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    Löschen und retten in einer in einer Schweizer Kleinstadt am Bodensee

    Fahrzeug 10

    Ein Besuch bei der Feuerwehr im eidgenössischen Kreuzlingen macht eines deutlich: Feuerwehr ist nicht Feuerwehr. Angefangen bei Organisation und Technik bis hin zur Taktik, zeigen sich im Vergleich zu Deutschland große Unterschiede. Während beim deutschen Nachbarn zum Beispiel eine Vielzahl von Feuerwehr-Dienstvorschriften den Ablauf in Übung und Einsatz regeln, ist die Entscheidungsfreiheit des Kreuzlinger Einsatzleiters deutlich größer. Dafür gibt es aber in der Schweiz auch kein Freiwilligensystem und die Finanzierung der Feuerwehr unterliegt Kriterien der Wirtschaftlichkeit.

     

    Kreuzlingen ist eine von acht Stützpunktfeuerwehren im Thurgau. Als Gemeindefeuerwehr ist sie in einem Zweckverband auch für das nicht zur Stadt Kreuzlingen gehörende Bottighofen zuständig. Der Stützpunkt ist gegenüber der Gemeindefeuerwehr mit zusätzlichen Geräten und Fähigkeiten ausgestattet. Dazu gehören Leit-, Führungs- und Kommunikationsaufgaben, ergänzendes Material für den Lösch- und Rüsteinsatz, Ölwehr (Straße), technische Hilfeleistung, Betrieb der Atemschutzanlage sowie logistische Aufgaben. Weiterhin kann der Stützpunkt mit zusätzlichen Spezialdiensten beauftragt werden. Dazu zählen die See-Ölwehr, Chemie- und Strahlenwehr sowie Drehleiterstandort.

    Damit sind die Fahrzeugtypen in der Schweiz zumindest im Grundsatz fest definiert. Die Gemeinde muss bestimmte Fähigkeiten in der Schadenwehr – so heißt in der Schweiz die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr durch die Feuerwehr – erfüllen. Wie die Gemeinde das umsetzt, ist ihr im Rahmen der kantonalen Vorgaben selbst überlassen. Das führt zu einer schwach reglementierten Beschaffungspraxis, in der die Feuerwehr ihre Wünsche gegenüber der Gemeinde durchsetzen kann.

     

     

    Stichwort Kreuzlingen
    Kreuzlingen ist der Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Kanton Thurgau (CH). Mit 17.550 Einwohner ist Kreuzlingen die zweitgrößte Stadt des Kantons und größte Schweizer Stadt am Bodensee. Zusammen mit der deutschen Nachbarstadt Konstanz bildet die Grenzstadt eine Agglomeration von über 110.000 Einwohnern. Kreuzlingen entstand in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts durch den Zusammenschluss mehrerer Gemeinden. Der Ausländeranteil liegt bei 45 Prozent, ein Drittel davon hat einen deutschen Pass. Der Bezirk Kreuzlingen ist rund 118 Quadratkilometer groß und zählt etwa 37.200 Einwohner. Zum Bezirk gehören folgende Gemeinden: Altnau, Bottighofen, Ermatingen, Gottlieben, Güttingen, Kemmental, Kreuzlingen (Stadt), Langrickenbach, Lengwil, Münsterlingen, Tägerwilen und Wäldi.

    Stichwort Kanton Thurgau
    Der Kanton erstreckt sich auf einer Fläche von rund 991 Quadratkilometern und hat in seinen sieben Bezirken, Frauenfeld, Münchwilen, Kreuzlingen, Weinfelden, Amriswil, Bischofszell, Arbon und Diessenhofen, zusammen etwa 234.000 Einwohner. Wirtschaftlich geprägt ist der Kanton durch viele kleine und mittlere Unternehmen im Bereich Maschinenbau und dem Tourismus. Jährlich übernachten rund 350.000 Touristen dort. Der Kanton Thurgau liegt mitten im europäischen High-Tech-Dreieck Stuttgart-München-Mailand. Entsprechend gut sind die Verkehrsachsen ausgebaut.

