• Artikel

    Vorstellung Metz L32A

    Neuigkeiten von Magirus

    Neuigkeiten von Magirus

    150 Jahre Feuerwehr Konstanz

    Feuerwehr Kreuzlingen

    ELW Konstanz

    Sirenen

    Winterreifen

    Teleskopgelenkmast
  • Talkrunde
      Aktuelle Talkrunde: Recht (2)
      mit Sven Tönnemann
      Talkrunde 2: Recht
      mit Sven Tönnemann
  • Kommentare

Dass das Gewaltklima (vgl. Verrohung der Sitten: Auch ein Problem für die Feuerwehr) in einigen Städten Deutschlands hoch ist, ist bekannt. Wer die letzten Wochen die Nachrichten aufmerksam verfolgt hat, der wird sich kaum die Gewaltmeldungen in U-, S-, Straßenbahn, Bus, im Zug oder einfach auch nur auf der Straße überlesen haben, denn es sind einfach zu viele. Auch für die Feuerwehr wird dieses Klima der Gewalt zur Gefahr.

Vor einigen Wochen schreckte eine Nachricht aus Berlin die Feuerwehrleute der Republik auf: Eine Gruppe Jugendlicher rief die Feuerwehr, nicht um einen Notfall zu melden, sondern um die anrückenden Helfer zu verprügeln. Was zunächst als Einzefall erscheint, ist laut Welt.de eher die Regel.

Laut Jens-Peter Wilke beobachtet die Feuerwehr seit geraumer Zeit mit Sorge die steigende Gewaltbereitschaft gegenüber den Rettern. “Für die Kollegen sind diese Übergriffe absolut unverständlich. Sie wollen anderen helfen und sehen sich Gewalt und Anfeindungen gegenüber.” (Welt.de)

Besondes schockierend war die nun folgende Aussage:

Über Beleidigungen rege sich in der Hauptstadtfeuerwehr schon längst niemand mehr auf, bereits vor Jahren habe die Behördenleitung beschlossen, diese nicht mehr zu Anzeige zu bringen. Vor 20 Jahren sei das noch anders gewesen, weil derlei Zwischenfälle damals eine absolute Seltenheit gewesen seien. (Welt.de)

Das Problem, das hier geschildert wird, betrifft nicht nur die Feuerwehr, sondern, wie eingangs erwähnt, die gesamte Gesellschaft. Zwar mag sich der Berliner Fall durch die hohe Armut in Kombination mit hohem Ausländeranteil sowie fehlenden Perspektiven erklären, dennoch ist die Gewalt gegen die Gesellschaft und den Staat und seine Organe ein bundesweites Problem – und das auch in der statistisch sichersten deutschen Großstadt: München

“Gewalt wird um der Gewalt willen angewandt. Motiv und Mittel verschmelzen”, schrieb jüngst der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer in einem Beitrag für die “Süddeutsche Zeitung” (Spiegel Online).

Hans Magnus Enzensberger, ein deutscher Dichter und Schriftsteller, nannte diese Gewalt um der Gewalt willen, den “molekularen Bürgerkrieg” (Ders.: Aussichten auf den Bürgerkrieg): Die Gewalt richtet sich gegen alles jeden und dabei wird gerade das zerstört, was im eigenen Lebensumfeld benötigt wird. Erklären lässt sich diese Gewalt mit einem ökonomischen Integrationsmodell, das auf Norbert Elias zurückgreift.

Soziale Desintegrationprozesse erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat den Zugriff verliert, und dass sich Armutsapartheid bildet, in deren Gefolge sich ein rechtsfreier Raum herausbildet, und damit “Angst” in den nicht betroffenen Gesellschaftsteilen induziert. Mithin bildet sich das, was Enzensberger den “molekularen Bürgerkrieg” als Folge des Ausstoßes aus dem “ökonomischen Kreislauf” nennt. Öffentliche Räume werden zur Gefahr, es entstehen “befreite Zonen” und es kommt zur Desindustrialisierung. Als Optionen bleiben Flucht oder Selbstverteidigung. (zit. n. Stefan Cimander: Zwischen Hoffnung und Regression: Auf dem Weg zu Global Governance und die Zukunft des Projekts der »Zivilisation«. Unveröffetl. Hausarbeit, Freiburg 2002).

