Bei Gefahren an der Einsatzstelle denkt jede gleich an AAACEEEE, GAMS oder AAA. Es gibt aber auch noch Gefahren, die nichts mit dem Einsatzgeschehen zu tun haben. Sie sind eine Sekundärfolge eines Einsatzes. Sie entstehen erst durch einen Einsatz!
Gemeint sind Folgeunfälle auf Autobahnen, Bundes- oder Landstraßen infolge eines Einsatzes von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Am gestrigen Übungsabend in Baden-Baden zeigte uns der Dozent (Feuerwehrmann und Polizist zugleich) einige Bilder von solchen Unfällen und erklärte uns auch die Situation, die dem Geschehen vorangegangen war.
Die Ursache, selbst bei freier Fahrbahn, war fast immer die gleiche: Entweder Ablenkung durch blinkendes Blaulicht und am Straßenrand stehende Fahrzeuge der Hilfsorganisationen oder Sekundenschlaf der herannahenden Auto-/Kraftfahrer. Ich selbst habe auf der Autobahn schon erlebt, dass das Unfallgeschehen (brennender Tanklastzug) auf der anderen Spur für die Autofahrer viel interessanter war, als die Konzentration auf das Autofahren. Die Folge waren zwei demolierte Fahrzeuge, darunter auch ein Einsatzfahrzeug der Polizei.
Die Analyse der Unfälle machte eines deutlich: Die beste Absperrung, selbst mit Verkehrsleitkegeln, blinkenden Lichtern oder Hinweisschildern nützt nichts, wenn die Fahrer abgelenkt werden. Die Konsequenz daraus ist, dass Polizei und Feuerwehr immer einen Mann abstellen sollten, der einige hundert Meter vor der Unfallstelle postiert ist und den herannahenden Verkehr beobachtet (beobachtet nicht regelt!). Kommt es zu einer kritischen Situation, kann dieser seine weiter hinten arbeitenden Kollegen über Funk oder Zuruf warnen.
Das mag nach einem Idiotenjob klingen, aber im Grunde ist dieser vorgezogen Posten die Absicherung für die dahinter arbeitenden Kräfte.
Auch zwei andere Aspekte wurden angesprochen: Blaues Blinklicht lenkt ab und ist im Dunkeln ohnehin schlecht zu sehen. Die Alternative ist sämtliche gelben Blinklichter (Triblitz, Warnblinkanlage, …) einzuschalten. Das Problem, die Ablenkung der Autofahrer durch dieses “Geblinke”, wird damit zwar nicht gelöst, aber in Kombination mit dem vorgezogenen Posten ist das die am wenigsten gefährliche Lösung.
Und noch eines: Wenn Kräfte im Bereitstellungsraum – egal ob Autobahn oder Schnellstraße – stehen und nicht benötigt werden, dann sollten diese nicht im Fahrzeug sitzen bleiben, sondern sich immer hinter der Leitplane aufhalten – auch wenn es bitterkalt ist. Kommt es nämlich zu einem Folgeunfall und ein LKW oder PKW rast in das mit Einsatzkräften besetzte Feuerwehrfahrzeug hinein, bleibt es mit Sicherheit nicht nur bei Blechschäden.



















Schon mal Zuruf auf einer Autobahn versucht? Halt ich für fast unmöglich.
Geschrieben von Stefan H. am 15. Dezember 2006 um 11:19
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