     

     

     

    Moderner Fahrzeugpark

    Im Stützpunktgebiet fungiert Kreuzlingen als Drehleiterstützpunkt. Beim Blick in die Feuerwache zeigt sich aber ein ungewöhnliches Bild: Inmitten modernster Feuerwehrtechnologie steht eine Anhängeleiter – Baujahr 2001. Auf die Frage, warum die Feuerwehr eine moderne Anhängeleiter besitzt, hat Kreuzlingens Kommandant Werner Ilg eine einfache Antwort: „Sie ist wendiger und man kommt überall dort hin, wo die Drehleiter versagt.“ Ilg ergänzt: „Wir mussten die neue Anhängeleiter noch nie einsetzen“. Kurbeln müssen die Feuerwehrleute aber nicht, wenn sie die 22 Meter hohe Leiter aufrichten wollen – ein Elektromotor treibt die Hydraulik an.

    AnhängeleiterRettungsschlauch
    Anhängeleiter der Fw Kreuzlingen aus dem Jahr 2001 (links) und Rettungsschlauch an der Kreuzlinger ADL (rechts). Quelle: FW Kreuzlingen

    In erster Linie setzt die Feuerwehr im Einsatz die Autodrehleiter (ADL) ein. Sie entspricht einer DLK 37. Ausgefahren misst sie 37 Meter und kann mit einem Rettungsschlauch ausgestattet werden. Besondere Gefahrenquellen, die ein so hohes Hubrettungsgerät erfordern, gibt es in Kreuzlingen zwei Wohnhäuser.

    Drehleiter Keuzlingen
    Fahrzeug 6 – Auto-Drehleiter (ADL) VARIO CC mit 37 Metern Höhe von Mowag/Magirus auf MB 1834, Baujahr 1996.

    Im Bereich der Brandbekämpfung stehen zwei Tanklöschfahrzeuge (TLF), ein Schlauchverleger und ein Universallöschfahrzeug (ULF) bereit. Das „erste Tanklöschfahrzeug“ (Fahrzeug 10) ist das Zugpferd der Wehr. Bei fast jedem Einsatz rückt es als erstes aus. Der Schwerpunkt liegt in der Brandbekämpfung und einfachen technischen Hilfeleistung. Ausgestattet ist das Fahrzeug mit einer FP 40/10. „Alles nach EU-Norm“, sagt der Kommandant. Denn in der Schweiz gelten inzwischen EU-Standards. Besonders glücklich ist der Werner Ilg darüber nicht, denn „die Vorschriften in der Schweiz haben sich bewährt.“

    In der Schweiz unterschied man bisher die Pumpen nach den Typen II – IV. Pumpen des Typs II fördern maximal 1400, Typ-III-Pumpen 2800 und Typ-IV-Pumpen 3200 Liter pro Minute bei acht Bar Druck. Die Leistung einer Pumpe wird in acht Bar GMF angegeben. „GMF“ steht für „garantierte maximale Förderleistung“ „Gesamtmanometrische Förderhöhe“.

    Bei der TLF-Pumpe vom Typ Godiva WTA 40/10 handelt es sich um eine integrierte Normal- und Hochdruckpumpe. Der Hochdruck ist an den zwei Schnellangriffsschläuchen mit 40 bis 45 Bar verfügbar. In die Pumpe ist eine DLS-Einrichtung1 integriert. Der Wassertank fasst 2.200 Liter, der Schaumtank 500 Liter. Insgesamt zwei C-Abgänge liefern DLS, vier Wasser. In Kreuzlingen werden sowohl DLS, als auch die Schnellangriffseinrichtung im Innenangriff eingesetzt.

    TLF
    Das Tanklöschfahrzeug (Fahrzeug 10) ist das Zugpferd der Wehr. 2005 von Brändle auf einem MB Atego 1328 AF aufgebaut.

    Pumpe am TLFBaujahr TLF auf TüreLogo Gebäudeversicherung
    Von Links nach rechts: Pumpenbedienstand am TLF: Godiva WTA 40/10 mit Normal- und Hochdruck sowie DLS; Die Türbeschriftung zeigt neben dem Gemeindewappen und -namen auch das Baujahr des Fahrzeugs an; Auch nicht zu übersehen ist der Hinweis auf die kantonale Gebäudeversicherung am Heck von Fahrzeug 10.

