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Vor allem bei Hubrettungsfahrzeugen herrscht eine Vielfalt von unterschiedlichen Bezeichnungen. Neben Normbezeichnungen und den Herstellerbezeichnungen haben sich bei den Feuerwehren inoffizielle Begriffe etabliert. Dies verwirrt, eine Vergleichbarkeit unter verschiedenen Herstellern wird erschwert, Eigenschaften sowie Verwendungszweck der Fahrzeuge und Techniken sind nicht klar erkennbar und sogar Fehler schleichen sich ein!
Es ist an der Zeit hier Klarheit zu schaffen. Ja das ist trockener Stoff, aber Ordnung muss nun mal sein bei der Feuerwehr…

Grundsätzlich gibt es in der Norm einerseits die Drehleitern und andererseits die Hubarbeitsbühnen.

Drehleitern:

Metz L32
Drehleitern werden inzwischen unterschieden in automatische und halbautomatische Drehleitern. In Deutschland wird eine Nennrettungshöhe bei einer bestimmten Ausladung angegeben. So steht die Normbezeichnung DLA (K) 23/12 für eine automatische Drehleiter mit einer Rettungshöhe von 23m bei einer Ausladung von 12m, der in Klammern stehende Buchstabe “K” steht für den Rettungskorb. Die Normbezeichnung DLS (K) 23/12 steht für die entsprechende halbautomatische Drehleiter. Der Buchstabe “S” bedeutet, dass die Leiter nur sequentielle Bewegungen ausführen kann, sprich Aufrichten, Ausfahren und Drehen im Gegensatz zur automatischen Drehleiter nicht gleichzeitig. Die Werte für Rettungshöhe und Ausladung passen hier zu den in Deutschland geltenden Bauvorschriften für Gebäudehöhen und Aufstellflächen für Feuerwehrfahrzeuge.

In Frankreich beispielsweise, wo Dank der europäischen Normung die Drehleitern genau die selben Merkmale erfüllen müssen, wird die Rettungshöhe nicht in Abhängigkeit einer bestimmten Ausladung angegeben sondern eine mindestens zu erreichende Rettungshöhe angezeigt: EPA 30 steh für “Echelle Pivotante Automatique” mit einer Rettungshöhe von 30m und entspricht einer DLA (K) 23/12.

Bis zur Einführung der DIN EN 14043 waren in Deutschland halbautomatische Drehleitern nicht vorgesehen, daher führen Drehleitern bisher die Abkürzung DLK 23-12 für “Drehleiter mit Rettungskorb” und dann entsprechend die Angabe von Rettungshöhe und Ausladung. Lange Zeit wurden die Zahlenangaben mit einem Bindestrich getrennt, jetzt in der Norm mit einem Schrägstrich.

Genau so führt auch die Firma IVECO Magirus die Herstellerbezeichnung für ihre in Ulm gefertigten Drehleitern. Zusätzlich finden sich in der Herstellerbezeichnung noch angaben über besondere Technologien. Eine Magirus DLK 23-12 nB GL CS ist beispielsweise eine automatische Drehleiter die die Normwerte einer DLA (K) 23/12 erfüllt, “nB” steht für die Magirus-Spezialität der niedrigen Bauart, zusätzlich verfügt die Leiter über ein Gelenk (GL), weshalb das Fahrzeug fälschlicherweise oft als Knickleiter bezeichnet wird, und “CS” steht für die aktive Schwingungsdämpfung “Computer Stabilized”. Wer sich näher mit den Magirus-Produkten beschäftigt findet auch noch die Zusatzbezeichnungen “HZL” für eine Hinterachszusatzlenkung, “GL-T” für ein teleskopierbares Gelenkteil der Leiter sowie “CC” für “Computer Controled” das Vorgängermodell der aktuellen Leiter.

Die Firma Metz Aerials aus Karlsruhe bezeichnet ihre Drehleitern nicht nach den ursprünglichen Normabkürzungen sondern ganz einfach nach der Arbeitshöhe. Eine DLA (K) 23/12 führt bei Metz die Herstellerbezeichnung L32.

Hubarbeitsbühnen:

Magirus ALP
In der DIN EN 1777 ist die Normbezeichnung Hubarbeitsbühne mit der Abkürzung HAB.

Die Firma Metz bezeichnet ihre Fahrzeuge jedoch nicht als Hubarbeits- sondern als Hubrettungsbühnen. Durch diese Herstellerbezeichnung soll deutlich gemacht werden, dass es sich um ein Hubrettungsfahrzeug handelt. In der Norm gehören die Hubarbeitsbühnen in diese Kategorie, allerdings wird offenbar die Stärke dieses Fahrzeugs eher als Arbeitsgerät gesehen. So wie das “L” für “Leiter” steht, steht der Buchstabe “B” für eine Bühne. Das Pendant zur L32 ist die B32, die von Metz in Zusammenarbeit mit der Firma Wumag produzeirt wird.

