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Von allen Tätigkeiten, die bei einer Feuerwehr anfallen, gefallen mir (fast-)Reallagen am Objekt am Besten. Diese motivieren viel mehr als die durchaus notwendigen Grundtätigkeiten, beispielsweise Leitern oder Löschaufbau, weil man eine unbekannte Lage antrifft. Anders als beim “echten” Einsatz kann man durchaus nach Game Over mit einem Insert Coin seine zweite Chance bekommen.

altenheim.jpg

Gestern war eine Objektübung auf Bereichsebene mit einigen Abteilungen der FF angesagt, die erste seit vielen Jahren. In einem ehemaligen Altersheim wurden zwei Zuglagen simuliert: jeweils Brand im 2.OG, mit bei Ankunft bereits gesprungenen Personen, andere am Fenster drohten zu springen.

Unser Zug bestand aus LF16neu, LF16alt, TLF16. Bei der ersten Lage war ich GF TLF, bei der zweiten ZF. “Meine” Lage war die kleinere mit 4 Verletzten.

Ohne viel näher auf Details einzugehen, die wichtigsten Erkenntnisse: Gruppenführer arbeiten viel härter als Zugführer. Es ist in der Tat nicht einfach, “loszulassen”. Man muss wirklich einen Schritt zurückgehen, einteilen, und laufend gucken wie sich die Dinge Entwickeln und anpassen. Meine lessons learned von gestern waren:

Ordentlich erkunden. Das hatte ich mir vom ZF-Lehrgang zwar mitgenommen, und war aber von der größe des Objekts (30x100m) irritiert. Anhand von meiner Erkundung habe ich zwar vertretbare Abschnitte gebildet – TLF: Menschenrettung Vorderseite; LF16/1: Brandbekämpfung an der Seite über Steckleiter; LF16/2 Verletztenbetreuung und -sammelstelle – aber einige Dinge übersehen: in einem Schacht direkt am Haus lag ein weiterer Verletzer; habe ich erst nach ca. 5 Minuten entdeckt.

Treppenzugang lange nicht gefunden, weil nicht weit genug erkundet. Im Ernstfall hätte ich gewaltsam einen Zugang zum sichtbaren Treppenraum geschaffen, allerdings war hier Übung. So erhielt LF16/2 erst spät den Befehl, weiträumiger zu erkunden, dabei wurde auch der offene Zugang zum Treppenraum gefunden. Guter Tipp: bei einem grossen Objekt ruhig ein Stück weggehen, um ein besseres Gesamtbild zu bekommen.

Kommunikation / Begriffe: Der Brand war im 1.OG. Ich habe dem LF16/1 Brandbekämpfung im 2.OG beauftragt. Lag vermutlich an einer Milchglasscheibe, sah aus wie ein Fenster mit Rauch dahinter. Trotzdem hätte mir der Fehler auffallen sollen. Des weiteren war lange unklar, mit wievielen Verletzen / Vermissten wir es zu tun hatten. Zwischenzeitig ging ich von acht aus, es waren aber vier. Hier wäre eine klarere Fragestellung meinerseits hilfreich gewesen: ich wollte wissen, wieviele Menschen in der Verletztensammelstelle behandelt wurden, der GF verstand das so, dass ich wissen wollte, von wievielen Personen insgesamt auszugehen war.

Kommunikation: Ein Punkt, den ich positiv hervorheben möchte. Bis auf die Batterieprobleme bei unseren 2m-Geräten hat sich gezeigt, dass zumindest was die Nomenklatur angeht, ein schlüssiges Konzept wirklich seine Vorteile hat.

In München ist das so geregelt: Abteilung – Fahrzeug – Position. Ich war im ersten Durchlauf Waldtrudering 21/1 Gruppenführer. Im IA war Waldtrudering 21/1 Angriffstrupp und am Auto der Waldtrudering 21/1 Fahrzeug. Kommt ein Trupp hinzu, wird daraus Waldtrudering 21/1 Berta.

Gut war ausserdem die Tatsache, dass ziemlich viele Schiedsrichter und qualifizierte Beobachter (zentrale Ausbildung und andere Abteilungen) zugegen waren. So bekamen wir unverblümtes, kontruktives Feedback. Ich denke, durch alle Ränge konnte alle davon profitieren und lernen: Crash-Rettung, Sprungretter, Rohrvornahme über Leiter, Kommunikation, usw.

Ach und: der Spaß hat mich meine Hose gekostet. Vor lauter Erkunden am Zaun hängengeblieben :(

(Foto: Andi Gattinger)

2 Antworten zu “Lektion des Tages: Erkunden”

[...] hat es in seinem Beitrag über die Objektübung relativ beiläufig erwähnt: Die Batterieprobleme bei [...]

Hi Irakli,

ich bin ja “nur” Lösch-Indianer (wenn auch mit bald 30 Jahren FW-Erfahrung) und insofern gerade bei größeren Lagen primär ausführendes Organ.

Aber bei uns wird – speziell wenn sich Lagen und verfügbare Kräfte dynamisch entwickeln – auch fortschreitend erkundet … und natürlich sind auch die vorgehenden Trupps immer (auch) “dezentrale Erkunder” der Einheitsführer.

Es kann ja schließlich nicht jede Führungskraft überall sein, und gerade beim Eindringen in Gebäude geht (beim Erkennen neuer Aspekte) nichts über eine schnelle, eindeutige Rückmeldung.

Wofür – wie Du zurecht schreibst – einwandfreie Kommunikationstechnik unersetzlich ist.

Gruß
Thomas