    Die beiden hinteren Geräteräume sind nahezu identisch. Auf beiden Seiten befindet sich eine Schnellangriffseinrichtung mit 80 Meter Schlauchleitung. Außerdem stehen auf jeder Seite vier Hohlstrahlrohre zur Verfügung. Die Fahrzeuge sind grundsätzlich so beladen, dass mehrere Trupps mit dem Material aus einem Fahrzeug arbeiten können. Dadurch wird die Schlagkraft pro Fahrzeug erhöht. Gleichzeitig werden so Fahrzeuge eingespart.

    Ein wichtiges Fahrzeug bei Schweizer Stützpunktfeuerwehren ist das Universallöschfahrzeug (ULF). Es dient der Hilfeleistung bei Gefahrgutunfällen. Neben einer TLF-Ausstattung, ist es mit einer Polylöschanlage vom Typ TA 1200 AFFF-ATC – Light-Water-Anlage mit 1200 Litern Wasser und 80 Liter Netzmittel beladen.3 Ergänzt wird das durch eine Pulverlöschanlage mit 750 Kilogramm Pulver. Weiterhin befinden sich zwei Leichtschaumgeneratoren vom Typ FOMAX, ein 28 KVA-Generator sowie verschiedene Leitern und Hitzeschutzanzüge auf dem Fahrzeug.

    ULF
    Für Gefahrgutunfälle benötigt: Universallöschfahrzeug von Mowag auf MB 1530 AF, Baujahr 1993.

    Notwendig ist das Speziallöschfahrzeug wegen den Eisenbahnlinien und Straßen rund um Kreuzlingen. Auf ihnen werden u.a. viele Kohlenwasserstoffe transportiert. Zusätzlich haben verschiedene Betriebe ein größeres Gefahrenpotential. Dazu gehört zum Beispiel die AV-Chemie GmbH und die Mowag. Die Firma AV-Chemie stellt Klebemittel her und Mowag produziert gepanzerte Kriegsfahrzeuge.2 Sowie Alcan Packaging, das auf Herstellung von Verpackungen spezialisiert ist. Sie sind auch die größten Arbeitgeber in Kreuzlingen.

    Bei Gefahrguteinsätzen wird zusätzlich der kantonale Gefahrstoffzug aus Weinfelden gerufen. In der Schweiz heißt dieser Chemiewehr. Die Spezialfahrzeuge für Chemieeinsätze werden nur hier vorgehalten. Die Chemiewehr bringt das benötigte Material und das Personal für die Arbeit im abgesperrten Bereich um das Schadensereignis (so genannte Zone 1) mit.

    Der Schlauchverleger (Fahrzeug 11) ist mit einem deutschen Schlauchwagen (SW 2000) mit Staffelbesatzung vergleichbar. Beladen ist er mit 2.200 Meter B-Schlauchmaterial und einem Bassin mit einem Fassungsvermögen von 2000 Liter Wasser. Eine Typ-II-Motorspritze von Iveco Magirus (TS 8/8 EUROFIRE 2000) ergänzt die Beladung. Außerdem befindet sich weiteres Löschmaterial, ein Wasserwerfer, Leitern, Sperrenmaterial für Bäche und ein Notstromaggregat mit Scheinwerfer auf dem Fahrzeug.

    Und auch das gibt es hier: einen mobilen Großlüfter, bei uns unter der Bezeichnung LUF (Luftunterstützungsfahrzeug) bekannt, wird er in Kreuzlingen als MGV bezeichnet. Das steht für „Mobiler Groß-Ventilator“. Unverzichtbar ist er wegen mehrerer Auto(bahn)-Tunnel (der längste misst 1.700 Meter) und größerer Gebäude, wie Tiefgaragen, Einkaufszentren oder gewerblich genutzter Hallen. Der Großlüfter erleichtert die Entrauchung der Gebäude. An der Austrittsöffnung wird eine Windgeschwindkeit von 200 Kilometer pro Stunde erreicht. Das entspricht der Windstärke eines Hurrikan. Über Düsen im Lüfter kann Wasser zugesetzt werden. So entsteht ein feiner Sprühnebel. Dieser dient der Bekämpfung von freigesetzten Gasen und Dämpfen. Der MGV kann auch über das Stützpunktgebiet hinaus angefordert werden, da neben Kreuzlingen nur der Stützpunkt in Frauenfeld über ein vergleichbares Gerät verfügt.

