ersten Hilfe und Eigenabsicherung am Unfallort: Das Sanitätsfahrzeug (Fahrzeug Nr. 17); Bei Einsätzen regelt die Feuerwehr im Thurgau den Verkehr selbst: Verkehrsdienstfahrzeug (Fahrzeug Nr. 16); Atemschutzfahrzeug (Fahrzeug Nr. 7) auf Basis eines MB-Sprinter. Fotos: Fw Kreuzlingen.

    Spezialeinheiten

    Innerhalb der Feuerwehr gibt es vier Spezialisierungen: Den Stab, die ausgebildeten Feuerwehrleute, den Verkehrsdienst und den Sanitätsdienst. Im Verkehrsdienst und Sanitätsdienst gibt es streng genommen keine Feuerwehrleute.

    Das Sanitätsfahrzeug wird von Feuerwehrpflichtigen mit medizinischem Beruf besetzt. Das sind Ärzte, Krankenschwestern oder Pfleger. Sie haben in der Regel keine Feuerwehrausbildung. Sie nehmen nicht die Aufgaben des regulären Rettungsdienstes wahr, sondern dienen der Eigenabsicherung der Rettungskräfte bzw. der „Verletztenversorgung im ersten Moment“. Ein Blick ins Innere des Sanitätsfahrzeuges zeigt das: Rettungsbretter, Berger- und Schaufelbarren, Vakuumkissen, Korsetts, Stützkragen, Sanitätsdienstmaterial und ein Rettungszelt. Die fehlende Transportmöglichkeit für Verletzte zeigt den Zweck des Fahrzeuges: Erstversorgung an der Einsatzstelle.

    Auch die Mitglieder des Verkehrsdienstes erhalten keine Brandschutzausbildung. Wie auch der Sanitätsdienst erkennt man sie an orangefarbenen Overalls. „Im Thuragu nimmt der Verkehrsdienst Absperrungen und Verkehrsleitungen bei Einsätzen vor, denn die Polizei ist dann für andere Aufgaben zuständig.“

    Auch bei den Feuerwehrleuten entscheidet die Eignung über die Zuteilung. So werden metallverabeitende Berufe im „Rüstzug“ gerne gesehen. Die Sozialstruktur der Wehr hat deshalb einen Schwerpunkt bei Handwerkern, die bevorzugt in die Wehr aufgenommen werden. Dennoch finden sich aber auch andere Berufe in der Wehr. Da die Feuerwehr sich die Leute zielgerichtet aussucht, führt dies insgesamt zu einem höheren Grad der Professionalisierung.

    MotorspritzeZivilschutzZS Motorspritze
    Von links nach rechts: Motorspritze vom Typ „Magirus EuroFire 2000“ auf einem Anhänger zusammen mit weiterem Material für die Wasserentnahme; Vom Zivilschutz übernahm die Kreuzlinger Feuerwehr u.a. diesen Schlauchanhänger; Motorspritze Saurer C2K-M des Zivilschutz. Leistung 3800 U / min. bei 9,5 bar GMF.

    Sechs Jahre Ausbildung

    Die normale Ausbildung eines AdF dauert rund sechs Jahre. Die Ausbildungsdauer erlaubt kein reines Freiwilligensystem. Wer verpflichtet ist, wird die Tätigkeit als AdF auch bis zum Pflichtdienstende ausüben. Daran hat nicht nur die Gemeinde ein Interesse, schließlich ist die Ausbildung teuer, sondern auch der Verpflichtete. Immerhin ist er damit von der Ersatzabgabe befreit.

    Die Kreuzlinger Feuerwehrleute werden in der Brandbekämpfung, der Hilfeleistung bei Elementarschäden (das sind Naturkatastrophen) und der technischen Hilfeleistung ausgebildet. Für Autounfälle besteht eine Spezialabteilung. „Diese AdF werden aus den Pikettzügen ausgewählt. Sie müssen alle metallverarbeitende Berufe haben und im Besitz eines Fahrausweises für schwere Fahrzeuge sein“, erklärt Ilg. Das hängt mit der Komplexität der Verkehrsrettung zusammen. „Da die Gruppe sehr klein ist, lässt sich die Ausbildung besser koordinieren und die AdF haben mehr Praxiserfahrung.“ Ein psychologisches Element spielt auch eine Rolle, denn „nicht jeder AdF ist gleich belastbar,“ erklärt Werner Ilg.

