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Vor wenigen Tagen bekam ich eine Email eines regelmäßigen Webloglesers, dem aufgefallen war, dass mein und sein Lebenslauf einige Parallelen aufweisen. Beide sind wir journalistisch bzw. redaktionell* tätig, beide haben wir studiert, beide sind wir in der Feuerwehr. Grund für ihn, nachzufragen, ob es mir in der Feuerwehr ähnlich erging (oder ergeht) wie ihm.

Und tatsächlich: Auch er hatte gewisse Schwierigkeiten als Studierter in der Feuerwehr, auch er sieht viele Dinge aus einer anderen Perspektive als seine Kameraden und auch er hat Probleme Beruf und Feuerwehr miteinander in Einklang zu bringen.

Student und Feuerwehr

Als Student in einer dörflich strukturierten Feuerwehr hatte ich es sehr schwer. Obwohl ich Zeit meines Lebens in dem Ort gewohnt hatte, dort in der Jugendfeuerwehr war und einige bereits Aktive Feuerwehrleute kannte, hatte ich Akzeptanzprobleme. Dies ließ sich auch nicht durch gesteigertes Engagement ausgleichen. Im Gegenteil: Je mehr ich mich engagierte (u.a. Webseite, das “immer-da-sein-und-mithelfen-Syndrom”) desto weniger akzeptierten mich Kameraden. Sicherlich war das auch eine Reflexreaktion auf das eigene “nicht-Engagement”. Grundsätzlich war ich durch meinen Bildungshintergrund ein Paria.

Als Studierter stößt man mit seinen Sichtweisen über einige Vorgänge auf Unverständnis. Die Notwendigkeit von Öffentlichkeitsarbeit wird bspw. nicht erkannt, ja sogar verworfen. Auf Nachfrage erhielt ich immer wieder Antworten wie “das brauchen wir nicht” und “unser Ort ist zu klein für so was abgehobenes”. Selbst die Webseite galt lange Zeit bei den Kameraden als “intern”, also nicht für andere als die eigenen Kameraden bestimmt. Der Versuch das Wesen und den Nutzen einer Webseite zu erklären rief fragende und Unverständnis zeigende Gesichter hervor.

In der neuen Feuerwehr

Inzwischen musste ich meinen Heimatort beruflich verlassen. Eingetreten bin ich dann auch in eine andere Feuerwehr. Der städtische Charakter und die heterogene Sozialstruktur der neuen Wehr lassen beispielsweise Akzeptanzprobleme aufgrund des persönlichen Hintergrundes nicht entstehen. Eher allein durch die Tatsache, dass man “neu” ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Vereinbarkeit von Beruf und “Hobby”

Wirklich kritisch ist etwas anderes geworden: Die Vereinbarkeit von Beruf und Feuerwehr. War dies im Studium für mich kein Thema, so balanciere ich nun permanent auf einem Drahtseil.

Während der Arbeit zum Einsatz zu gehen ist definitiv unmöglich. Einmal aufgrund der Entfernung (bei mir mit dem Rad etwa 15 bis 20 Minuten) und auch wegen der redaktionellen Abläufe, die das Einhalten von Terminen erfordert. Die Erlaubnis des Arbeitgebers ist eine andere Geschichte. Auch (Zusatz-)Ausbildung ist nur begrenzt möglich. Lehrgänge sind meiner Einschätzung nach gar nicht zu machen, es sei denn im Urlaub. Dazu kommt die beruflich bedingte Pendelei (die im Übrigen gerade nächstes Jahr mit so ziemlich jedem Feuerwehr- und Feuerwehr-Weblog-Termin kollidiert!).

Aber noch aus einem weiteren Grund scheint Weiterbildung für mich in der Feuerwehr unmöglich. Die von allen Seiten (Wirtschaft, Politik) geforderte berufliche Flexibilität erlaubt oftmals keine Zusatzqualifikation zu erwerben. Man ist einerseits nicht lange genug in einer Feuerwehr, um die Wehr richtig kennen zu lernen, andererseits rechnet es sich nicht, jemanden auszubilden, der der Feuerwehr nicht von Nutzen ist, weil er wegziehen muss.

Hat Feuerwehr für mich Zukunft?

Ich weiß, dass ich zu der Kaste der beruflichen Nomaden gehören werde, wenn mein Volontariat nächstes Jahr fertig ist. Ob mir das persönlich passt, spielt keine Rolle! Ich muss – qua Gesetz bin ich sogar gezwungen, alles stehen und liegen zu lassen, um an einem anderen Ort einen Arbeitsplatz anzutreten – dann auch die Feuerwehr verlassen. Irgendwann wird aber eine Feuerwehr vor diesem Hintergrund mal sagen “Nein, dich nehmen wir nicht”. Und dann, wird die Feuerwehr zwangsläufig Vergangenheit für mich sein!

Mich würde interessieren, wer von euch studiert hat und ähnliches erleben musste. Sieht euer Lebenslauf ähnlich aus? Lief das bei euch genauso ab? Wie habt ihr bestimmte Probleme gelöst? Seht ihr das auch so pessimistisch wie ich?