    SchlauchverlegefahrzeugPumpe im SchaluchverlegerMobiler Großventilator
    Von links nach rechts: Der Schlauchverleger (Fahrzeug 11) ist dem alten deutschen SW 2000 nicht unähnlich. Aufgebaut wurde das Fahrzeug von Brändle auf einem MB Atego 1328 AF, Baujahr 2003, Foto: Fw Kreuzlingen; Das Schlauchverlegefahrzeug ist u.a. mit dieser TS 8/8 vom Typ Magirus EuroFire 2000 beladen; Der mobile Großventilator (MGV) unterstützt bei der Entrrauchung größerer Anlagen, Foto: Fw Kreuzlingen.

    Wie auch die Kameraden im deutschen Konstanz ist Kreuzlingen, neben Romanshorn und Steckborn Ölwehrstützpunkt Bodensee. Das Ölwehrmaterial für den Bodensee wird zu 90 Prozent durch den Kanton bezahlt. Den Rest bezahlt die Gemeinde. Zum Schutz des Bodensees stehen mehrere Spezialfahrzeuge zur Verfügung. Ein großes und ein kleines Ölwehrfahrzeug sowie mehrere Anhänger.

    Das kleine Ölwehrfahrzeug ist für Einsätze auf dem Land aber auch an Gewässern vorgesehen. Beladen ist es mit Kanaldichtkissen, Umleitungs-, Abdichtungs-, Sperrenmaterial, Auffangbehälter und Pumpen sowie verschiedenem zusätzlichem Ölwehrmaterial. Außerdem ist ein 30 kVA-Generator, der vom Fahrzeugmotor angetrieben wird, und ein Lichtmast mit drei Scheinwerfern eingebaut.

    Das große Ölwehrfahrzeug ist ein Wechselladerfahrzeug (WLF) mit einem Abrollbehälter-Öl. Er ist standardmäßig aufgesattelt. Der AB-Öl ist u.a. mit einer Lösungsmittelpumpe, einem Mopmatic-Ölwringer4, Absauggeräten, ex-geschützten Lüftungsgeräten und Ölwehr-Schlauchmaterial beladen. Außerdem enthält er einen 17 KVA-Generator vom Typ Atlas Copco Qas 18 YD.S sowie einen Lichtmast mit zwei 1500 Watt starken Scheinwerfern.

    Ölwehrfahrzeug
    Kleines Ölwehrfahrzeug von Mowag auf MB 1224 AF, Baujahr 1999.

     

    Wechselbehälter Ölwehr. Foto: Feuerwehr Kreuzlingen
    Großes Ölwehrfahrzeug auf MB 2538 AF von Mowag: WLF und Abrollbehälter Ölwehr. Foto: Fw Kreuzlingen.

    Wechselbehälter Ölsperren. Foto: Feuerwehr Kreuzlingen
    WLF mit AB-Ölsperren. Foto: Fw Kreuzlingen.

    Ergänzt wird das durch einen Ölsperrenanhänger mit 350 Meter Ölsperren und weiteren Abrollbehältern. Dazu gehören ein AB mit 400 Meter Ölsperren, ein AB-Wassertransport mit 1.000 Meter Transportleitungen im Durchmesser von 110 Milimeter und einem Bassin mit 35 Kubikmeter Inhalt sowie ein AB mit Pioniermaterial des Zivilschutzes.

    Bei der Beladung der Fahrzeuge fällt im Vergleich zu Deutschland das fehlende Ölbindemittel auf. „Wir haben wenig Ölbindemittel“, klärt Ilg auf, „das würde die Poren im Asphalt der Straßen verstopfen.“ In der Schweiz werden Straßen mit dem so genannten Flüsterbelag versehen. Das Ölbindemittel würde die Eigenschaft des Belages schädigen, da es in die feinen Poren eindringt. Um dennoch ausgelaufenes Öl von der Straße aufzunehmen, setzen die Wehrleute ein Fahrzeug zum Absaugen ein. Auch auf dem Wasser wird das Öl abgesaugt. Das Material dazu befindet sich auf dem Abrollbehälter Öl.

