Am 8.10.1871 brach in der us-amerikanischen Großstadt Chicago ein Feuer aus, das bis zum 10. Oktober wütete. Die Schäden waren verheerend.
Das Ausmaß des Schadens soll höher gewesen sein, als das während der Belagerung der Stadt Moskaus durch Napoleon 1812 ausgelöste Feuer. Das Feuer in Chicago zerstörte ein Gebiet von sechs Kilometern Länge und durchschnittlich einem Kilometer Breite. 120 km Straßen, 190 km Gehwege, 2.000 Laternenmasten, 17.000 Gebäude und 200 Millionen Dollar an Besitz wurden zerstört. Das entsprach einem Drittel des Stadtwerts. Man schätzt, dass es etwa 200 bis 300 Tote gegeben hat, von denen aber nur 125 geborgen werden konnten. Rund 100.000 Einwohner verloren ihr zu Hause.
Die Brandursache geriet zum Politikum: Beschuldigt wurde lange Zeit die Einwanderin Kate O’Learys, in deren Scheune das Feuer ausbrach. In den Augen der vorherrschende Meinung war sie der perfekte Sündenbock: Sie war eine Frau, eine Einwanderin und katholisch. Zu dieser Zeit in Chicago eine gefährliche Kombination.
Heute vermutet man, dass Daniel Sullivan das Feuer legte, als er versuchte, Milch aus O’Learys Scheune zu stehlen. Dazu kamen noch das Feuer begünstigende Umstände. Ein heißer, trockener Sommer mit sehr wenig Regen hatte die Wasserreserven zusammenschmelzen lassen. Zum Zeitpunkt des Feuerausbruchs herrschten außerdem hohe Winde, die die Löschversuche der Bewohner zunichte machten und das Übergreifen des Feuers begünstigten. Selbst der Chicago River war für das Feuer kein Problem. Es übersprang den Fluß. Das Feuer breitete sich wegen der Holzbürgersteige und des Chicago Rivers, der wegen seiner massiven Verschmutzung selbst Feuer fing, extrem schnell aus.


