* Bevor Journalisten und Redakteure jetzt Sturm laufen. Ich sehe mich weder als Journalist, noch als Redakteur. Im Feuerwehr Weblog bin ich Blogger. Was mein Volontariat betrifft, so taucht da sogar das Wort “Redakteur” auf (Dokumentationsredakteur-Online), aber de facto werde ich auch nach Ende des Volontariats kein Redakteur sein! ;-)

6 Antworten zu “Journalist und Feuerwehrmann”

Speziell der Absatz “Student und Feuerwehr” kommt mir bekannt vor, das wäre aber eine längere Geschichte, die einerseits schon viele Jahre zurückliegt, andererseits hier den Rahmen sprengt…..
Ich wohne und arbeite nach kurzem Intemezzo wieder in meinem Heimatort, wäre inzwischen dank Selbständigkeit auch ziemlich tagalarmsicher, aber meine Ex-Feuerwehr wird für mich Geschichte bleiben. Wenn ich mit jüngeren Jahren umgezogen wäre (irgendwo aufs Land) hätte ich vermutlich versucht, in der dortigen Feuerwehr unterzukommen, aber inzwischen ist meine aktive Zeit schon zu lang her. Ich müßte wo auch immer mit 39 Jahren fast bei Null anfangen.

der bildungshintergrund ist bei uns kein thema. deswegen wird man nicht diskriminiert, eher sogar mehr respektiert.

die sache mit der arbeit kenne ich auch. ich arbeite just in time in der pharmabranche. wenn ich meinen arbeitsplatz verlassen würde, würde ich durch meine nicht anwesenheit wesentlich mehr menschen schädigen, als ich im feuerwehreinsatz je retten könnte ;)

Also auch ich kann auf Grund meiner Studenteneigenschaft keine negativen Erlebnisse im Feuerwehrleben aufweisen.

Geschweige denn, dass es zu irgendwelchen Diskriminierungen oder dergleichen gekommen wäre.

Sicherlich kommt es im rein kameradschaftlichen Umfeld (ohne Feuerwehrbezug) mal zu dem ein oder anderen ‘spitzen’ Spruch… welche aber niemals böse, herabwertend, etc. gemeint sind. Im Gegenteil, denn die Kameraden wissen um meine Qualifikation und ich um Ihre.

Im Einsatz- und auch Übungsdienst dagegen würde auch ich sagen, dass man eher noch mehr respektiert wird.

Wir sind damals zu dritt als Gymasiasten in unsere Wehr eingetreten, mittlerweile studieren wir alle drei – Probleme gabs deshalb noch nie.

Kritisch ist da mittlerweile eher das Umziehen – nach anderthalb Jahren Pendeln bin ich jetzt nach Köln gezogen, was in zweierlei Weise zu Problemen führt:
An den Diensten meiner Heimatwehr im Winter, die unter der Woche sind, kann ich nur noch sporadisch teilnehmen, zudem kann – und will – ich auch nicht jedes Wochenende nach Hause, so dass sich meine Nützlichkeit für den Einsatzdienst auch arg in Grenzen hält. Auf der anderen Seite habe ich hier zwar eine BF-Wache fast direkt vor der Tür, Freiwillige gibts aber im erweiterten Innenstadtbereich gar nicht, und ich bin lange genug mit dem Rad zu unserem Gerätehaus gefahren, um zu wissen, dass 6km Anfahrt auf diese Art nicht das gelbe vom Ei sind…

Moin,
also ich bin zur Zeit zwar noch in der 13. Klasse, aber ich mache mir zur Zeit auch schon Gedanken, wie es mit der Feuerwehr bei mir weitergehen wird nach dem Abi. Mein ganz großes Problem ist zur Zeit aber, dass ich noch nicht einmal genau weiß, was ich eigentlich beruflich machen will. Ich hoffe allerdings, dass ich möglichst in meiner Stadt (Lüneburg) wohnen bleiben kann egal ob ich eine Ausbildung mache oder studiere (wozu hat man Hamburg als direkten Nachbarn?).
Ein Problem von Gymnasiasten bei der Feuerwehr sehe ich aber in der sehr praxisbezogenen Ausbildung. Mir ist schon mehrfach aufgefallen, dass ich versch. Dinge erst richtig drauf habe wenn ich sie zuerst theoretisch durchgehe und dann praktisch. Mit dem alleinigen Praktischen tue ich mich oftmals schwer, was wohl an der extem theoretischen Ausbildung am Gymnasium zu tun hat.

Ich bin Student der öffentlichen Verwaltungswirtschaft in Berlin. In meiner Heimatwehr in Brandenburg werde ich wegen meines Studiums von einem Teil der Ortswehrführung als asozial bezeichnet. Ich würde von seinen Geldern leben und auch generell seien alle Studenten Sozialschmarotzer…

Ich bin zur Zeit am Ende und habe keine Ahnung, wie ich ihm diesen Spuk austreiben kann. Sein Vater ist Schulleiter, die Mutter ist Lehrerin an der selben Schule und seine Schwester studiert auch auf Lehramt. Ich nehme an, dass es Neid ist…

Aber immerwieder kommt es zu Konflikten. Ich ziehe dann einfach den Kürzeren, um meine Ruhe zu haben. Meine Qualitäten werden nicht erkannt…

Bevor die betreffende Person bei der BF in Berlin angefangen hat, sah das ganz anders aus. Wir haben viele Abende in der Woche damit verbracht, seine Ausbildung zum Brandmeister auszuwerten. Mittlerweile ist er 3 oder 4 Jahre BM, hat sich in der Höhenrettung einen Namen gemacht und geht voll ab… (Sorry für diesen Ausdruck)

So kann es sein… Wollte ich mal von mir geben.