    Da Kreuzlingen auch Autobahnstützpunkt ist, verfügt die Feuerwehr über ein Vorausfahrzeug. Es ist dem deutsche Vorausrüstwagen vergleichbar. Beladen ist es mit einer Polylöschanlage vom Typ SL 200 AFFF mit einem Inhalt von 200 Liter Wasser und 6 Liter Netzmittel, Schere und Spreizer, Sanitätsmaterial, Pionierwerkzeug und einem 14 KVA-Generator.

    Weiterhin muss für die technische Hilfeleistung im Stützpunktgebiet spezielles Material vorgehalten werden. Das Pionier- oder Rüstfahrzeug (RW) verfügt über einen Heckkran mit einer Hubkraft von 610 Kilogramm bei maximaler Ausladung, einer Seilwinde mit einer maximalen Zugkraft von 7500 Kilogramm sowie einem 28 KVA-Generator. Im Aufbau sind Rollcontainer untergebracht, die mit dem Heckkran herausgehoben werden können. Eingesetzt wird der RW bei Naturkatastrophen und Bergungen.

    Vorausfahrzeug
    Das Vorausfahrzeug (Fahrzeug 6) für Verkehrsunfälle wurde von Mowag 1992 auf einem Dodge B 386 A8 4 x 4 aufgebaut.

    Rüstwagen
    Rüstwagen / Pionierfahrzeug (Fahrzeug 4) mit Ladekran von Mowag auf MB 1428 AF , Baujahr 1990.

    Neben dem Betrieb des Atemschutzzentrums stellt Kreuzlingen auch ein Atemschutzfahrzeug. Es hat neun Pressluftatmer, sechs Langzeitatemschutzgeräte (Dräger BG 4), zwei Fluchtgeräte und zwölf Ersatzflaschen geladen. Weitere Reserve-Flaschen und die Füllanlage befinden sich im Feuerwehrdepot. Weiterhin finden sich auf dem Fahrzeug Sanitätsmaterial, eine Handschiebeleiter sowie vier ex-geschützte Messgeräte. Die Atemschutzgeräteträger rüsten sich während der Fahrt aus. Vorteil ist, dass auf diese Weise gleich sechs ausgerüstete Atemschutzgeräteträger an der Einsatzstelle zur Verfügung stehen.

    Bei der Atemschutzüberwachung setzt Kreuzlingen auf ein mehrstufiges System. „Jeder Trupp im Atemschutz wird zusätzlich durch einen Truppüberwacher überwacht, die elektronische Überwachung wird durch den Atemschutzoffizier ausgeführt.“ Mit „Merlin“ von Dräger findet die elektronische Überwachung statt. Merlin ist ein telemetrisches Überwachungs- und Kommunikationssystem. Es überträgt vollautomatisch Daten von umluftunabhängigen Atemschutzgeräten über Funk an eine Überwachungstafel außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs. Sollte die Elektronik ausfallen, verfügt jeder Atemschutzträger über eine Hupe, mit der er sich verständigen kann. Einmal Hupen bedeutet „vorwärts marsch“, zweimal „Sammlung“ (bei der Brandbekämpfung „Wasser marsch“) und dreimal Frage: „Ist alles wohl?“ Antwort: „Alles ist wohl!“, vier mal hupen „Raus aus dem Haus“ und ununterbrochen im 3-Takt hupen bedeutet „SOS“.

    Blick ins Innere des AtemschutzfahrzeugesAtemschutz mit HupeEinsatzleitwagen der Feuerwehr Kreuzlingen
    Von links nach rechts: Blick in das Atemschutzfahrzeug. Die Flaschen und Sitzplätze sind seitlich zur Fahrtrichtung angeordnet; Diese Hupe dient als Ausfallreserve, falls die telemetrische Überwachung und der Funk ausfallen; Der Einsatzleitwagen kommt im gesamten stützpunktgebiet zum Einsatz, Foto: Fw Kreuzlingen.