    Die Ausbildung ist zweigeteilt. Ein Teil findet auf Kantonsebene an verschiedenen Orten statt. Die praktische Ausbildung erfolgt in der eigenen Feuerwehr. Eine kantonale Feuerwehrschule gibt es nicht. Die Ausbildung im Kanton ist einheitlich und wird im Auftrag des Feuerschutzamtes vom Feuerwehrverband Thurgau durchgeführt. Die Ausbildungs-Reglements des Schweizerischen Feuerwehrverbandes finden dabei Eingang in die kantonale Ausbildung. Nur so wird bundesweit ein einheitlicher Ausbildungsstand erreicht. Die Ausbilder, in der Schweiz Instruktoren genannt, werden von der „Feuerwehrinstruktorenvereinigung Thurgau“ bereitgestellt. Diese wurden wiederum an schweizerischen Kursen ausgebildet.

    Die Dienstgrade sind in der Schweiz militärisch, da die Feuerwehr im Milizsystem organisiert ist. Einfache Beförderungen nach Dauer der Zugehörigkeit gibt es nicht. Für jeden höheren Grad müssen die notwendigen Kurse besucht und bestanden werden. Der Kommandant ist in der Regel Hauptmann (Ortsfeuerwehr) oder Major (Stützpunktfeuerwehr). Der stellvertretende Kommandant ist Hauptmann (Stützpunktfeuerwehr) oder Oberleutnant (Ortsfeuerwehr), die Zugführer sind Leutnant oder Oberleutnant. Ein Materialwart ist Feldweibel, ein Verwalter (Schriftführer) ist ein Fourier, ein Gruppenführer ein Korporal oder Wachtmeister und die normalen AdF sind Soldaten.

    Wechselbehälter Wassertransport. Foto: Feuerwehr Kreuzlingen
    WLF mit AB Wassertransport: Foto: Fw Kreuzlingen

    Zweites TLF in Kreuzlingen2. Tanklöschfahrzeug. Foto: Fw Kreuzlingen.

    Mehrzweckboot der Ölwehr Kreuzlingen
    MZ-Boot von Barro. Foto: Fw Kreuzlingen.

    Bedeutung Zahl an Fahrzeug
    Jedes Fahrzeug hat eine eigene Ziffer, anhand derer es am Funk identifiziert werden kann. Diese Ziffer steht nicht im Zusammenhang mit dem Fahrzeugtyp.

    Alarmierung und AAO

    Noch bevor die Mannschaft zu einem Einsatz ausrückt, findet auf zwei Arten eine Vorauswahl der Einsatzmittel statt: Da die integrierte, kantonale Notrufzentrale in Frauenfeld angesiedelt ist, werden bei einem Notruf für das Stützpunktgebiet Kreuzlingen zunächst die zehn Teilnehmer der Kommandogruppe über einen priorisierten Telefonanruf in eine Telefonkonferenz gerufen. Die Gruppe entscheidet was zu tun ist. Erst dann folgt die Funkalarmierung nach Gruppen. Zusätzlich fährt der Einsatzleiter alleine an die Einsatzstelle und beginnt mit der Erkundung der Lage. Dadurch kann er genau bestimmen welche Ausrüstung benötigt wird. Nach Aussage von Werner Ilg kann jeder Punkt im Stützpunktgebiet binnen 15 Minuten erreicht werden, und das bei einer Ausrückezeit von fünf Minuten. Die Feuerwehr Kreuzlingen hat etwa 200 Einsätze im Jahr.