Die englischen Simon Snorkel gelten als Vorgänger der Hubarbeitsbühnen von IVECO Magirus. Hier führen sie die Bezeichnung Teleskop-Hubrettungsfahrzeuge und werden mit ALP abgekürzt. Diese Abkürzung steht für die englische Bezeichnung Aerial Ladder Platform. Eine ALP 320 L von Magirus hat einer Arbeitshöhe von 32m, das “L” steht für eine Baureihe bei der das Fahrzeug besonders leicht ist. Das leichteste Modell kann mit einem gewicht von 16 Tonnen zwar nicht mit allen technischen Rafinessen aufwarten, kommt aber immerhin fast an das Gewicht einer Drehleiter mit der selben Rettungshöhe heran, welches bei 15 Tonnen liegt.

Die finnische Firma Bronto Skylift setzt vor die Bezeichnung ihrer Produkte, wenn sie als Hubrettungsbühnen – auch hier spricht der Hersteller nicht von der Hubarbeitsbühne – für die Feuerwehr dienen den Buchstaben “F”. In England spricht man von der Hydraulic Platform, und so bezeichnet auch der italienische Hersteller BAI seine Piattaforma Antincendio, zu deutsch Brandbekämpfungsbühne, als Piattaforma Idraulica um auf die hydraulische Antriebsart hinzuweisen.

Die, meist seitlich am Ausleger angebrachte, Leiter darf nur dann die Normbezeichnung Rettungsleiter tragen, wenn sie zur Rettung hilfloser Personen durch Heruntertragen geeignet ist. Andernfalls darf sie nach Norm nur Aufstiegsleiter genannt werden, Notabstiegsleiter oder ähnliche Begriffe sind wiederum Herstellerbezeichnungen.

An dieser Stelle sei auch auf den Unterschied zwischen der in der Norm definierten Rettungshöhe und der von Herstellern meist angegebenen Arbeitshöhe hingewisen. Sowohl bei Drehleitern als auch bei Hubarbeitsbühnen wird die Rettungshöhe vom Korbboden senkrecht zur Standfläche des Fahrzeugs gemessen. Die in der Norm nicht auftauchende Arbeitstshöhe ist meist ca. 2m höher, und gibt an welche Höhe eine im Korb stehende Person erreichen kann. Von Metz wird diese auch Einsatzhöhe genannt.

Während bei der Drehleiter vom Rettungskorb an der Spitze des Leitersatzes gesprochen wird, ist es bei einer Hubarbeitsbühne die sogenannte Arbeitsbühne, an der Spitze des Auslegers, die dem Fahrzeug seinen Namen gibt. Erstaunlicherweise bezeichnet die Firma Magirus in ihrem Prospekt die Arbeitsbühne der ALP auch als Rettungskorb.

Landläufig wird für Hubarbeitsbühnen oft auch die Abkürzung “TM” für “Teleskopmast” sowie die Bezeichnung Gelenkmast oder Gelenkbühne verwendet. Auch die Wortkombination Teleskopgelenkmast ist geläufig. Hier werden die Eigenschaften Gelenkigkeit und Teleskopierbarkeit des Auslegers – welcher fälschlicherweise als Mast bezeichnet wird – ausgedrückt.

(Danke Jan Ole für die Fotos)

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6 Antworten zu “Bezeichnungen von Hubrettungsfahrzeugen”

Cooler Bericht! Weiter so!

TLK = Telekopmast mit Leiter und Korb fehlt noch. ;)

Kleine Korrektur: Die Firma Bronto kommt aus Finnland und nicht aus der Schweiz. In der Schweiz ist anscheinend nur die Vertretung für den deutschsprachigen Raum. Ist allerdings auf der website (www.bronto.fi) etwas verwirrend.

Kleine Korrektur: Die Firma Bronto kommt aus Finnland […]

Danke und sorry! Wurde soeben korrigiert.

[…] Während die Bezeichnung DLA (K) 23/12 wohl von jedem Feuerwehrmann interpretiert werden kann (Für diejenigen Leser die sich nicht auskennen, hier ein Link der Abhilfe verschafft: Artikel “Bezeichnung von Hubrettungsfahrzeugen”), so wird die Typen-Bezeichnung des Chassis von MAN wohl eher Fragen aufwerfen: MAN TGM 15.280 BL […]

[…] Bezeichnungen von Hubrettungsfahrzeugen […]