    Einsatzleiterfahrzeug KreuzlingenLUFStütze unter Achse
    Von links nach rechts: Fahrzeug des Einsatzleiters / Kommandanten; Auch Mannschaftstransporter sind für die einfache Brandbekämpfung ausgerüstet; Um die Achsen bei längerer Standzeit zu entlasten sind unter den Fahrzeugen Balken, die beim Wegfahren umfallen.

    Um die Führungsaufgaben im Stützpunktgebiet zu bewältigen, ist auf der Feuerwache ein Einsatzleitwagen stationiert. Er hat zwei Räume: Einen Besprechungs- und einen Funkraum. Neben Material für die Einsatz- und Kartenführung, gehören zwei analoge Funkgeräte mit den Schweizer Kanälen, ein Polycom-Funkgerät, zwei Funkgeräte mit den deutschen Funkkanälen sowie Mobiltelefon, Fax, Telefon, Computer und Drucker zur Ausstattung.

    Nicht nur auf den Löschfahrzeugen, sondern auch auf den Mannschaftstransportern wird Gerät für die Brandbekämpfung mitgeführt. „Jedes Fahrzeug hat eine Handschiebeleiter, Schlauchmaterial und Kleinlöschgeräte dabei“, erklärt Kommandant Ilg. „So kommt man nicht in die Verlegenheit bei einem Feuer nicht löschen zu können.“

    Eines fällt dabei auf: Die tragbaren Leitern sind in Kreuzlingen aus Holz. „Holzleitern haben große Vorteile gegenüber den Aluminiumleitern“, sagt Kommandant Ilg. „Sie sind stabiler, wärmeunempfindlicher und man sieht ob das Material schlecht ist.“ Allerdings hat eine Holzleiter einen Nachteil: Sie ist deutlich schwerer als eine Leiter aus Aluminium.

     

    Anmerkungen:

    1 DLS = Druckluftschaum = CAF = Compressed Air Foam

    2 Mowag fertigte bis in die 1990er Jahre auch Krankenwagen und Feuerwehrfahrzeuge.

    3 Durch die Mischung von Netzmittel und Wasser entsteht so genanntes „Light Water“. Das ist ein wasserfilmbildender Schaum auf Basis verschiedener Fluor-Tenside. Er bildet zwischen Schaum und brennender Flüssigkeit einen dampfdichten, wässrigen Flüssigkeitsfilm. Bei DLS wird dagegen normales Mehrbereichsschaummittel verwendet, dass aufgrund seiner chemischen Struktur am Brandgut haften bleibt.

    4 Ein Mopmatic dient der Ölaufnahme auf Gewässern.

     

    Und nächsten Sonntag (20. Mai) Woche folgt der zweite und letzte Teil der Reportage über die Feuerwehr Kreuzlingen. Hier geht es zum 2. Teil der Reportage

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    18 Antworten zu “Freiwillige Pflichtfeuerwehr (Teil 1)”

    Wow, danke für diesen sehr schönen ausführlichen Bericht.

    sehr ausführlicher artikel und für die grösse der „gemeinde“ meiner meinung nach eine beachtliche technik.

    und stefan:
    auf vielen fotos ist im hintergrund die wache zu erkennen – hast du vllt noch ein bild mit einer gesamtaufnahme zur hand ?
    die würde mich nämlich auch interessieren :)

    auf vielen fotos ist im hintergrund die wache zu erkennen – hast du vllt noch ein bild mit einer gesamtaufnahme zur hand ? die würde mich nämlich auch interessieren :)

    Leider nein. Die lässt sich auch schlecht fotografieren, weil die in einem nach unten versetzen Hof liegt. darüber ist das Gemeindezentrum. Von der Straße ist sie aber einsehbar.

    sehr ausführlicher artikel und für die grösse der “gemeinde” meiner meinung nach eine beachtliche technik.