    Ausgerückt wird in einer vorgegebenen Reihenfolge, sofern der Einsatzleiter nichts anderes bestimmt. „Der Einsatzleiter weiß so bei jeder Meldung welches Material in welcher Reihenfolge eintrifft.“ Er kann das Personal und das Material dann gezielter einsetzen. Unterschieden wird hierbei zwischen Brandmeldung in Kreuzlingen und dem Unterstützungsgebiet sowie Unfallmeldung und Ölwehreinsatz. Die im Verkehrsdienst, Sanitäts- und Funkdienst eingeteilten AdF rücken selbstständig mit ihren Fahrzeugen aus.

    Das TLF rückt bei Brandmeldung als erstes aus, gefolgt von der ADL, dem Atemschutzfahrzeug, dem ULF, dem Schlauchverlegefahrzeug und dem Rüstwagen. Bei einer Brandmeldung im Stützpunktgebiet rückt lediglich der Schlauchverleger vor dem ULF aus. Bei einer Unfallmeldung fährt zunächst das Vorausfahrzeug (Pionierfahrzeug) zur Einsatzstelle. Das TLF folgt als zweites, dann der Rüstwagen, die Ölwehr und das ULF. Ein Ölwehreinsatz erfordert das Ausrücken des Ölwehrfahrzeuges und des Rüstwagens. Betrifft die Meldung den Bodensee gehen zusätzlich das Wechselladerfahrzeug (WLF) mit AB-Öl und der Ölsperrenanhänger mit.

    Reichen bei einem größeren Ereignis die eigenen Mittel nicht, „ist für uns die Feuerwehr Konstanz (Deutschland) das erste Unterstützungsele-ment“, sagt Ilg. Je nach Bedarf und Verfügbarkeit können aber auch andere Stützpunktfeuerwehren oder Ortsfeuerwehren gerufen werden. Allerdings sind die Ortsfeuerwehren nur für ihre Gemeinde zuständig und werden daher nicht unbedingt zur Verstärkung herangezogen.

    Da es keine einheitlichen Funkbezeichnungen für die Fahrzeuge im Kanton gibt, erfolgt die Kommunikation bei kantonaler Hilfe nach einem Funkschema das von der Führungsgruppe nach der jeweiligen Situation erstellt wird. „Der jeweilige Einsatzoffizier der zusätzlichen Wehr kennt seine Fahrzeuge und Rufnummern“.

     

     

    „Feuerwehr 2000plus“
    Das Gutachten „Feuerwehr 2000plus“ beurteilte die Feuerwehrstrukturen im Kanton Thurgau neu. Das Konzept soll für die Gemeinden und für die kantonalen Einrichtungen die Basis für zukünftige Entscheidungen in der Organisation des Feuerwehrwesens sein. Im Mittelpunkt steht die „Konzentration der Kräfte“ in den Stützpunktfeuerwehren. Hierdurch will man auch klare Strukturen (und Zuständigkeiten) bei größeren Schadenereignissen schaffen. Angefertigt wurde der Bericht vom Feuerwehrverband im Auftrag des Thurgauer Regierungsrates. Das Gutachten soll aber auch Ansporn und Hilfe sein, bei der Entscheidungsfindung Traditionen zu hinterfragen und nach schlanken, zukunftsorientierten Lösungen zu suchen.“

     

     

    Finanzierung der Feuerwehr

    Die Gemeinde muss die Feuerwehr finanzieren, aber den Großteil der Kosten für die Aufgaben der Stützpunktfeuerwehr trägt mit 50 Prozent die kantonale, staatliche Gebäudeversicherung. Dieses Geld stammt von den Gebäudebesitzern. Die Höhe der zu entrichtenden Prämie bemisst sich nach Art und Größe des zu versichernden Gebäudes. Gebühren, die die Feuerwehr beispielsweise bei Fehlalarmen erhebt, sind neben der oben erwähnten Ersatzabgabe die dritte Einnahmequelle der Feuerwehr.