Die Feuerwehr als Institution (und Sozialisationsinstanz) wird relativ wenig gegen diese Entwicklung machen können. Die Gewalt ist nunmal endemisch. Obwohl statistisch jeder 65. Bürger dieses Landes Mitglied einer Feuerwehr ist, sind die Mitglieder nicht tief genug bzw. nicht in jedem Milieu verankert, um das vermitteln zu können, was der deutsche Friedensforscher Dieter Senghaas als “Empathie” bezeichnet: Verstädnis erzeugen durch Einblicke in das Leben und Arbeiten der Feuerwehr.

Man stelle sich nun Feuerwehrleute oder auch Rettungsdienstmitarbeiter vor, die zu Einsätzen nur noch mit schwer bewaffneter Polizeisekorte und schussicherer Weste ausrücken können. Ich hoffe, das ist nur eine Horrorvorstellung!

Das “Prügel-Problem” hat mich, als studierter Sozialwissenschaftler, auf eine Idee gebracht, die ich hoffentlich bald zu Papier bringen werde.
Habt ihr schon im Einsatz Erfahrungen mit prügelnden oder pöpelden Gaffern und Passanten gesammelt? Wenn ja, in welcher Situation und wie habt ihr diese unter Kontrolle gebracht?
(Danke Manuel!)

4 Antworten zu “Gewalt gegen Retter”

ich wär ja mal echt gespannt was da bei uns passieren würde. heute hatten wir mal wieder nen einsatz an einem sozialen brennpunkt (wenn man das in münchen überhaupt so nennen darf, kein vergleich zu berlin).
nachdem aber gleich 2 züge (1 x bf + 1 x ff) angerauscht kamen (und das ist bei fast jedem einsatz so) und die pol auch mit 3-4 streifenwagen mit von der partie war wäre es sicher ein problem für etwaige störenfriede.

wenn ich die berichte so lese und teilweise reportagen im fernsehn seh, hätt ich jedoch manchmal gut lust solchen idioten ein gully ei in den hintern zu stecken und abzufeuern…

Nicht zur Veröffentlichung gedacht:

Die FF Osdorf hat zahlreiche Erfahrungen mit Gewalt in einem der Hamburger Problemvietel gemacht, insbesondere zu Sylvester. Es handelt sich um den Osdorfer Born. Schau mal unter http://www.feuerwehr-hamburg.de unter FF Osdorf. Dort findest du die Kontaktadresse. Wenn die nicht reagieren, kann ich selber direkt Kontakt zu einem Osdorfer herstellen.

Beste Grüße Sven

Hier gehts noch relativ beschaulich zu, Silvester bei einem Containerbrand wurden wir mit China-Böllern beworfen, nachdem die Polizei anrauschte war damit aber Schluss. Letztes Jahr bei einer NPD-Gegendemo wurde das hiesige TLF der Berufsfeuerwehr eingekesselt und mit Steinen beworfen, allerdings wollten die auch die brennende Barrikade ohne Polizeischutz löschen obwohl noch zig vermummte Autonome vor Ort waren… Bei den letzten Demos war der Polizeischutz aber so extrem, dass so gut wie nichts mehr passiert ist. 100 Nazis, 5000 Gegendemonstranten, 6000 Polizisten…

Ansonsten kann man unsere “sozialen Brennpunkte” wohl nicht mit denen von Großstädten vergleichen ;-)

[...] wir in Russland. Ein Phänomen, das in Deutschland bisher zum Glück noch (!) eine Ausnahme ist, trägt sich in der [...]