    Du vergißt eines: Kreuzlingen ist Stützpunktfeuerwehr! Da spielt die Größe der Gemeinde keine Rolle für den Fahrzeugpark. Ein Stützpunkt muss für das ihm zugewisene Gebiet bestimmte Aufgaben erfüllen: DLK, ULF, RWm Vorauswagen und Ölwehr wären nicht vorhanden, wenn nicht Stützpunkt. ;-)

    Man kann es nicht oft genug sagen:

    In der Schweiz sind die Kantone und auch Gemeinden VIEL autonomer als in Deutschland.

    Also das heisst alleine dieser Abschnitt stimmt schon nicht:
    „Angefangen bei Organisation und Technik bis hin zur Taktik, zeigen sich im Vergleich zu Deutschland große Unterschiede.
    Dafür gibt es aber in der Schweiz auch kein Freiwilligensystem und die Finanzierung der Feuerwehr unterliegt Kriterien der Wirtschaftlichkeit.“

    Nicht nur im Vergleich zu Deutschland sondern auch zu anderen Kantonen hat jeder Kanton grosse Unterschiede.

    Und „kein Freiwilligensystem“ stimmt nicht. Die Plichtfeuerwehr ist sehr unterschiedlich streng.

    Im Kanton Zürich ist es absolut freiwillig. In den meisten anderen Kantonen ist es eine Pflicht wenn man keine Ersatzabgabe zahlen will.
    Teilweise wird man aber „aufgeboten“ zu einem Informationsabend (und kann bestraft werden mit Busse wenn man nicht erscheint), woanderrs hineen zahlt man einfach die geringe Ersatzabgabe oder wie in Zürich ist es absolut freiwillig.

    Die Unterschiede zwischen den Kantonen sind teilweise GRÖSSER ALS ZWISCHEN CH UND BRD! Und das ist keine Übertreibung.

    Weitere Ergänzungen von mir:

    „GMF“ steht für „garantierte maximale Förderleistung“.“

    Ich dachte das stehe für „gesamtmanometrische Förderhöhe“?

    Weiss ein SchweizerIn das genauer?

    „In der Schweiz unterschied man bisher die Pumpen nach den Typen II – IV. Pumpen des Typs II fördern maximal 1400, Typ-III-Pumpen 2800 und Typ-IV-Pumpen 3200 Liter pro Minute bei acht Bar Druck.“

    Typ I gäbe es auch noch. Die Typ 4 sollte 4200 L fördern soweit ich weiss.

    Und dass EU-Normen übernommen wurden, wäre mir für den Kanton Zürich neu.
    Gilt evtl nur für Thurgau. In Zürich spricht man auch bei neuen Fahrzeugen von Pumpen des Typs III.

    Der Artikel ist natürlich super gut und ausführlich. Wollte nur kurz Dinge klarstellen, die ich für nicht ganz korrekt halte bzw die zumindest nicht für die ganze Schweiz gelten.

    Hallo Stefan.

    Kannst Du das mit den Holzbalken unter den Achsen nochmal erklären, der genaue Sinn erschließt sich mir nicht wirklich.
    Christian

    Hallo Stefan.

    Kannst Du das mit den Holzbalken unter den Achsen nochmal erklären, der genaue Sinn erschließt sich mir nicht wirklich.
    Christian

    Laut Auskunft des Kommandanten dienen die Balken zur Entlastung der Achse + Federn bei längerer Standzeit des Fahrzeug. Der Balken „bockt“ das Fahrzeug ein wenig hoch. Beim Losfahren fällt er dann aber um.

    @Moshe: Danke für deine Kritik. Zu den Pumpen: Das ist die Auskunft die ich für Kreuzlingen bekommen haben, dito „GMF“. Beides wurde übrigens durch den Kommandanten mir gegenüber auch nochmals beid er Durchsicht des Manuskripts korrigiert.

    Ich stimme Dir zu, dass die Unterschiede auch ind er SChweiz groß sind. Schweiz steht deshalb mehr Synonym für Thurgau/Kreuzlingen.

    BEVOR es jetzt Diskussionen zu ORganisation und Miliz und Pikett kommt: NÄCHSTEN Sonntag kommt der zweite Teil, da geht es mehr um Organisation, Taktik und sowas.

    Sehr gute und informative Reportage! Wirklich sehr interessant zu sehen wie es bei unseren Nachbarn so abläuft.