    Die Finanzierung durch die Gebäudeversicherung macht die Kreuzlinger Wehr von der Gemeinde unabhängiger, erhöht aber den Einfluss der Versicherung. Letzteres ist dabei kein Nachteil: Verbesserung des technischen Standards, Professionalisierung und Erhöhung der Qualität sind nur einige Folgen. Schließlich hat die Gebäudeversicherung ein Interesse daran den Schaden von Bränden und Unfällen möglichst gering zu halten, gleichzeitig aber ein wirtschaftliches Feuerwehrwesen zu unterhalten.

     

    Aufsicht und Organisation

    Zunächst übt die Feuerschutzkommission die Aufsicht über die Feuerwehr aus. Die Kommission ist ein Organ des Kreuzlinger Stadtrates und setzt sich zusammen aus zwei Stadträten, einem Vertreter der Gemeinde Bottighofen, einem Vetreter des Feuerschutzamtes der Stadt (Baubehörde), dem Kommandant, und weiteren Feuerwehrleuten. Zu den Aufgaben gehören u.a. Anträge für Beschaffungen, Budgetierung, Organisation der Feuerwehr, Genehmigung des Übungsplanes, und Verfügung von Busgeldern.

    Die nächste Instanz ist das kantonale Feuerschutzamt in Frauenfeld. Es ist organisatorisch, finanziell und personell mit der Gebäudeversicherung verbunden. Das hat Auswirkungen auf die Organisation der kantonalen Wehren: Das Ziel sind kostensparende, dafür aber besser ausgerüstete Stützpunktfeuerwehren. Dennoch ist die Feuerwehr im Rahmen des Gesetzes und der Verordnungen sehr frei in ihren Entscheidungen. Im Thurgau werden die kleinen Ortsfeuerwehren jedoch nicht aufgelöst, wie anderswo in der Schweiz. Die Ortsfeuerwehren stellen Fahrzeuge und Personal für Klein- und Ersteinsätze bereit. Verzichten will die Feuerwehr Kreuzlingen nur bedingt auf sie, denn ihre Mitglieder verfügen über wichtige Ortskenntnisse.

    Das Amt hat drei Aufgaben: den vorbeugenden Brandschutz, die Löschwasserversorgung und Brandbekämpfung. Durch die Verzahnung mit der Gebäudeversicherung hat die Arbeit des Amtes einen unmittelbaren Einfluss auf die zu entrichtende Prämie. Die Beratung und Subventionierung beim Ausbau der Löschwasserversorgung dient der Förderung der Sicherheit. Die dritte Aufgabe, Brandbekämpfung, bezieht sich unmittelbar auf die Feuerwehr.

    Für den Bereich „Brandbekämpfung“ ist der kantonale Feuerwehrinspektor und seine zehn Experten zuständig. Der Feuerwehrinspektor ist die Vertretung der Gebäudeversicherung bei größeren Brandfällen auf dem Schadenplatz. Er hat Weisungskompetenz und berät als Fachbeobachter die Einsatzleitung.

    Vom Aufgabenspektrum ist er vergleichbar mit einer Mischung aus Landesbranddirektor und Leiter der Landesfeuerwehrschule. Das Feuerwehrinspektorat berät und koordiniert die Schadenwehren (Feuer-, Öl-, Chemie- und Strahlenwehr) bezüglich Anschaffungen, Ausbildung und Alarmierung sowie deren Subventionierung durch den Kanton. Der Inspektor kann Alarmübungen anordnen, um den Stand der Ausbildung zu überprüfen. Ferner verwaltet er die kantonale Alarmzentrale der Feuerwehr in Frauenfeld und die Kurse des Feuerwehrverbandes. Er berät weiterhin bei der Umsetzung des Thurgauer Feuerwehrkonzeptes „Feuerwehr 2000plus“. Außerdem ist der Inspektor für die Zusammenarbeit mit schweizerischen und kantonalen sowie internationalen Organisationen und Verbänden zuständig.

    1Der Begriff spiegelt in der Schweiz die Feuerwehrpflicht wieder. Als Miliz bezeichnet man eigentlich Streitkräfte, die ganz oder zum größten Teil aus unfreiwillig Dienst leistenden und Wehrpflichtigen bestehen.

    Weitere Informationen:

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    11 Antworten zu “Freiwillige Pflichtfeuerwehr (Teil 2)”

    Danke Stefan, besser kann unser Feuerwehrwesen nicht beschrieben werden in der Kürze und so interessant.

    Pikett, „Abteilung“ in Bereitschaft (in der Regel mit Auflagen verbunden)

    Wenn ein AdF vor erreichen der Altersgrenze die FW verlässt fällt er in der Regel in die Kategorie „Ersatzabgabe leisten“.

    Finanzen, die Einnahmen sind nicht nur für die Brandbekämpfung sondern finanzieren den gesamten Brandschutz der Stadt/Gemeinde (Prävention,Löschwasser, usw.)

    aufgelöst, wie anderswo in der Schweiz
    das ist ein längeres Kapitel aber du entwickelst dich ja langsam zum Schweiz-Experten und der nächste Beitrag folgt bestimmt…

    Sehr schöner Bericht über unsere Nachbarfeuerwehr..

    Könnte man eventuell noch die Links unten zur Homepage…etc berichtigen? Derzeit verweißen alle auf die Bilderstrecke

    Die „Motorspritze Saurer C2K-M“ sieht ja drollig aus. Ist das ein Eigenbau oder werden die Dinger so gefertigt?

    Schließe mich den anderen an, super gemachte Reportage.

    [quote comment=“6785″]Sehr schöner Bericht über unsere Nachbarfeuerwehr..

    Könnte man eventuell noch die Links unten zur Homepage…etc berichtigen? Derzeit verweißen alle auf die Bilderstrecke[/quote]
    ich habs jetzt mal gradegezogen ;)

    AUch der zweite Teil gefällt mir gut. Herzlichen Dank für die Arbeit. Ich werde beide Teile als pdf in die Homepage der Feuerwehr Kreuzlingen integrieren. Gruss Sebastian Schaad, Webmaster FW Kreuzlingen

    […] Sebastian Schaad zu Freiwillige Pflichtfeuerwehr (Teil 2): AUch der zweite Teil gefällt mir gut…. […]

    [quote comment=“6779″]aufgelöst, wie anderswo in der Schweiz
    das ist ein längeres Kapitel aber du entwickelst dich ja langsam zum Schweiz-Experten und der nächste Beitrag folgt bestimmt…[/quote]

    Danke für das Lob. Aber ein „Schweiz-Experte“ bin ich nicht wirklich. Ich war ja auch wirklich lange mit dieser Story beschäftigt: Besucht habe ich die Kreuzlinger am 15.09.2006 (!!!). Aber aus Zeitgründen konnte ich das nicht eher schreiben.

    Korrekturen/Erklärungen sind immer willkommen. Genauso wie Verbesserungswünsche für die zukünftige Reportagen.

    Auch ich hatte/habe noch immer viele offene Fragen oder Aspekte die ich noch nicht verstehe, die ich aber dann in dieser Reportage nicht aufgegriffen habe.

    [quote comment=“6792″]Die „Motorspritze Saurer C2K-M“ sieht ja drollig aus. Ist das ein Eigenbau oder werden die Dinger so gefertigt?[/quote]

    Die Motorspritzen „Saurer“ wurden für die Schweizer-Armee (Rettungstruppen) so gefertigt und werden immer noch eingesetzt.

    Auch hier den Hinweis: In der Brandhilfe (BW) 5/2007 steht ein Artikel,der aus historischer Perspektive die Kooperation der Feuerwehr Kreuzlingen und der Feuerwehr Konstanz seit dem 19. Jahrhundert darstellt.

    […] die jedoch kantonal unterschiedlich geregelt ist. (Siehe z.B. Freiwillige Pflichtfeuerwehr 1, 2). Kategorie: Aktuelles, Feuerwehr WeblogTags: Glattal, Miliz, Pikett, Schutz und Rettung, SRZ, […]