    @Stefan
    Ihr erlebt jetzt was seltenes: Ich gebe einen Fehler zu!

    Ich schrieb: „Und dass EU-Normen übernommen wurden, wäre mir für den Kanton Zürich neu.
    Gilt evtl nur für Thurgau. In Zürich spricht man auch bei neuen Fahrzeugen von Pumpen des Typs III.“

    Ich schaute gerade bei http://www.gvz.ch unter Kommandoakten nach. Für das TLF steht als Pumpe tatsächlich FP 10-3000!
    De Version ist vom Jan 2007. In der vorherigen Version stand das noch anders!

    Scheint also tatsächlich schweizweit so zu sein.

    Gruzz
    Ich

    Der Artikel ist sehr gut gelungen. Herzliche Gratualtion an Stefan. Mit bestem Gruss aus der Schweiz… Sebastian Schaad (Webmaster FW Kreuzlingen)

    […] der vergangenen Woche veröffentlichte das Feuerwehr Weblog den ersten Teil der Reportage über die Feuerwehr Kreuzlingen. Hier folgt nun der zweite und letzte […]

    […] 3,1 MB). Die Reportage steht auch als HTML-Version im Feuerwehr Weblog zur Verfügung (Teil 1, […]

    Weitere Ergänzungen von mir:

    „GMF“ steht für „garantierte maximale Förderleistung“.“

    Ich dachte das stehe für „gesamtmanometrische Förderhöhe“?

    Weiss ein SchweizerIn das genauer?

    „In der Schweiz unterschied man bisher die Pumpen nach den Typen II – IV. Pumpen des Typs II fördern maximal 1400, Typ-III-Pumpen 2800 und Typ-IV-Pumpen 3200 Liter pro Minute bei acht Bar Druck.“

    Typ I gäbe es auch noch. Die Typ 4 sollte 4200 L fördern soweit ich weiss.

    Und dass EU-Normen übernommen wurden, wäre mir für den Kanton Zürich neu.
    Gilt evtl nur für Thurgau. In Zürich spricht man auch bei neuen Fahrzeugen von Pumpen des Typs III.

    Der Artikel ist natürlich super gut und ausführlich. Wollte nur kurz Dinge klarstellen, die ich für nicht ganz korrekt halte bzw die zumindest nicht für die ganze Schweiz gelten.

    GMF = Gesamtmanometrische Förderhöhe ist korrekt

    Pumpe Typ IV ist die Leistung mit 3’200 l/min bei 8 bar GMF korrekt

    nur noch so am Rande;
    eine Holzleiter ist nicht „viel“ schwerer als
    eine Leiter aus Alu, für die gleiche Anforderung
    ist eine Leiter aus Holz z.B. 115 kg schwer wenn die Leiter aus Alu 108 kg schwer ist… Aber die Leiter aus Holz ist teurer… Dadurch dass sie
    (bei Pflege) länger hält wird das mehr als ausgeglichen;
    aber ist halt eine höhere Anfangs-Investition.

    […] das sogenannte SMT (System zur Mobilisierung per Telefon) aufgeboten, d.h. alarmiert (vgl. Freiwillige Pflichtfeuerwehr). Seit 20 Jahren ist das System in Betrieb, nun zeigt es aber Schwächen. Bei […]

    […] Cimander: Freiwillige Pflichtfeuerwehr (Teil 1), Freiwillige Pflichtfeuerwehr (Teil 2) (Reportage über die Feuerwehr Kreuzlingen im Kanton […]

    […] sondern Folge der Feuerwehrpflicht, die jedoch kantonal unterschiedlich geregelt ist. (Siehe z.B. Freiwillige Pflichtfeuerwehr 1, 2). Kategorie: Aktuelles, Feuerwehr WeblogTags: Glattal, Miliz, Pikett, Schutz und Rettung, SRZ, […]

    […] und damit den Wert einer Neuigkeit eingebüßt hat. In dem Kontext verweise ich auch auf meine zweiteilige Reportage über die Feuerwehr Kreuzlingen, die ich 2007 im Feuerwehr Weblog publiziert hatte. Der […]